IAA TRANSPORTATION: Aus der Nutzfahrzeug-Messe wird eine Logistikplattform

Mehr verkehrsträgerübergreifendes Denken und weniger Fokus auf das Nutzfahrzeug per se – beim Verband der Automobilindustrie e.V. hat man große Pläne mit der Neuausrichtung der IAA Nutzfahrzeuge im kommenden Jahr.

Aus der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover wird im kommenden Jahr die IAA TRANSPORTATION. | Bild: VDA
Aus der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover wird im kommenden Jahr die IAA TRANSPORTATION. | Bild: VDA
Tobias Schweikl

Der Verband der Automobilindustrie e.V. (VDA) steckt weiter im Transformationsprozess. Vor rund eineinhalb Jahren leitete man eine Strukturreform ein, um mit neuem Team den Wandel der Mobilität zu begleiten. Über das Ziel der Klimaneutralität bestehe weitgehend Einigkeit, über den Weg dorthin wolle man aber konstruktiv mit allen Stakeholdern debattieren, so der VDA. Vor allem Brüssel will der VDA künftig mehr Aufmerksamkeit schenken. Die derzeit entscheidenden Themen beruhen zum Großteil auf Vorgaben der Europäischen Union.

„Mit dem „Fit for 55“-Paket, aber auch Dossiers wie „Taxonomie“ stehen große Aufgaben und Herausforderungen für die Branche an“, sagt dazu VDA-Geschäftsführer Jürgen Mindel im Gespräch mit LOGISTRA.

Das nach außen hin sichtbarste Zeichen der neuen Ausrichtung ist die Automobilmesse IAA. Bereits in 2021 wurde die Pkw-IAA als IAA MOBILITY auf einen neuen Weg gebracht. Weniger Auto, dafür mehr Mobilität und damit auch mehr verschiedene Verkehrsträger, lautete die neue Marschrichtung. Ein Standortwechsel von Frankfurt nach München ermöglichte zudem radikal neues Denken der Messe mit so genannten Open Spaces in der Münchner Innenstadt.

Mit der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover will der VDA im kommenden Jahr ähnlich verfahren. Als IAA TRANSPORTATION soll die Messe ebenfalls das Nutzfahrzeug ein Stück weit aus dem alleinigen Fokus nehmen. Das Messekonzept wird ergänzt um weitere Verkehrsträger wie Bahn und Luftfracht, aber auch Lastenräder.

„Ein einzelner Verkehrsträger wird die Herausforderungen der Zukunft nicht lösen“, so Jürgen Mindel. Lastenräder gehörten etwa zur Stadtlogistik der Zukunft ebenso wie elektrisch betriebene Lieferwagen.

Großen Wert legt man beim VDA auch auf das Thema Infrastruktur. Sowohl die Elektromobilität als auch kommende Wasserstoff-Antriebe verlangen immense Investitionen in Lade- und Tankmöglichkeiten. Gefragt sind hier auch die Kommunen und die Öffentliche Hand. Auch den Diskurs mit NGOs wie dem BUND, Greenpeace und Fridays for Future scheue man nicht, so der VDA. Um diese Gruppen auf der Messe einzubinden, wird unter anderem der Konferenzbereich der IAA TRANSPORTATION ausgebaut.

„Wir sind offen für Gespräche mit Greenpeace und BUND, aber auch Fridays for Future“, so Jürgen Mindel.

Inhaltlich soll es künftig sowohl auf der Ausstellung wie auch auf der Konferenz auch vermehrt um das Thema Logistik gehen. Man wolle den Transport von Personen und Gütern ganzheitlich abbilden. Das bedeutet auch, dass man die IAA TRANSPORTATION auch ein Stück weit in Richtung einer Logistikmesse entwickelt. Überschneidungen mit der Logistikmesse transport logistic des Veranstalters Messe München – immerhin Partner bei der Ausrichtung der IAA MOBILITY – seien hier ausdrücklich eingepreist.

Ein Interview mit VDA-Geschäftsführer Jürgen Mindel zu diesen Themen lesen Sie hier.

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