IEA-Studie: Null-Emission bis 2050 nur mit mehr Tempo

Die Internationale Energieagentur weist den Weg zur Klimawende, für den alle Staaten die Bemühungen stark beschleunigen müssen. Basis bilden die erneuerbaren Energien. Letzter Verbrenner bis 2035.

Mehr Dampf bei der Klima-Wende: Die IEA sieht noch eine kleine Chance, das Ruder herumzureißen und das 1,5-Grad-Ziel zu halten. Aber nur bei drastischem Zubau der Erneuerbaren und internationaler Kooperation. | Foto: IEA
Mehr Dampf bei der Klima-Wende: Die IEA sieht noch eine kleine Chance, das Ruder herumzureißen und das 1,5-Grad-Ziel zu halten. Aber nur bei drastischem Zubau der Erneuerbaren und internationaler Kooperation. | Foto: IEA
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Die Internationale Energie Agentur hat den nach eigener Einschätzung ersten umfassenden weltweiten Fahrplan für eine Nullemissions-Welt vorgelegt. Das Ziel des sogenannten "Net-Zero" bis 2050 sei möglich, aber es bedürfe größter Anstrengungen. "Der Pfad ist schmal. Aber wenn die Staaten schnell und entschieden handeln, geht das" erklärte IEA-Chef Fatih Birol. Es bedürfe einer beispiellosen Transformation wie Energy produziert, transportiert und weltweit verwendet wird, so die einleitende Forderung.

Dies sei kein Rennen Staaten gegeneinander, sondern eines gegen die Zeit, bei dem keiner gewinnen könne, wenn nicht alle das Ziel erreichten, erklärte Birol bei der Vorstellung des "Flagship Reports - Net-Zero by 2050. A Roadmap for the Global Energy Sector ". Die Klimaziele der Regierungen bis dato würden bei weitem das verfehlen, was notwendig sei, um die Kohlendioxidemissionen bis 2050 auf Netz-Null zu bringen und der welt eine hauchdünne Chance zu geben, den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen. Im Moment sehe es trotz Corona-Einbruch nicht gut aus.

"Wir glauben an Zahlen. Und leider belegen sie eine massive Lücke zwischen der Rhetorik und dem, was im wahren Leben passiert", warnte Birol.

Der Plan entwirft einen Übergang zu "Net-Zero" bis 2050 bei gleichzeitiger Sicherstellung stabiler und erschwinglicher Energie, die universell zugänglich ist, niemanden zurücklasse und zugleich robusten wirtschaftliches Wachstum ermögliche. Birol versicherte, der IEA-Pfad in einer "bessere Zukunft" stelle einen historischen Impuls für Investitionen in saubere Energien dar, der Millionen neuer Jobs schaffen und das globale Wirtschaftswachstum steigern werde. Es bedürfe aber starker und glaubhafter Poltik der Regierungen, flankiert von deutlich stärkerer internationaler Zusammenarbeit. Jedes Land müsse aber nach eigenen Anforderungen und Ausgangslage die Transition selbst gestalten können.

Erneuerbare als Basis, Kernkraft allenfalls in Nebenrolle

Der Report stelle damit einen "kosteneffizienten und wirtschaftlich produktiven Pfad dar, der in einem sauberen, dynamischen und resilienten Energyystem mündet, das basiert zu 90 Prozent auf Erneuerbaren wie zu 70 Prozent Solar und Wind statt fossiler Energieträger. In Zahlen müssten jedes Jahr 630 Gigawatt an Solarenergie bis 2030 hinzugefügt werden, 390 Gigawatt bei der Windenergie. Das entspreche dem Vierfachen des Rekordniveaus von 2020. Das bedeute, man müsse den bisher weltgrößten Solarpark jeden Tag zubauen.

Der Kernkraft billigt die sonst hier eher positiv gesonnene IEA lediglich 10 Prozent Energieanteil zu. Untersucht werden aber auch die Unsicherheiten wie die Rolle von Biokraftstoffen, CO2-Abscheidung und Speicherung (CCS) sowie etwaigen Verhaltensänderungen. Bis 2030 sieht Birol dabei Technologien beteiligt, die es bereits heute industriell gibt, bis 2050 sollten aber die Hälfte der Einsparungen an Emissionen von Technologien kommen, die heute allenfalls im Prototypen- oder Demonstrationsstadium seien.

Umgekehrt müssten fossile Kraftstoffe von heute fast vier Fünfteln auf ein Fünftel fallen. Die verbleibenden fossilen Mittel müssten dort eingesetzt werden, wo Kohlendioxid unabdingbar sei, etwa in Plastik oder Facilities zur Abscheidung von CO2 oder wo low-emission-Technologien schwer verfügbar sein, fordert die IEA.

Raus aus der Kohle bis 2030 - und aus dem Verbrenner bis 2035

Konkret dürfe es ab sofort keine Neugenehmigungen mehr für neue Kohlekraftwerke oder Öl- sowie Gasfelder geben, neue Infrastrukturen hierfür seien unnötig. Ab 2025 dürften keine neuen fossilen Heizkessel mehr vertrieben werden, ab 2030 müssten neue Immobilien Null-Emissionsstandard aufweisen und die Industriestaaten müssten den Ausstieg aus der Kohlekraft vollzogen haben, bis 2040 auch die Entwicklungs- und Schwellenländer. Das Szenario betrifft neben dem Energiesektor auch die Mobilität. Hier sieht der Report den letzten Verbrenner für das Jahr 2035 auf den Markt gekommen.

Energiesparen ist Trumpf

Darüber hinaus bräuchte es einen massiven Innovationssprung und Einsatz von Technologien, etwa zur CO2-Abscheidung aus der Luft. Bis 2050 müssten über sieben Gigatonnen Kohlendioxid aufgefangen und gespeichert werden, um die Netto-Null zu erreichen, etwa auch im Bereich der CO2-intensiven Zementherstellung. Zudem müsste die Batterietechnologie Fortschritte machen und Wasserstoffeinsatz sowie Elektrolyseure in der Breite marktreif werden. Nicht zuletzt mahnte die IEA aber auch mehr Energieeffizienz an: Jedes Jahr müssten vier Prozent eingespart werden, drei mal so viel für über die letzten beiden Dekaden gespart wurde, mahnte die IEA. Es brauche "Tempo, Tempo, Tempo", mahnte die IEA-Expertin und Mitautorin des Reports, Laura Cozzi.

 

Printer Friendly, PDF & Email