Industrie-4.0-Studie: Deutsche Logistiker leisten Pionierarbeit

Intelligente Transportketten und kommunizierende Prozesse sind in der Logistik bereits weit verbreitet. Der Transfer in die produzierende Industrie scheitert am fehlenden Personal.
In Logistik und Materialfluss sind die Prozesse im Sinne von Industrie 4.0 bereits stark durch IT vernetzt. | Foto: HHLA / Engel+Gielen
In Logistik und Materialfluss sind die Prozesse im Sinne von Industrie 4.0 bereits stark durch IT vernetzt. | Foto: HHLA / Engel+Gielen
Tobias Schweikl

Die Logistik-Branche in Deutschland hat sich auf dem Weg zur vierten Industriellen Revolution, der Industrie 4.0, eine Spitzenposition erarbeitet. Zu diesem Schluss kommt die „Industrie-4.0-Studie“ des IT-Dienstleisters Computer Sciences Corporation (CSC). „Die Praxiserfahrungen der Logistik sollten für die deutsche Wirtschaft auf dem Weg zur Industrie 4.0 möglichst schnell nutzbar gemacht werden“, so Claus Schünemann, Vorsitzender der Geschäftsführung von CSC in Deutschland.
Während in Logistik und Materialfluss kommunizierende Prozesse bereits häufig zu finden sind, scheitert der Wissenstransfer in die Produktion oft an fehlendem Fachpersonal, so das Ergebnis der Studie. Nur knapp jedes dritte Unternehmen in Deutschland verfüge über ausreichend Fachkräfte, die sowohl IT-Wissen als auch Kenntnisse aus den Bereichen Logistik und Fertigung mitbringen. „Die Logistik sollte als Know-how-Treiber für Industrie-4.0-Projekte in der Fertigungsindustrie eine Schlüsselrolle spielen“, sagt Schünemann. „Anschaulich werden die Pionierleistungen der Transportexperten nicht nur in den Distributionscentern von Unternehmen sondern beispielsweise auch beim Containerumschlag der großen Überseehäfen oder im Schienengüterverkehr. Hier haben einige Unternehmen bereits den vollständigen Digitalisierungsgrad erreicht.“
Als Praxisbeispiel dafür nennt CSC die Salzgitter Flachstahl GmbH mit ihrem integrierten Hüttenwerk. Rund 40 Millionen Tonnen der Orders transportiert das Unternehmen jedes Jahr – teilweise auf eigenem Streckennetz ¬– über den Schienengüterverkehr. Zu diesem Zweck wurde die Betriebssteuerung der Schwestergesellschaft „VPS Verkehrsbetriebe Peine-Salzgitter“ umgestellt und nach der Idee einer Smart Factory voll automatisiert. Vom eingehenden Online-Auftrag, über die Transportsteuerung der rund 2.000 Güterwagen, bis zur Kundenabrechnung verfügt das Hüttenwerk heute über eine voll digitalisierte Prozesskette. Manuelle Schnittstellen, wie sie in den Fertigungshallen der Industrie heute noch sehr häufig vorkommen, gehören hier der Vergangenheit an. Die konsequente Datenerfassung liefert dabei nicht nur eine elektronische Sicht auf das gesamte Betriebsgeschehen in Echtzeit. Gleichzeitig lassen sich auf Grundlage der gespeicherten Informationen die Kosten und Angebote exakt analysieren und kalkulieren.
Die CSC-Studie „Industrie 4.0“ wurde vom 22. September bis 01. Oktober 2014 in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführt. Dafür wurden Entscheidungsträger aus Unternehmen mit mindestens zehn Mitarbeitern befragt. Die Kernbranchen der Umfrage sind Industrieunternehmen, produzierendes Gewerbe und IT. Die Nettostichprobe beträgt 900 Interviews in der DACH-Region – davon 500 in Deutschland, 250 in Österreich und 150 in der Schweiz.

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