ITS World Congress 2021: TSB befördert Container autonom und emissionsarm

Hersteller verspricht Kosten- und Emissionsreduktionen mit dem System auf Magnettechnik-Basis, das in nur sechs Monaten im Hamburger Hafen realisiert wurde und nun skaliert werden soll.

Handfest über den Dingen schweben: Stefan Bögl wirbt für das relativ preiswerte Magnetschwebebahnsystem TSB, das jetzt im Hamburger Hafen in Probebetrieb ging. | Foto: Max Bögl
Handfest über den Dingen schweben: Stefan Bögl wirbt für das relativ preiswerte Magnetschwebebahnsystem TSB, das jetzt im Hamburger Hafen in Probebetrieb ging. | Foto: Max Bögl
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Die Firmengruppe Max Bögl hat das eigenentwickelte TSB Cargo auf einer dafür errichteten Demonstrationsanlage anlässlich des ITS World Congress 2021 in Hamburg erstmals der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Der Bund fördert das Projekt zur Entwicklung und Erprobung einer alternativen Technologie für einen umweltfreundlichen, nachhaltigen und effizienten Gütertransport. Unter den 900 Gästen und Besuchers waren auch viele europäische Hafenbetreiber, sowie Delegationen aus Südamerika und Saudi-Arabien. Die Firmengruppe Max Bögl liefert das Gesamtsystem TSB aus einer Hand.

„Die Realisierung dieses Demonstrationsprojektes im Hamburger Hafen bedeutet einen weiteren wichtigen Schritt zur ersten Anwendungsstrecke für das Transport System Bögl. Die planerische und bauliche Umsetzung unseres modularen Konzeptes in nur wenigen Monaten zeigt dessen Potenzial als kurzfristig verfügbare Lösung für die Herausforderungen eines nachhaltigen und effizienten Güter- und Personentransportes", kommentierte Vorstandsvorsitzender Stefan Bögl.

Die Förderung durch das Bundesverkehrsministerium habe nicht nur nationale, sondern auch internationale Signalwirkung. Der Bau einer ersten Anwendungsstrecke ist aus seiner Sicht nun im nächsten Schritt wichtig, um zu unterstreichen, dass Deutschland nicht nur in der Entwicklung, sondern auch in der Einführung neuer Technologien eine führende Rolle einnehmen woll. Bögl zeigt sich zuversichtlich, dass man in den nächsten zwei bis drei Jahren ein erstes Projekt realisieren könne.

Vergleichsweise niedrige Kosten

Im Interview mit dem Handelsblatt erläuterte Bögl weiter, dass das TSB Cargo mit Kosten von 30 bis 40 Millionen Euro je Kilometer Doppelspur preislich konkurrenzfähig mit klassischen Bahnen sei und daher der Zuspruch bei Hafenbetreibern groß ist. Das Blatt berichtete, dass das System Hyperloop mit Transportkapseln in luftleeren Röhren noch am weitesten von einem kommerziellen Einsatz entfernt sei und auch das mit 370 Millionen Euro Risikokapital ausgestattete Start-up Volocopter seine Cargo-Drohne erstmals vor Publikum mit einer Europalette einige Meter in den Himmel steigen ließ. Das TSB mit Entwicklungskosten von rund 50 Millionen Euro und damit mit einem vergleichsweise niedrigen Budget sei bereits zur Serienreife entwickelt.

Hohe Takte und hohes Tempo

Das System soll eine effiziente und flexible Lösung für den spurgeführten, individuellen Containertransport darstellen und Container vollautomatisiert und sehr leise mit Geschwindigkeiten von bis zu 150 km/h sowie Taktfolgezeiten von 20 Sekunden befördern. Die Technologie entwickelte die Firmengruppe in den vergangenen Jahren bereits für den Personennahverkehr zur Serienreife und setzt diese erfolgreich auf der hauseigenen Teststrecke in Sengenthal in der Oberpfalz/Bayern, sowie auf einer Demonstrationsstrecke im chinesischen Chengdu ein. Mit dem Demonstrationsprojekt für den ITS World Congress folge nun auch die Adaption auf den Gütertransport. Die Cargo Maglev Demonstrator GmbH übernimmt in diesem Zuge als neugegründete Gesellschaft die Projektabwicklung für das TSB Cargo Demonstrationsprojekt in Hamburg und stellt die Weichen für die erfolgreiche Entwicklung des Systems zur Markt- und Serienreife.

Schweben neben dem Cruise Center

Auf einer Fläche des Cruise Center Steinwerder im Hamburger Hafen, wo auch die großen Kreuzfahrtschiffe auf Weltreise gehen, wurde der automatisierte Fahrbetrieb von einzelnen Containern, der Wechsel zwischen den Fahrspuren über eine Weiche und insbesondere der Containerumschlag zwischen TSB Cargo und anderen Transportmodalitäten – wie z. B. LKW – auf einer Streckenlänge von rund 120 Metern demonstriert. Mit dem System können Containergrößen bis zu 45 Fuß unter Maximalgewicht effizient und individuell transportiert werden. Mit einer Projektdauer von sechs Monaten von der Planung bis zur Inbetriebnahme habe man die Vorteile der modularisierten Bauweise für die Infrastruktur bewiesen, wirbt der Anbieter.

Statt Lkw: Emissionsminderungspotenzial

Einsatzmöglichkeiten für die Technologie bestehen aus Sicht des Anbieters in der Verteilung von Gütern zwischen stark frequentierten Logistikhubs, wie z. B. Hafenterminals, oder in der Hinterlandanbindung von Hafenterminals an sogenannte Dry Ports. Da aktuell im Container-Einzeltransport hauptsächlich LKW eingesetzt werden, führt die Verlagerung auf ein vollelektrisches System wie TSB Cargo zu einer CO2-Reduktion in der Transportkette und entlastet die Infrastrukturen im Hafen.

Das System verwendet ein elektromagnetisches Schwebesystem und reduziere dadurch den Verschleiß an Fahrzeugen und Infrastruktur. Daraus folge eine laut Hersteller erhebliche Senkung von Betriebskosten wie auch Feinstaubemissionen im Vergleich zu konventionellen Systemen. Aus betriebs- wie auch volkswirtschaftlicher Sicht könnten Container wesentlich effizienter transportiert werden. Auf Basis erster Analysen sind Einsparungs-potenziale von 50 Prozent der derzeit anfallenden Kosten möglich. Die schlanken, aufgeständerten Fahrwege vermieden Flächenzerschneidungen und ermöglichten ebenfalls eine Integration in bereits bestehende Verkehrskorridore.

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