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Hermes forciert Lastenradlogistik mit Rytle

KEP-Logistiker nimmt in Hamburg und Berlin erste Modelle von Rytle in Dienst. Bis 2025 will Hermes die Zustellform in 80 Prozent der deutschen Großstädte umsetzen. Entscheidender Faktor für den Erfolg: Flächen für Mikrodepots. Neben Lastenrädern auch LEV und eVans im Einsatz.

Blau wird grün: Auch Hermes setzt auf die Kombination aus E-Lastenrädern kombiniert mit Mikrodepots. | Foto: Rytle
Blau wird grün: Auch Hermes setzt auf die Kombination aus E-Lastenrädern kombiniert mit Mikrodepots. | Foto: Rytle
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Johannes Reichel

Auch der KEP-Logistikdienstleister Hermes forciert jetzt die Zustellung per E-Lastenrad. Nachhaltigkeit, alternative Mobilitätskonzepte, Effizienz und Schnelligkeit gepaart mit Kostenersparnis rückten in der Citylogistik immer weiter in den Vordergrund, so die Aussage. Der Paketlogistiker setzt dabei auf das Modell MovR, das Cargobikes des Bremer Lastenradprofis Rytle. Bis 2025 will das Unternehmen damit eine emissionsfreie Zustellung in 80 deutschen Großstädten umsetzen. Die sogenannte letzte Meile werde inzwischen für viele Paketdienstleister in den Innenstädten zu einem Problem, argumentiert der Anbieter. Umweltzonen, Dieselverbote, enge Straßen und Verkehrschaos würden die Prozesse ausbremsen. An diese neuen Anforderungen wolle man die innerstädtischen Zustellkonzepte anpassen. Logistik und Nachhaltigkeit müssten sich nicht ausschließen, meint Michael Peuker, Projektleiter bei Hermes.

„Der Einsatz von Lastenrädern gehört zur Hermes-Strategie Urban Blue, um die 80 größten deutschen Innenstädte emissionsfrei zu beliefern. Daher freuen wir uns, die nächsten Lastenräder zu übernehmen und diese in spannenden City-Logistik-Projekten einzubringen.“

Die MovR Cargobikes von Rytle sind in Berlin und Hamburg für „die letzte Meile“ im Einsatz und böten eine gute Kombination aus schneller, sicherer, umweltfreundlicher Fortbewegung sowie umfangreicher Logistik-Software, Transparenz und Flexibilität. Zudem bestünde die Möglichkeit, Mikrodepots mit Wechselboxen zu nutzen und alle Beteiligten digital in Echtzeit miteinander zu vernetzen, argumentiert der Logistiker weiter. Der Anbieter von City-Logistik-Lösungen Rytle wurde im Herbst 2016 aus einem Joint Venture des Aufbauherstellers Krone sowie der Beratungsfirma Orbitak AG gegründet. Das innovative Logistikkonzept besteht aus einem autarken mobilen Hub, dargestellt mit einem 10-Fuß-Wechselcontainer mit elektrisch betätigten Stützen, einem elektrisch unterstützten Cargobike mit Wechselfunktion für standardisierte Transportboxen – dem Rytle MovR 25 – und der passenden Software auf Smartphone und Desktop für die Logistikprozesse.

Schon früher Versuche mit Lastenrädern, doch die Technik hakte

Bei Hermes hatte es schon früher Pilotprojekte mit Lastenrädern gegeben, etwa im Hamburger Schanzenviertel oder in Berlin. Allerdings war die verfügbare Fahrradtechnik und auch das Ladevolumen zu diesem Zeitpunkt noch nicht praxistauglich. Zudem verweist Projektleiter Peuker auf die Frage der Flächenverfügbarkeit für zwingend erforderliche Mikrodepots. "Der Einsatz von Lastenrädern wird ohne Mikrodepots nicht funktionieren. Bevor wir über einen flächendeckenden Einsatz von E-Cargobikes nachdenken können, brauchen wir erst einmal Flächen – und die sind bekanntlich rar und teuer, besonders in den Städten", äußerte Peuker im Mai in einem Interview.

Mikrodepots seien aber von zentraler Bedeutung, wenn es um den Aufbau einer modernen, zukunftsfähigen Innenstadtlogistik geht.

"Sie verkürzen die Wege und ermöglichen den Einsatz alternativer Zustellfahrzeuge, die in einem klassischen Logistiksystem nicht betrieben werden könnten", erklärt der City-Logistiker.

In der Vergangenheit sei es in einem Logistiksystem mit einem bundesweiten Netz aus Verteilzentren weniger auf eine Innenstadtlage angekommen, als vielmehr auf eine gute Erreichbarkeit per Autobahn. Viele Standorte habe man deshalb bewusst außerhalb oder am Rande der Städte angesiedelt, um die Zuliefererverkehre aus dem Stadtgebiet fernhalten zu können.

"Mikrodepots hingegen müssen in hochfrequentierten Zustellgebieten aufgebaut werden, sodass auf den kurzen Wegen alternative Fahrzeuge wie E-Cargobikes eingesetzt werden können", erläutert Peuker weiter.

Die Mikrodepots dienten dabei als Umschlagfläche, um die Sendungen auf die einzelnen Lastenräder zu verteilen und als Parkplatz mit Akku-Ladestation für die E-Cargobikes.

Volumen gefragt: In Berlin setzt man ein E-Lasten-Quad ein

Seit Sommer 2018 ist der KEP-Logistiker mit einem schweren, zweispurigen und sechsrädrigen und volumenstarken E-Cargo-Bike Armadillo des schwedischen Herstellers Velove am Pilotprojekt KoMoDo in Berlin Prenzlauer Berg beteiligt, mit dem man einen wirtschaftlichen Einsatz erreichen will. Seit kurzem testet man zudem die Zustellung mit E-Cargobikes von Evolo in Cottbus sowie im Rahmen des DRL-Projekts "Ich entlaste Städte" ein Bike des Anbieters Radkutsche in Rostock. Im Rahmen des Unternehmensprrogramms "Urban Blue" testet Hermes zudem auch dreirädrige Elektro-Scooter von Tripl, die geringeres Volumen bieten und für den Paketeinsatz wie in Berlin nicht geeignet sind. Darüber hinaus kommen bereits jetzt Elektro-Transporter vom Umrüster Emovum in der Paketverteilung zum Einsatz. Zudem kommen im Rahmen eines Kooperationsvertrages über 1.500 E-Fahrzeuge mit Daimler dem Vernehmen nach seit Herbst 2018 E-Vans vom Typ Mercedes-Benz eVito zum Einsatz kommen, mittelfristig auch eSprinter. (ha/jr)

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