IAA TRANSPORTATION 2022: Continental zeigt KI, Sensoren und Pantografen

Der Technologiekonzern Continental gab Einblicke in seine Vorstellungen zur Gestaltung des zukünftigen Straßentransports. Die Lösungen will das Unternehmen auf der IAA in Hannover vorstellen.

Auf der IAA Transportation stellt Continental unter anderem seinen Pantografen für "dynamisches Laden" von Oberleitungs-Lkw vor. | Bild: Continental.
Auf der IAA Transportation stellt Continental unter anderem seinen Pantografen für "dynamisches Laden" von Oberleitungs-Lkw vor. | Bild: Continental.
Tobias Schweikl
(erschienen bei PROFI-Werkstatt von Claudia Leistritz)

Themen wie Vernetzung, Automatisierung, Digitalisierung spielen in der Transportbranche eine immer größere Rolle. Hinzu kommt die verstärkte Ausrichtung auf „nachhaltigen“ Lösungen. Der Technologiezulieferer hat in seinem Tech-Talk zur Nutzfahrzeugmesse IAA Transportation, die von 20. bis 25. September 2022 in Hannover stattfindet, einige Schwerpunkte seiner gegenwärtigen Entwicklungen vorgestellt. In den abschließenden Fragerunden wurde deutlich: Eine der großen Herausforderungen wird wohl darin liegen, die verschiedenen Anwendungen wenigstens innerhalb des europäischen Raums auch länderübergreifend für möglichst viele Fahrzeuge nutzbar zu machen.

Dr. Ismail Dagli, Head of Business Area Smart Mobility, umriss in seinem Eröffnungsvortrag zunächst einige der verschiedenen Einflüsse, denen sich die Nfz-Branche derzeit zu stellen hat, an erster Stelle den Fahrermangel. So würden laut einer Studie in Europa dieses Jahr etwa 40 Prozent der Fahrerstellen unbesetzt bleiben, unter anderem als Folge der Pandemie. Die gegenwärtige Digitalisierung von Fahrzeugen eröffne hier Lösungen, die möglicherweise das fehlende Personal – beispielsweise durch Automatisierung – ausgleichen könnte.  Daraus resultierten Fragestellungen in Hinsicht auf die Verkehrssicherheit.

Zugleich wirken aber auch strengere EU-Vorgaben bei Emissionen auf die Entwicklungen ein, wie sie zum Beispiel im „Fit for 55“-Klimapaket der Europäischen Kommission formuliert sind. Im Fokus der Planungen stünden also im Wesentlichen die Bereiche Nachhaltigkeit, Sicherheit (und faire Arbeitsbedingungen) sowie Digitalisierung; dabei versteht Continental, wie Dagli ausführt, unter Nachhaltigkeit nicht nur die Reduzierung von Emissionen, sondern den gesamten an diesem Begriff hängenden Komplex:

„es geht darum, alle Aspekte der Wertschöpfung darin einzubeziehen und zugleich verantwortlich wie auch wirtschaftlich zu agieren.“

Die Vorstellungen zur Beeinflussung der Nachhaltigkeit beispielsweise liegen dem Unternehmen zufolge einerseits in der Optimierung des Fahrzeugs, zum Beispiel in der Analyse der Fahrweise oder der Elektrifizierung von Komponenten, andererseits derjenigen des Systems wie in der Verwendung von „gänzlich nachhaltigen Materialien“. Ebenso weisen die anderen Schwerpunkte verschiedene Lösungsansätze auf.

Die Fuhrunternehmen müssten derzeit also vor allem auf strengere Gesetze, Kostendruck, Fahrermangel und Arbeitsbedingungen reagieren, in der Konsequenz die Industrie sich beschleunigt in Richtung Nachhaltigkeit, Sicherheit und Effizienz bewegen; und dies alles mit deutlich positiven Auswirkungen auf die Gesellschaft, so Dagli. In der Frage, wie dies zu bewerkstelligen sei, sieht Continental die Lösung in einer positiven Sichtweise und „Begrüßung der Transformation“: vor allem durch Nutzung von digitalen Anwendungen und nachhaltigen Technologien entlang der Wertschöpfungskette des Transport- und Logistiksektors.

Die Präsentation des Hannoveraner Mobilitäts- und Reifenspezialisten behandelte vier Themenfelder, an denen das Unternehmen gegenwärtig arbeitet:  Lösungen für den wachsenden Markt an elektrischen Trucks, digitale Anwendungen zur effizienten Nutzung von Ladeflächen, ein neuer VDO Link für Echtzeitfahrzeugdaten auch ohne Telematik sowie der Einsatz von Sensorik zur Kontrolle der Luftfederung.

Die wachsende Nachfrage nach alternativen Antriebskonzepten im Nfz-Markt ist unter anderem in Einklang zu bringen mit den „weltweiten“ Vorschriften zur Reduzierung von Emissionen und den Ausbau der Ladeinfrastruktur auch für Nfz. Für die komplexen Marktbedingungen brauchen die Hersteller erfahrene Partner zur Entwicklung passender Lösungen, so der Bericht. Continental bietet hier mehrere Anwendungen für die E-Mobilität wie Kontrollsysteme, Sensoren und Batteriemanagementsysteme.

Als Besonderheit stellt das Unternehmen seinen Pantografen, also Stromabnehmer, für Lkw-Oberleitungen heraus. Damit sollen Lkw auf eHighways während der Fahrt mit elektrischer Energie für den Antrieb sowie zum Laden der Batterie versorgt werden. Bei Continental heißt das System ERS (Electric Road System). Das hätte unter anderem zum Vorteil, dass das Fahrzeug sich nicht auf die Suche nach einer geeigneten Ladestation machen muss, die Pausenzeit unabhängig vom Laden eingeplant werden und die Batteriekapazität um 50 bis 75 Prozent reduziert werden könne.

Ladeflächenplanung

Viele Lkw-Fahrten laufen mit nur einer Teilladung oder sogar unbeladen („Leerfahrt“) ab. Um den Transport noch effizienter zu gestalten, bietet Continental eine KI (Künstliche Intelligenz)- basierte Lösung zur bestmöglichen Nutzung von Ladeflächen an. „In Zeiten knappen Frachtraums ein wichtiger Beitrag, um die Produktivität der Flotte zu steigern und den Transport nachhaltiger zu gestalten“, heißt es. Die Anwendung nennt sich „Trailer Capacity Scanner“. Dieser stellt die benötigten Daten zur Position des Fahrzeugs und dem geladenen Gewicht, aber auch über den „noch freien Lademeter“ bereit – in Echtzeit. Die Daten werden mit einem handelsüblichen Smartphone aufgenommen und in die Continental Cloud übermittelt, wo der KI-Algorithmus den vorhandenen Laderaum berechnet.

Hier ist das Stichwort Übereinstimmung mit den Standards. „Keine Nutzfahrzeugflotte in Europa soll je wieder wegen Kompatibilitätsproblemen oder unvorhergesehenen Bußgeldern und Strafen existenziell bedroht sein“, schildert Continental das Problem. Flottenmanager müssten in der Lage sein, ihr Unternehmen zu schützen. Als Vision will das Unternehmen an einem umfassenden Portfolio an kompatiblen Systemen arbeiten, die den spezifischen Bedürfnissen der jeweiligen Kunden angepasst werden können. Beispielsweise mit den Daten des „smarten Tachographen“, der sich besonders für kleine und mittlere Flotten eignen soll und zur Steigerung der Effizienz dienen kann, auch mit Hilfe von künstlicher Intelligenz die die Daten in Echtzeit übermitteln, den Fahrer überwachen und zur Pause auffordern und vor Geschwindigkeitsübertretungen warnen kann. Mit dem VDO-Link von Continental lässt sich die Anwendung den Angaben zufolge auch von Fahrzeugen ohne Telematik nutzen.

Auch wenn die Entwicklung grundsätzlich auch für Länder außerhalb Europas offen sein soll, ist die Lösung primär auf europäische Anwender konzentriert, so Marcello Lucarelli, Head EMEA of Business Segment Commercial Vehicle Fleet Services. Man arbeite an einem umfassenden „Ökosystem“ für die breite Anwendung und sei mit verschiedenen Partnern im Gespräch. In einer „secured Cloud“ sollen verschiedene Lösungen Platz finden.

Der Smart Tachograf der zweiten Generation ist den Angaben zufolge beispielsweise für alle neue Fahrzeuge mit einem Gewicht über 3,5 Tonnen ab August 2023 vorgeschrieben und muss bis spätestens September 2025 für Anwender des Smart Tachografen der ersten Generation für diese Fahrzeugklasse für den internationalen Transport nachgerüstet werden.

Den letzten Bereich stellte Marc Leinemann, Head of Advanced Development Commercial Vehicles, vor mit einem System zum Druckmanagement von Luftfederungen in Nutzfahrzeugen. Da an der Steuerung der Komponente viele Bestandteile mitwirken, müssen unterschiedlichste Werte ermittelt und in lesbare elektrische Signale übertragen werden. Zur verlässlichen Diagnose über den Zustand der Luftfedern dienen eingebaute Messsonden. Die Anwendung heißt Smart Sensor Air Spring, eine Luftfederung mit integrierten Sensoren, die wie die herkömmlichen Komponenten eingebaut wird und eine Fülle an Daten sammelt, die den Umgang mit dem Bauteil und die Logistik vereinfachen können. Die Lösung sei einfach zu handhaben, funktioniert über Plug & Play und muss nicht kalibriert werden.

Halle 12, Stand C29

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