Interview: Shell will mit Bio-LNG eine Million Tonnen CO2 sparen

Im Gespräch erklärt Rainer Klöpfer, Sales Manager Fleet Solutions & Managing Director bei EuroShell, wie man das LNG-Netz ausbauen will und warum Bio-LNG ein essenzielles Puzzleteil hin zu CO2-Neutralität ist.

Brückenbauer: Im Interview erklärte Rainer Klöpfer, warum LNG eine große Zukunft hat, aber perspektivisch durch Bio-LNG ersetzt werden muss. | Foto: Shell
Brückenbauer: Im Interview erklärte Rainer Klöpfer, warum LNG eine große Zukunft hat, aber perspektivisch durch Bio-LNG ersetzt werden muss. | Foto: Shell
Johannes Reichel
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Wie bewerten Sie den globalen Markt für LNG? Wie schätzen Sie die Wachstumschancen ein?

Klöpfer: Der Klimawandel ist eine globale Herausforderung, der wir uns als Energieunternehmen verantwortungsvoll angenommen haben. Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen und die Kohlendioxidemissionen drastisch und langfristig zu senken, braucht es saubere Energielösungen – wie beispielsweise Shell LNG. Mit dieser emissionsarmen Alternative helfen wir, den Transportsektor und die Umwelt trotz weiter steigendem Güterverkehr auf den Straßen zu entlasten. 

Auch um die CO2-arme beziehungsweise -neutrale Versorgung schwer zu elektrifizierender Sektoren in der Zukunft sicherzustellen, wird die weltweite LNG-Nachfrage bis zum Jahr 2040 auf 700 Millionen Tonnen geschätzt. Langfristig soll die fossile LNG-Gewinnung abgelöst werden durch Biomasse oder Strom aus erneuerbaren Energien. Wir sind uns dieser Aufgabe bewusst und setzen nicht zuletzt deswegen einen starken Fokus auf Forschung und Entwicklung in diesem Bereich.

Blicken wir auf Deutschland: Die Infrastruktur der LNG-Stationen war bislang noch ausbaufähig. Was hat sich in dieser Hinsicht bei Shell getan?

Klöpfer: Zuletzt konnten wir unser LNG-Stationsnetz in Deutschland auf 16 Stationen weiter ausbauen, vor allem entlang wichtiger Routen für Lkw. Bis Ende 2021 planen wir den Ausbau der Infrastruktur auf 25 Stationen. Der aktuelle Status der Stationen kann über das Portal https://lng-news.app/ eingesehen werden. Zudem stellen wir dort alle Informationen zu Verfügbarkeiten, Wartungsarbeiten oder Lieferverzögerungen bereit, sodass Fuhrparkmanager eine optimale Routenführung für ihre Flotte planen können. Außerhalb Deutschlands können unsere Kunden LNG in Belgien, Frankreich, Spanien, Polen und den Niederlanden beziehen. Zudem arbeiten wir mit Akzeptanzpartnern zusammen, wie beispielsweise AirLiquide in Frankreich und Belgien oder Rolande in Belgien und den Niederlanden.

Inwiefern unterscheidet sich die Betankung von LNG zu Diesel?

Klöpfer: Der Betankungsvorgang mit LNG unterscheidet sich aufgrund der Kraftstoffeigenschaften und der niedrigen Temperatur von minus 162 °C von dem Betanken mit Diesel. Deshalb muss hier eine Schutzausrüstung in Form von Sicherheitshandschuhen und Schutz-Visier angelegt werden, um nicht mit dem tiefkalten Gas in Berührung zu kommen. Da Sicherheit bei uns oberste Priorität hat, bieten wir Schulungen und Online-Trainings an, um die Fahrer hinsichtlich der Betankung mit LNG zu schulen. Dieses Angebot wird gut angenommen und die Fahrer lernen den Prozess erfahrungsgemäß schnell.

Das Thema Bio-LNG wird hinsichtlich strengeren Emissionsvorgaben immer wichtiger. Hat Shell Pläne, die auch Bio-LNG einschließen?

Klöpfer: Definitiv. Wir haben bereits den Antrag zum Bau einer Gasverflüssigungsanlage im Shell Energy and Chemicals Park Rheinland bei den Genehmigungsbehörden eingereicht. Die 100.000-Tonnen-Anlage soll ab 2023 CO2-neutrales LNG liefern, das mithilfe von Biomethan hergestellt wird. Unser Ziel ist es, mit dem Aufbau einer vollständigen Lieferkette und Infrastruktur von Bio-LNG dazu beizutragen, innerhalb weniger Jahre im deutschen Schwerlastverkehr jährlich bis zu eine Million Tonnen CO2 einzusparen. Das ist ein wichtiger Teil unserer Transformation als Energieunternehmen auf dem Weg zu Netto-Null-Emissionen und einer unserer Beiträge zur Energiewende.

Durch den mittlerweile verfügbaren breiten Kraftstoffmix ändern sich auch die Anforderungen an eine Tankkarte. Wie gehen Sie dieses Thema an, was können Kunden erwarten?

Klöpfer: Eine Tankkarte muss heutzutage vielseitig sein, nicht nur hinsichtlich der Services, sondern vor allem beim Kraftstoffbezug. Mit der Shell LNG Card können unsere Kunden neben LNG auch alle anderen Kraftstoffe beziehen, ebenso verhält es sich beim Laden von Elektrofahrzeugen. Neben Strom können auch Diesel oder Benzin bezogen werden. Für uns ist wichtig, dass die Shell Card so viel wie möglich abdeckt und wir unseren Kunden alles bieten, damit sie vorn im Markt mitspielen können.

Das Interview führte Nadine Bradl

LOGISTRA-Kommentar:

Vor allem im Lkw und noch mehr im Schiffsverkehr wird Bio-LNG eine immer wichtigere Rolle spielen, um die CO2-Ziele zu erreichen. Wenn es auf der Tankkarte inkludiert ist, erleichtert das das Handling.

 

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