International Road Transport Union: Fahrermangel verschärft sich drastisch

Laut Weltdachverband der Straßentransportwirtschaft steigt der Fahrermangel in Europa von 23 auf 36 Prozent. Rumänien und Polen trifft es besonders hart. Und: Sichere Parkplätze fehlen auch in Deutschland.

Viele wandern aus: Besonders hoch ist Fahrermangel in Rumänien (62 Prozent) und Polen (37 Prozent), wo nur zwei Prozent der Trucks von Frauen gesteuert werden | Abb.: IRU
Viele wandern aus: Besonders hoch ist Fahrermangel in Rumänien (62 Prozent) und Polen (37 Prozent), wo nur zwei Prozent der Trucks von Frauen gesteuert werden | Abb.: IRU
Tobias Schweikl
(erschienen bei Transport von Dr. Karsten Düsdieker)

Die International Road Transport Union IRU mit Sitz in Genf berechnete den Mangel an Berufskraftfahrern in Europa und prophezeit 2020 einen dramatischen Sprung auf 36 Prozent Fahrermangel (Vorjahr: 23 Prozent). Als Weltverband der Straßentransportwirtschaft untersuchte die IRU kleinere und mittelständische Transportfirmen in zehn europäischen Ländern (Spanien, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Österreich, Niederlande, Norwegen, Polen, Rumänien, Tschechische Republik).

Engpass durch Auswanderung

Dem Bericht zufolge traf es Polen und Rumänien am heftigsten. Der Fahrermangel in Polen nimmt im Laufe des aktuellen Jahres um von 22 auf 37 Prozent zu — das bedeute harte 15 Prozent weniger Trucker als noch 2019.

Noch schlimmer erwischt es Rumänien. Hier verschärft sich der Fahrermangel von ohnehin kritischen 50 Prozent im Vorjahr auf 62 Prozent für 2020 (eine Verschlechterung um 12 Prozent). Ein Grund: rund 3,4 Millionen Menschen verließen in den letzten zehn Jahren das Land.

Fahrerinnen und sichere Parkplätze fehlen

Polnische und rumänische Trucks haben mit nur zwei Prozent Berufskraftfahrerinnen die niedrigste Frauenquote ganz Europas. Gründe hierfür sind schwierige Arbeitsbedingungen, das Fehlen sicherer Parkplätze und lange Abwesenheiten von zu Hause.

Der polnische Fernlastkraftverband ZMPD und sein rumänisches Pendant UNTRR fordern daher Verbesserungen seitens der Politik. Im Gespräch sind – neben besserem Arbeitsumfeld – vor allem Erleichterungen für Aus-und Weiterbildung, berufliche Umschulung und studentische Aushilfsfahrer. Verlangt werden zudem mehr Mindestlohn, niedrigere Einstiegsalter und die Einstellung von Nicht-EU-Bürgern.

Konkrete Lösungsvorschläge

Um chronischen Fahrermangel in Europa abzustellen, stellt die IRU folgende Forderungen an die Politik:

  • Absenkung und Harmonisierung des Mindestalters für BerufskraftfahrerInnen
  • Gemeinsame Bemühungen mit dem European Shippers’ Council (ESC) um bessere Anlieferumfelder für FahrerInnen
  • Schaffung und Finanzierung von mehr, besseren und sicheren Lkw-Parkplätzen
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