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Iveco Eurocargo und Daily Erdgas: Emissionsarm durch Stadt und Land

Erster Fahrbericht: Der italienische Hersteller schließt mit dem neuen Eurocargo Natural Power die Lücke. Der Verteiler fährt sich äußerst leise und durchzugsstark. Noch spritziger unterwegs: Der Daily mit CNG-Antrieb. Größter Hemmschuh: Der Preis.
Ab durch die Mitte: Der Eurocargo Natural Power schließt die Lücke zwischen dem Stralis und dem Daily mit Erdgasantrieb. Sechs Gasflaschen sorgen für eine Reichweite von 400 Kilometer. | Foto: J. Reichel
Ab durch die Mitte: Der Eurocargo Natural Power schließt die Lücke zwischen dem Stralis und dem Daily mit Erdgasantrieb. Sechs Gasflaschen sorgen für eine Reichweite von 400 Kilometer. | Foto: J. Reichel
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Johannes Reichel

Familie komplett:Mit dem neuen Eurocargo Natural Power bieten die Italiener als erster Lkw-Hersteller ein komplettes Erdgas-Programm vom Transporter Daily bis zum schweren Sattelschlepper Stralis. Das hat bei den Italienern zwar Tradition, die von einer jahrzehntelangen staatlichen Förderung dieses umweltfreundlichen alternativen Antriebs beflügelt wurde. Aber in Ländern wie Deutschland stieß der Erdgasantrieb bisher auf wenig Gegenliebe, trotz voller Praxistauglichkeit. Zu preissensibel ist die Branche. Und derzeit macht ihm zusätzlich der extrem niedrige Dieselpreis zusätzlich das Leben schwer:Ein Kilo Erdgas kostet nurmehr ein paar Cent weniger als ein Liter Diesel. Auch wenn man dabei berücksichtigen muss, dass ein Kilo CNG mehr Energie enthält, das verschiebt eine etwaige Amortisation des Mehrpreises natürlich weit auf der Zeitschiene.

Dabei könnte Compressed Natural Gas oder wahlweise auch Biogas die längst greif- und bei höheren Stückzahlen mit entsprechenden Skaleneffekten auch bezahlbare Lösung für viele Probleme der Innenstadtlogistik sein. Erdgas ist zwar auch ein fossiler Kraftstoff, aber er verbrennt nicht nur leiser, sondern auch deutlich sauberer wie der neuerlich in Verruf geratene Diesel. Stickoxide sind stark reduziert (um 35 Prozent) und Rußpartikel fast vernachlässigbar (95 Prozent niedriger als beim Diesel) und auch beim CO2-Ausstoß hat CNG aufgrund der höheren Energiedichte zum Diesel Vorteile von etwa 25 Prozent. Wird als Kraftstoff das möglichst aus Abfällen hergestellte Biogas verwendet, wird der Gasantrieb nahezu klimaneutral. Euro 6 zu erfüllen, das ist für die Iveco-Erdgas-Flotte also kein Problem und es bedarf keiner aufwändigen Abgasreinigung mit SCR-Kat und zusätzlichem Betriebsstoff AdBlue. Auch für die künftigen Normen (Euro 6 B+C) seien die CNG-Aggregate gewappnet, kündigt Iveco an. Und mit „Euro 6 CO2-optimiert“ dürfte sich die Kostenlücke zum Diesel etwas schließen. [pagebreak]

Iveco setzt beim Eurocargo CNG noch auf den „alten“ Tector-Sechszylinder-Motor mit 5,9 Liter Hubraum, der in einem 11- bis 16-Tonner unterfordert bis adäquat angesetzt wirkt. Leistungssorgen quälen den Eurocargo Natural Power jedenfalls nicht. Als 12-Tonner tritt er mit den 204 PS munter an und zieht mit seinen üppigen 750 Nm Drehmoment locker aus dem tiefsten Drehzahlkeller. Dabei befleißigt er sich einer deutlichen besseren Laufkultur als das Diesel-Pendant. Brummen ist dem CNG-Motor fremd, ebenso lästige Vibrationen. Außerdem läuft er deutlich leiser – laut Hersteller ganze 5 dB leiser als der Selbstzünder. Selbstredend erfüllt der Motor damit das sogenannte PIEK-Label. So entsteht ein entspanntes Fahrgefühl, das noch komfortabler wäre, wenn es das automatisierte Schaltgetriebe für den CNG-Cargo gäbe. Im Testfahrzeug fühlt man sich in längst vergangene Zeiten der 9-Gang-Doppel-H-Schaltung zurückversetzt, die sich im Falle des Eurocargo zwar recht locker und leicht bedienen lässt. Dennoch wirkt das händische Gerühre wie ein Anachronismus und lenkt im Zweifel von der vollen Konzentration auf den städtischen Straßenverkehr ab. Alternativ bietet der Hersteller im Natural Power allerdings eine Vollautomatik mit Wandler an. Bei stärkerer Nachfrage nach dem Eurocargo CNG könne man aber die automatisierte ZF-Schaltung aus den Standard-Modellen des Eurocargo adaptieren, wie das jetzt beim Stralis der Fall ist, kommentiert ein Iveco-Sprecher.

Einziger Wermutstropfen neben dem höheren Preis ist das Mehrgewicht, das die burgsoliden CNG-Stahl-Tanks am Rahmen mit sich bringen. Dafür reicht der bei 200 bar komprimierte Gas-Vorrat von 480 Litern respektive 72 Kilogramm dann locker für mehrerer Tagestouren im Stadteinsatz: 400 Kilometer beträgt offiziell die Reichweite. Möglicherweise wäre speziell für städtische Anwendungen hier weniger mehr – und die Option, auf drei der 80-Liter-Flaschen zu verzichten, für den Hersteller eine Überlegung wert. [pagebreak]

Noch strammer als der Eurocargo legt sich dann der zweite Gas-Mann mit Iveco-Schriftzug im neu gestalteten Familiengrill ins Zeug: Auf Basis der 3,0-Liter-Maschine setzt der Hersteller die Strategie des Vorgängers erfolgreich fort. Der Daily Natural Power tritt spontan an und zieht mit seinen 350 Nm, die auf einem breiten Plateau von 1500 bis 2700 Touren anliegen, ebenso kraftvoll und entschlossen aus dem Drehzahlkeller durch. In einem 3,5-Tonner stellt der 3,0-Liter eine üppige Motorisierung dar. Aber den CNG-Motor gibt es ja auch für schwerere Daily-Modelle der zwillingsbereiften C-Reihe hinauf bis 7,2 Tonnen. Da ist das Aggregat dann schon stärker gefordert. Schalten mit dem sauber geführten Schaltknauf kann man sich im 3,5-Tonner meist sparen. Die tolle und komfortable Hi-Matic-Achtgang-Automatik wäre zwar in der Stadt wünschenswert, ist aber für den Natural Power nicht im Angebot. Sie würde das Paket ohnehin noch weiter verteuern. Denn billig ist das „gute Gewissen“ im Daily nicht: Als 35-C-Version in Euro VI kostet der Natural Power fast 5000 Euro mehr als die Diesel-Variante, die S-Version ist noch nicht in Euro 6 verfügbar, insofern nicht direkt zu vergleichen.

Jedenfalls wundert es in Anbetracht dieser Tatsache nicht, dass im preissensiblen KEP-Bereich selten auf dieses so saubere und überzeugende Fahrzeug zurückgegriffen wird. Denn immerhin gewinnt man für den Aufpreis auch stark an Komfort: Wie vom Erdgasantrieb im Daily gewohnt, läuft das Aggregat deutlich leiser und geschmeidiger als der 3,0-Liter-Diesel, Vibrationen sind dem Gas-Daily völlig fremd. Das ganze Antriebsensemble ist eingebettet in ein komfortableres und qualitätvolleres Gesamtkonzept: Mit der Neuauflage hat der Daily deutlich an Komfort gewonnen, auch das Handling trifft eine gute Mischung aus Leichtgängigkeit und Präzision. Verlieren muss der CNG-Daily naturgemäß bei der Nutzlast: Die schweren Stahldrucktanks erhöhen auch hier das nicht gerade asketische Grundgewicht des Leiterrahmen-Transporters um gut 100 Kilo. Dafür hat die Umwelt einen Gewinn - und zwar die bodennahe in der Stadt, über geringere Geräusch- und NOx- und Rußemission sowie die Luft in höheren Sphären durch weniger CO2-Eintrag. Muss nur noch der Preis sinken.

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