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Innovationsprogramm Logistik 2030 stößt bei Radlogistikverband auf Kritik

Das Innovationsprogramm Logistik 2030 des Bundesverkehrsministeriums umfasst zehn Maßnahmenfelder, unter anderem die Föderung der Radlogistik. Der zuständige Radlogistikverband kritisiert den Plan als "Drohnen- und Flugtaxi-Förderprogramm" und mahnt konkretere Ausgestaltung an.

Große Bühne fürs Lastenrad, aber noch unkonkrete Förderung: Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, ordnete in Berlin die Bedeutung des Innovationsprogramms Logistik 2030 ein. | Foto: Matthias Pieringer
Große Bühne fürs Lastenrad, aber noch unkonkrete Förderung: Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, ordnete in Berlin die Bedeutung des Innovationsprogramms Logistik 2030 ein. | Foto: Matthias Pieringer
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Johannes Reichel
(erschienen bei LOGISTIK HEUTE von Matthias Pieringer)

Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, und Steffen Bilger, Parlamentarischer Staatssekretär und Koordinator der Bundesregierung für Güterverkehr und Logistik, haben am 4. September in Berlin auf einer Fachkonferenz das im Koalitionsvertrag verankerte Innovationsprogramm Logistik 2030 präsentiert.

Digitalisiert, aber auch klimafreundlich

„Wie wird die Logistik 2030 aussehen?“, fragte Scheuer zu Beginn seiner Rede. Um gleich selbst die Antwort zu geben: „Automatisiert, vernetzt, digitalisiert, aber auch klima- und umweltfreundlich.“ Da wolle man hin – konkret bedeute dies zum Beispiel: digitale Frachtinformationen, LNG-betriebene Containerschiffe, hochautomatisierte Hafenkräne, elektrifizierte Schienenstrecken, Lkw mit Wasser- und Brennstoffzelle sowie eine emissionsfreie letzte Meile, unter dem Einsatz von kleinen Lieferfahrzeugen mit Brennstoffzellen-Antrieb, Lastenrädern oder Drohnen. „Heute sind klima- und umweltfreundliche Transporte nur ein Geschäftsmodell unter vielen. 2030 ist das der Standard. Und das fördern wir“, sagte Scheuer.

Innovationskomission soll einberufen werden

Steffen Bilger, Koordinator der Bundesregierung für Güterverkehr und Logistik, machte deutlich, dass die digitale Transformation der Transport- und Logistikwirtschaft in vollem Gange sei. Mit dem Innovationsprogramm lege man den Fokus auf die Zukunft. Viele Experten aus unterschiedlichen Bereichen der Wirtschaft und der Wissenschaft hätten sich in den Prozess eingebracht und engagiert. Bilger betonte, dass das Innovationsprogramm ein lebendes Werk sei, in das er aktuelle Entwicklungen aktiv einbringen wolle. Der Koordinator der Bundesregierung für Güterverkehr und Logistik kündigte an, nun zeitnah eine Innovationskommission unter seiner Leitung einzuberufen, um gemeinsam mit Experten aus Unternehmen und Wissenschaft das Innovationsprogramm weiterzuentwickeln.

Visionen und Ziele

Das Innovationsprogramm Logistik 2030 umfasst zehn Maßnahmenfelder, die jeweils eine Vision (Szenariobeschreibung) sowie die Ziele, Umsetzungsschritte und die Adressaten für die einzelnen Punkte umfassen.


Die zehn Maßnahmenfelder:


1) Digitale Infrastrukturen, Datenverarbeitung und Plattformlösungen
 

2) Verkehrsträgerübergreifendes digitales Transportmanagement – Supply Chain digital
 

3) Berufswelt der Zukunft
 

4) Mit innovativem Güterverkehr auf Klimaschutzkurs
 

5) Vernetzte Transportwelt
 

6) Schlaue Schiene, Intelligente Bahn
 

7) Intelligente Häfen und Wasserstraßen
 

8) Innovative Luftfracht
 

9) Straße der Zukunft
 

10) Wege auf der letzten Meile

Das 70 Seiten starke Innovationsprogramm Logistik 2030 ist als PDF-Download auf der Webseite des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur verfügbar.

Radlogistik-Verband: Plan ist zu unkonkret

Als zu unkonkret in Sachen Radlogistik kritisiert der zuständige Radlogistik Verband Deutschland e.V. (RLVD). Man begrüße zwar, dass das Innovationsprogramm Logistik 2030 das Potential der Radlogistik explizit erwähne und unter anderem Mikro-Depots fördern wolle. Allerdings fehlten im Abschnitt "Letzte Meile" konkrete Fördermaßnahmen für E-Lastenräder, wie sie zum Beispiel für autonomes Fahren und Drohnen vorgesehen sind. "So kann das von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer im Mai beim Nationalen Radverkehrskongress in Dresden ausgegebene Ziel von 20 Prozent urbanem Lieferverkehr auf Lastenrädern nicht erreicht werden", glauben die Verbandsvertreter. 

Es sei unverständlich, warum die für elektrische Lieferfahrzeuge geplante Sonderabschreibung von 50 Prozent nicht auch für E-Lastenräder gelten soll. Zwar gebe es seit März 2018 auch eine bundesweite Kaufprämie für gewerbliche Schwerlasträder. Diese schließe aber eine Förderung von Leasing aus und sei auf besonders großvolumige Modelle beschränkt, so die Kritik. "Hier wird ein großes Potenzial für effektive Elektromobilität im Lieferverkehr verschenk", bilanziert der Verband. Der Gesetzentwurf zur anstehenden StVO-Reform sehe zudem ein Parkverbot für Fahrräder am Fahrbahnrand vor. Das bedeutee de facto eine Diskriminierung von emissionsfreien und stadtverträglichen E-Lastenrädern gegenüber Kraftfahrzeugen, die für die Förderung nachhaltiger urbaner Logistik absolut kontraproduktiv ist.  

Richtiger Ansatz: Verkehrszeichen für Lastenrad-Parkplätze

Stattdessen bräuchte es mehr Möglichkeiten für Kommunen, um den Einsatz von E-Lastenrädern in der urbanen Logistik gezielt zu fördern. "Wir begrüßen deswegen das geplante Verkehrszeichen für Lastenrad-Parkplätze in der anstehenden StVO-Reform. Es erlaubt Kommunen die Ausweisung von Lieferzonen speziell für Lastenräder", meinte RLVD. Solche Fördermöglichkeiten bräuchte es auch bei der Vergabe von Transportaufträgen der öffentlichen Hand und bei der Einrichtung von Mikrodepots.

"Wir brauchen analog zum „Aktionsplan Drohnen und Flugtaxis“ einen "Aktionsplan E-Lastenräder" der Bundesregierung. Im Gegensatz zu Drohnen und Flugtaxis tragen E-Lastenräder und Lastenanhänger bereits jetzt in vielen Städten zu emissionsfreier und stadtverträglicher Logistik auf der letzten Meile bei. Bei gezielter Förderung sind 20 Prozent urbaner Lieferverkehr auf E-Lastenrädern locker drin", findet Martin Schmidt, RLVD-Bundesvorsitzende.

Die Förderung der Radlogistik ist Thema der 1. Nationalen Radlogistik-Konferenz am 24.-26. Oktober in Berlin.

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