Hermes Projekt: Wechselbrücken-Langzug spart 20 Prozent Sprit

Von der 25,25-Meter-Fliegl-Kombination im Piloteinsatz zwischen Logistikcentern erhofft sich der Paketlogistiker deutliche Effizienz-Gewinne und Kraftstoffeinsparungen, die ein Fünftel betragen sollen.

Dreifach besser: Erstmals lassen sich mit dem Konzept drei Wechselbrücken befördern, eine signifikante Steigerung der Transporteffizienz. | Foto: Hermes
Dreifach besser: Erstmals lassen sich mit dem Konzept drei Wechselbrücken befördern, eine signifikante Steigerung der Transporteffizienz. | Foto: Hermes
Johannes Reichel

Der Hamburger KEP-Logistiker Hermes Germany hat einen Wechselbrücken-Lang-Zug in den Piloteinsatz genommen, der die Transport- und Verbrauchseffizienz deutlich steigern soll. Mit einer Länge von 25,25 Metern nutzt der neue Lang-LKW die zugelassene Maximallänge dabei vollständig aus. Der sogenannte „Fliegl Swap- Train“ kann erstmals drei statt normal zwei Wechselbrücken transportieren und soll durch die Kapazitätssteigerungen den Platzbedarf sowie den Verbrauch reduzieren. Mit dem Gigaliner würden gegenüber gängigen Modellen laut Hersteller mehr als 20 Prozent beim Dieselverbrauch eingespart, entsprechend 25 Tonnen CO² pro Jahr.

Ideal für Pendel-Dienste zwischen Logistik-Centern

Als eines der ersten Unternehmen in Deutschland testet man die Wechselbrücken-Lang-Kombination seit März diesen Jahres auf der Strecke zwischen den Logistik-Centern in Friedewald und Langenhagen. Das Konzept wurde im vergangenen Jahr auf der Messe „Transport Logistic“ in München vorgestellt.

„Durch die dritte Wechselbrücke profitieren wir von enormen Kapazitätssteigerungen im Vergleich zum normalen LKW. Besonders im Hinblick auf den bestehenden Fahrermangel ist dies ein weiteres großes Plus“, meint erklärt Marco Schlüter, Chief Operations Officer bei Hermes Germany.

Zusätzlich weist man auf die Entlastung der Verkehrswege hin. Das sei bei einer Fahrtstrecke von knapp 130.000 Kilometern pro Jahr kein unwesentlicher Faktor, so der Logistiker. Derzeit wird der „Fliegl Swap-Train“ auf einer festen Strecke zwischen den Logistik- Centern Friedewald und Langenhagen getestet. Eine Software sorgt während der Fahrt dafür, dass die Zugachse bei Kurvenfahrten automatisch ausfährt. Nur durch die Verlängerung des LKW könne dieser überhaupt um eine normale Kurve fahren, skizziert der KEP-Spezialist.

Erhöhter Platzbedarf erfordert Anpassungen

Bei dem terminlich offenen Pilottest stehen dabei vor allem das Handling, die neu entstehenden Abwicklungsprozesse an den Verteilzentren und die Einsatzmöglichkeiten an verschiedenen Standorten im Fokus.  Die Maximalgröße des Fahrzeugs berge allerdings auch Herausforderungen, wie der Logistiker zugibt.

"Der erhöhte Platzbedarf sorgt selbst an großen Standorten derzeit noch für notwendige Anpassungen im Prozessablauf“, erzählt Marco Schlüter aus der Praxis.

Doch besonders in der aktuellen Situation ist aus seiner Sicht jede Kapazitätssteigerung ein wichtiges Hilfsmittel, um die stark angestiegenen Sendungsmengen bewältigen zu können. Seit Wochen verzeichnet das KEP-Unternehmen einen Sendungsanstieg von knapp 40 Prozent. „Der perfekte Zeitpunkt, um den Gigaliner zu testen“, meint Schlüter.

Perspektivisch ist der Einsatz von Lang-LKW´s besonders zwischen den hochmodernen Hermes Logistiker-Centern interessant. Schließlich stiegen auch unabhängig von der aktuellen Entwicklung die Sendungsmengen seit Jahren konstant, prognostiziert der Logistikmanager. Diese Mengen müssten zwischen den Verteilzentren bundesweit transportiert werden. "Jede Kapazitätssteigerung ist auf der langen Strecke für uns ein immenser Vorteil", wirbt Schlüter für das Konzept.

LOGISTRA-Kommentar:

Das Thema Lang-Zug ist ja in der Öffentlichkeit durchaus umstritten und vor allem die Allianz Pro Schiene sowie die Grünen haben sich klar dagegen positioniert, wie übrigens auch beim Thema LNG-Truck-Förderung. Sie befürchten durch das eine wie das andere eine Verlagerung von noch mehr Transporten auf die Straße mit diesen Konzepten - und dass der Ausbau des Schienengüterverkehrs "unter die Räder" kommen könnte. Doch die Argumente gehen am Ziel vorbei. Es gilt, das eine zu tun (Schiene ausbauen, ein zähes Langfristprojekt), ohne das andere zu lassen (Straßengüterverkehr weiter effektivieren, wirkt kurzfristig).

Und es gilt das alte Motto: Das Bessere ist des Guten Feind. In diesem Falle: Ein effizienterer Truck ist besser als ein weniger effizienter. Das dient letztlich sehr wohl dem Klimaschutz, ebenso wie ein LNG-Truck bei weitem umweltfreundlicher sein kann als ein konventioneller, wenn man es richtig anstellt und auf die Industrialisierung von Biomethan aus Reststoffen oder gar Grünstrom setzt. Und auch der Langzug ist generell ein gutes Beispiel, wie man Ökonomie für den Unternehmer mit Ökologie für die Gesellschaft und das Klima unter einen Hut bringt.

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