Impfstoff-Logistik: Duisport-Chef sieht massive Fehler beim Bund

Erich Staake verlangt unter anderem eine stärkere Einbindung von Akteuren aus der Logistikbranche.

Erich Staake ist Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG. (Foto: Duisport)
Erich Staake ist Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG. (Foto: Duisport)
Johannes Reichel
(erschienen bei LOGISTIK HEUTE von Therese Meitinger)

Das Corona-Management des Bundes kommt nicht aus den Schlagzeilen: Während kürzlich bekannt wurde, dass Bundestagsabgeordnete Profit aus ihren Vermittlungsaktivitäten bei der Beschaffung von Schutzmasken geschlagen hatten, steht nun auch die Impfstofflogistik in der Bundesrepublik im Fokus. So hat Erich Staake, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG, den Bund scharf für dessen Vorgehen bei der Beschaffung und Distribution der Covid-19-Vakzine kritisiert. In einem am 9. März veröffentlichten Interview mit der „Rheinischen Post“ gab er an, es bedrücke ihn, dass die Pandemie zu wenig entschlossen bekämpft werde. Das Anhalten des Lockdowns ist für Staake demnach auch auf „massive logistische Fehler“ der Politik zurückzuführen.

„Die Praxis der Impfstoffbestellung empfinden viele Menschen zu Recht als skandalös“, so Staake wörtlich gegenüber der Rheinischen Post. „Anstatt den Herstellern jede nur denkbare Hilfe bei Logistik und Produktion anzubieten, wurde von den Bürokraten monatelang über Preise gefeilscht.“

Verteilung durch die Bundesländer suboptimal

Dass die Impfkampagne zu langsam anlaufe, sei auch der suboptimalen Verteilung geschuldet. So kritisierte Staake etwa die Verteilung der Impfstoffe durch die jeweiligen Bundesländer. Eine einheitliche Lösung aus einer Hand für ganz Deutschland wäre seiner Ansicht nach sinnvoller gewesen.

In dem Interview sprach sich der Duisport-Chef auch für eine stärkere Einbindung der Akteure aus dem Wirtschaftsbereich Logistik aus: Regierung und Logistikwirtschaft hätten gemeinsam einen Plan entwerfen müssen, so Staake. Und wörtlich:

„Weltweit gelten unsere Logistikunternehmen als führend. Nehmen wir die Beispiele Deutsche Post DHL oder Schenker, die zum Teil in Staatshand sind. Unternehmen wie diese hätten in die Impfkampagne integriert werden können.“

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts waren am 10. März lediglich 3,1 Prozent aller Deutschen vollständig geimpft gewesen. Der Anteil der einfach Geimpften lag bei 6,7 Prozent. In Israel sind hingegen bereits 45,5 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft. Laut WHO ist erst bei einem Durchimpfungsgrad von 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung mit Herdenimmunität zu rechnen.

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