Iveco: Edeka fährt mit S-Way Bio-LNG-Lkw fast klimaneutral

Auch bei Edeka schlägt man die Brücke ins Elektro- oder Wasserstoffzeitalter und nimmt als Zwischenlösung mit Bio-LNG betriebene, schwere Lebensmittelverteiler vom Typ S-Way in fast klimaneutralen Betrieb. 

Vorläufig werden nur drei von 50 LNG-Ivecos im Fuhrpark der Edeka Minden-Hannover mit Bio-LNG betrieben. Foto: Fafengut
Vorläufig werden nur drei von 50 LNG-Ivecos im Fuhrpark der Edeka Minden-Hannover mit Bio-LNG betrieben. Foto: Fafengut
Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Robert Domina)

Das Thema Bio-LNG nimmt jetzt auch in Deutschland langsam Fahrt auf - so sieht es jedenfalls der Erdgas-Pionier und Lkw-Hersteller Iveco. Während LNG aus fossilem Erdgas im Vergleich zu Diesel nur rund fünf bis zehn Prozent CO2 einsparen kann, liege das CO2-Einsparpotenzial von Bio-LNG bei 95 Prozent. Das Bio-LNG  für den Testlauf  stellt Shell zur  Verfügung. Drei Kunden des Mineralöl-Konzerns, darunter auch die Edeka Minden-Hannover, erhielten damit die Möglichkeit, jeweils drei Lkw für rund ein Jahr mit erheblich weniger CO2 -Emissionen zu betreiben. Die Edeka Minden-Hannover setze, so Fahrzeuglieferant Iveco, schon seit längerer Zeit auf umweltfreundliche Lieferketten und setzt dafür zehn Iveco Stralis NP und  weitere 40 Iveco S-Way  NP in ihrem Fuhrpark ein. NP steht bei Iveco für "Natural Power" und meint den Treibstoff Erdgas in Frm von CNG ider LNG. Diese  Erdgas-Sattelzugmaschinen seien wie alle Iveco-Natural-Power-Fahrzeuge Bio-LNG ready. Seit Ende Mai fahren drei davon mit Shell-Bio-LNG und reduzierten damit den CO2 -Fußabdruck des genossenschaftlich organisierten Unternehmensverbunds noch weiter als bisher.

Reichweite bis zu 1.600 Kilometer

Die in den Iveco-Erdgas-Trucks eingesetzten Cursor-13-Gas-Motoren der Emissionsstufe Euro VId lassen sich laut Iveco vollumfänglich mit Bio-LNG betreiben. Das Bio LNG müsse freilich den marktüblichen Mindeststandards entsprechen. Technische  Umrüstungen oder spezielle Anpassungen seien nichterforderlich, und es gelten unverändert die Garantiebedingungen und gleichen Wartungsintervalle wie bei Einsatz von fossilem LNG. Die zwei 540 Liter großen Tanks der 4x2-Iveco-Natural-Power-Sattelzugmaschine mit 460 PS Motorleistung fassen zusammen mindestens 390 Kilogramm flüssiges Bio-LNG. Damit ist eine rechnerische Reichweite von bis zu 1.600 Kilometern möglich. Im Vergleich zu einem Diesel-Lkw verringere sich der CO2-Ausstoß um etwa 95 Prozent. Auch werde deutlich weniger Sickoxid und Ruß ausgestoßen. Jetzt und in Zukunft bedeute dies freie Fahrt in Umweltzonen. Neben den günstigen Abgaswerten punkteten die Iveco-LNG-Sattelzugmaschinen bei Edeka
Minden-Hannover zudem mit dem Geräuschvorteil eines Gasmotors.

Kein Konflikt: Sprit aus landwirtschaftlichen Abfällen

Das von Shell im Test eingesetzte Bio-LNG wird aus landwirtschaftlichen Abfällen hergestellt. Es erfülle die Kriterien der Erneuerbare-Energien-Richtlinie 2 (REDII) der Europäischen Union. Edeka Minden-Hannover und die anderen Kunden erhielten entsprechende Bestätigungen über die Nachhaltigkeit und CO2 -Vorteile des Bio-LNG-Treibstoffes. Shell-Deutschland-Chef Fabian Ziegler betrachtet diesen Testlauf für Bio-LNG in Deutschland als wichtigen Schritt für die weitere Ausweitung der Bio-LNG-Pläne von Shell für den Güterfernverkehr.

„Bereits im Sommer soll in den Niederlanden die Bio-LNG-Anlage von Nordsol die Produktion aufnehmen und in unser europäisches Versorgungsnetz einspeisen. Dann geht es mit großen Schritten weiter: Denn wir haben in Köln im  Frühjahr den Bauantrag für eine 100.000-Tonnen-Anlage  zur Herstellung von Bio-LNG im Shell Energy and Chemicals Park Rheinland eingereicht und hoffen, noch in diesem Herbst den ersten Spatenstich setzen zu können. So könnten wir unsere LNG-Tankstellen in Deutschland bereits ab 2023 flächendeckend mit Bio-LNG versorgen und dabei
helfen, den Güterfernverkehr um bis zu einer Million Tonnen CO2 zu entlasten", meint Ziegler.

Thomas  Steinlein, Hauptabteilungsleiter Fuhrpark- und Transportmanagement der Edeka  Minden-Hannover sieht in der Umstellung der Fahrzeugflotte einen zentralen Stellhebel zur Reduzierung unseres CO2-Fußabdrucks.

"Ein flächendeckender Einsatz von Bio-LNG würde uns natürlich einen großen Schritt in Richtung Klimaneutralität voranbringen. Deshalb beteiligen wir uns gern an diesem Pilotvorhaben, um zu  zeigen, was dieser Biokraftstoff kann", ist Steinlein überzeugt.

 

 

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