Industrie 4.0: Spektakulärer Milliardendeal zwischen Kion und Dematic

Der Kion-Konzern will den Automatisierungs- und Softwarespezialisten Dematic kaufen. Zu Kion gehören unter anderem die Marken Linde Material Handling und Still (Flurförderzeuge) sowie Egemin Automation (Fahrerlose Transportsysteme)
Mit der Übernahme des Automatisierungs- und Softwarespezialisten Dematic entwickelt sich die Kion Group weiter in Richtung eines Intralogistik-Komplettanbieters. | Foto. Dematic
Mit der Übernahme des Automatisierungs- und Softwarespezialisten Dematic entwickelt sich die Kion Group weiter in Richtung eines Intralogistik-Komplettanbieters. | Foto. Dematic
Tobias Schweikl

Die Kion Group AG hat am 21. Juni in Wiesbaden über die Übernahme des Automatisierungstechnik- und Softwarespezialisten Dematic informiert: Der Intralogistikkonzern Kion Group, der Gabelstapler, Lagertechnik und die verbundenen Dienstleistungen im Portfolio hat, möchte durch den Dematic-Kauf „zur Weltspitze der Anbieter intelligenter Intralogistik-Lösungen“ aufrücken. Die Kion Group vereinbarte die Akquisition mit durch AEA Investors und Ontario Teachers Pension Plan verwalteten Fonds. Nach Abzügen bestimmter Verbindlichkeiten erwarte man einen Kaufpreis für die Anteile in Höhe von etwa 2,1 Milliarden US-Dollar, ausgehend von einem Unternehmenswert von 3,25 Milliarden US-Dollar. Die Transaktion unterliegt laut Kion den üblichen Vollzugsbedingungen sowie behördlichen Genehmigungen und soll im vierten Quartal 2016 abgeschlossen werden.

Kion ist mit den sieben Marken Linde, Still, Fenwick, OM Still, Baoli, Voltas und Egemin Automation am Markt vertreten. Der Konzern ist in mehr als 100 Ländern präsent und erzielte im Geschäftsjahr 2015 mit rund 23.500 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 5,1 Milliarden Euro. Dematic als Anbieter von integrierten Automatisierungstechnologien, Software und Services zur Optimierung von Lieferketten beschäftigt knapp 6.000 Mitarbeiter und erzielte im Kalenderjahr 2015 rund 1,8 Milliarden US-Dollar Umsatz. Die beiden Unternehmen sollen sich durch ihre jeweilige Marktposition und regionale Präsenz ergänzen: Dematic werde Servicenetz und Markenreputation der Kion Group in Schlüsselmärkten wie Europa, China und Brasilien nutzen, während die Kion Group von Dematics starker Stellung in den Automatisierungsmärkten der USA und Europas profitiere, hieß es.
Neue Einheit innerhalb des Konzerns

Nach Abschluss der Transaktion soll Dematic in die Kion Group integriert werden. Das Unternehmen soll eine fünfte Operating Unit bilden, die zudem Egemin Automation und Retrotech umfasst. Diese künftige Operating Unit soll von Dematic-CEO Ulf Henriksson als President geführt werden. Die Kion Group hatte bereits in den vergangenen zwölf Monaten begonnen, mit dem Kauf von Egemin Automation und Retrotech die Position als Anbieter von automatisierten Systemlösungen aufzubauen. Die Dematic-Transaktion wird laut Kion-Angaben zunächst durch einen Brückenkredit über drei Milliarden Euro finanziert, der von einer Gruppe von Banken fest zugesagt worden sei. Die Akquisition solle dann dauerhaft durch Eigenkapital, langfristige Kapitalmarktschulden und Bankenkredite refinanziert werden. Die Kapitalerhöhung durch die Ausgabe von bis zu zehn Prozent neuer Aktien nutze das gesamte gegenwärtig genehmigte Kapital aus und werde von Weichai Power als Ankeraktionär der Kion Group unterstützt.

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