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Hypermotion 2019/LDC!: Innovationsprogramm Logistik 2030 - Cargobikes und Silicon Economy

Im Rahmen der LDC! diskutierten Experten die Chancen und die Defizite des Masterplans aus dem Bundesverkehrsministerium. Gefordert ist eine "Silicon Economy", ein Mix aus Forschung und Praxis, ein Umdenken zu neuen Konzepten wie Cargobikes. "Technologie alleine löst das Problem nicht".

Diskutierten über das Innovationsprogramm Logistik 2030 (v.l.n.r.): Birgit Faßbender (BMVI), Martin Böhmer (Fraunhofer IML), Dr. Markus Kückelhaus (DHL), Martin Schmidt (RLVD) und Matthias Pieringer (LOGISTIK HEUTE). (Foto: Melanie Endres)
Diskutierten über das Innovationsprogramm Logistik 2030 (v.l.n.r.): Birgit Faßbender (BMVI), Martin Böhmer (Fraunhofer IML), Dr. Markus Kückelhaus (DHL), Martin Schmidt (RLVD) und Matthias Pieringer (LOGISTIK HEUTE). (Foto: Melanie Endres)
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Johannes Reichel
(erschienen bei LOGISTIK HEUTE von Sandra Lehmann)

Was bringt das Innovationsprogramm Logistik 2030 des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und gibt es eventuell an der ein oder anderen Stelle Nachholbedarf? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Session 1 der Logistics Digital Conference (LDC!), die am 28. November 2019 im Rahmen der Hypermotion in Frankfurt am Main über die Bühne ging.

Vorstellung der Maßnahmenpakete

Unter der Leitung von LOGISTIK HEUTE-Chefredakteur Matthias Pieringer, widmete man sich vor Ort zunächst den Eindrücken des Publikums. Danach gefragt, welche Assoziationen die Teilnehmer mit dem Innovationsprogramm verbinden, fielen vor allem Begriffe wie Wettbewerbsstärkung, Urbanisierung, Nachhaltigkeit, Blockchain sowie Förderung von Innovationsprojekten. Einige der Zuschauer beantworteten die Frage auch mit „noch nichts“. Das sollte sich mit der Keynote von Birgit Faßbender, Stellvertretende Leiterin des Referats Güterverkehr und Logistik im BMVI, ändern. Faßbender, die das Innovationprogramm Logistik 2030 mitverfasst hat, stellte zunächst die insgesamt zehn Maßnahmenfelder des Konzepts vor, die sich um Neuentwicklungen für alle Verkehrsträger, die letzte Meile, die Berufswelt der Zukunft, um Lösungen für den Klimaschutz sowie die Auswirkungen von Digitalisierung drehen. Dabei betonte Faßbender, dass das Programm als strategischer Rahmen für die Innovationsförderung in der Logistik zu verstehen sei und das BMVI bei der Entwicklung bereits miteinkalkuliert habe, dass die Welt im Jahr 2030 völlig anders aussehen könnte als in der angenommenen Szenariobeschreibung.

Silicon Economy für alle

Dass zur Umsetzung von Innovationen mehr als Technologie und Forschung notwendig sei, kam in der anschließenden Podiumsdiskussion zum Tragen. So betonte Martin Böhmer, Abteilungsleiter Informationstechnologie und Assistenzsysteme am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML die Bedeutung von Opensource-Systemen und dem Konzept der „Silicon Economy“ für den Erfolg von Logistikinnovationen. „Wir benötigen ein übergeordnetes System, dass es allen ermöglicht, Daten sicher und ohne Grenzen miteinander zu handeln. Dazu ist es auch notwendig, dass alle Beteiligten des Wirtschaftszweigs über offen verfügbare Software Zugang zu einem solchen System erhalten oder Daten wie etwa Baupläne gemeinschaftlich nutzen können“, so Böhmer in Frankfurt.

Dem pflichtete Dr. Markus Kückelhaus, Vice President Innovation & Trend Research, DHL Customer Solutions & Innovation, bei. Aus Sicht des Experten ist es unabdingbar, dass auch kleine und mittelständische Unternehmen an Technologien teilhaben können, damit Digitalisierung und Transparenz in der Logistik für alle möglich werden. Darüber hinaus plädierte Kückelhaus für eine gute Mischung aus Forschung und praktischer Anwendung, um den Nutzen bestimmter Technologien schneller für die Allgemeinheit erfahrbar zu machen.

Erst Logistik 1.0, dann Logistik 4.0

Kritik am Innovationsprogramm kam indes von Martin Schmidt, Inhaber der Cycle Logistics GmbH sowie Vorsitzender des RLVD Radlogistik Verbands Deutschland e.V. Der Fachmann für die letzte Meile betonte zwar, dass Forschung und Entwicklung sehr wichtig seien, wenn es um ein Fortkommen in der Logistik gehe, bemängelte aber auch, dass bereits vorhandene Technologien zur Optimierung kaum genutzt würden. „Wir reden alle viel von Logistik 4.0, schaffen es aber häufig nicht einmal Logistik 1.0 richtig umzusetzen“, argumentierte Schmidt.

Wertewandel gefordert

Der Radlogistik-Experte nahm dabei aber nicht nur die Logistikwirtschaft selbst in die Pflicht. Vielmehr plädierte Schmidt für Verantwortung auf allen Seiten, um Veränderungen und damit auch Innovationen möglich zu machen. „Es sollte aus meiner Sicht ein 11. Maßnahmenpaket im Programm geben: Umdenken. Technologien allein lösen das Problem nicht. Es muss ein Wertewandel in der Gesellschaft stattfinden – hin zu mehr Nachhaltigkeit und der Bereitschaft Innovationen und die damit verbundenen Changeprozesse tatsächlich mitzutragen.“

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