KEP-Studie BIEK: Sprunghafter Anstieg - weiteres Wachstum

Das Volumen 2020 vollzog einen Sprung um 400 Mio. Sendungen, vier Milliarden Pakete, pro Tag mehr als 13 Mio. Dennoch prognostiziert man weiteres Wachstum. Und verweist auf die Brexit-Kosten.

Aufwärtstrend in Zahlen: Elena Marcus-Engelhardt (Leiterin Kommunikation und Politik, und Vorsitzender Marten Bosselmann präsentierten die KEP-Studie in Berlin mit Autor Dr. Klaus Esser von KE-CONSULT. | Foto: BIEK/Frank Nürnberger
Aufwärtstrend in Zahlen: Elena Marcus-Engelhardt (Leiterin Kommunikation und Politik, und Vorsitzender Marten Bosselmann präsentierten die KEP-Studie in Berlin mit Autor Dr. Klaus Esser von KE-CONSULT. | Foto: BIEK/Frank Nürnberger
Johannes Reichel

Der Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK) hat für das Jahr 2020 einen sprunghaften Anstieg des Sendungsvolumens im KEP-Markt im Rahmen der alllährlichen KEP-Studie dokumentiert. Das Aufkommen sei um rund 400 Mio. KEP-Sendungen gewachsen, insgesamt wurden mehr als 4 Mrd. Sendungen transportiert. Als Wachstumstreiber sieht man die Sendungen an Endverbraucherinnen und Endverbraucher (B2C-Sendungen). Das KEP-Sendungsvolumen stieg demnach 2020 um 10,9 Prozent an. Damit sei das Wachstum erstmals in den letzten zwanzig Jahren zweistellig. Ähnlich entwickelte sich auch der Gesamtumsatz der KEP-Branche, der um 10,5 Prozent zulegte, auf im vergangenen Jahr 23,5 Mrd. Euro. Bei den Unternehmen waren 2020 insgesamt 255.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, 10.600 mehr als im Jahr davor.

B2C-Sendungsvolumen steigt im nationalen Paketmarkt stark

Im nationalen Paketmarkt verzeichnete der Verband 2020 im B2C-Segment ein Anstieg von 18,6 Prozent verzeichnet werden. Dieses starke Wachstum macht B2C-Paketsendungen zum Haupttreiber des gesamten KEP-Sendungswachstums. Im Gesamtmarkt, sprich bei den nationalen und internationalen Kurier-, Express- und Paketsendungen, legten die B2C-Sendungen sogar um 19,7 Prozent zu, so der BIEK. Der Hauptgrund für diese Entwicklungen sieht man im dynamisch wachsenden Online-Handel, der durch die Corona-Pandemie einen weiteren Schub erhalten habe.

Gegentrend in der Pandemie: B2B-Markt rückläufig

Im B2B-Segment, also bei den Sendungen, bei denen Versender und Empfänger Unternehmen sind, sieht es anders aus: Das Sendungsvolumen im nationalen B2B-Paketmarkt sank 2020 um 5,2 Prozent. Das starke Minus lasse sich durch die coronabedingt schwache wirtschaftliche Entwicklung vor allem im stationären Handel erklären. Im B2B-Gesamtmarkt (nationale und internationale Kurier-, Express- und Paketsendungen) falle der Rückgang jedoch mit -1,5 % deutlich geringer aus, was an der positiven Entwicklung bei den internationalen Sendungen und im Expresssegment liegt.

Ausblick 2021: Verband rechnet mit weiterem Wachstum

Für 2021 prognostiziert die KEP-Studie insgesamt rund 320 Mio. weitere Sendungen. Das entspräche einem Plus von ca. 8 Prozent. Bis 2025 sei mit einem jährlichen Sendungswachstum von 7 Prozent auf 5,68 Mrd. Sendungen zu rechnen. Die mittelfristige Prognose habe sich damit erhöht: Zu Beginn der Corona-Pandemie wurde noch ein jährliches Sendungswachstum von rund 4 Prozent vorhergesagt.

„Die Pandemie hat den KEP-Markt nachhaltig beeinflusst. Schneller als erwartet steigende Sendungsmengen verstärken in Ballungsräumen und Innenstädten die Herausforderungen, die mit der Zustellung verbunden sind. Der Bedarf an innovativen Lösungen für die urbane Logistik steigt", konstatierte Marten Bosselmann, Vorsitzender des BIEK zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Paketbranche

Bis 2025 werden man zudem 12.000 zusätzliche Beschäftigte pro Jahr benötigen, vor der Corona-Pandemie wurde noch ein Bedarf von ‚nur‘ 7.000 zusätzlichen Beschäftigten pro Jahr erwartet, so Bosselmann weiter. Die KEP-Unternehmen passten sich kontinuierlich neuen Herausforderungen an und investierten massiv in Zukunftsthemen. Dazu zählen für Bosselmann qualifizierte Arbeitskräfte, die Optimierung der Arbeitsbedingungen, Digitalisierungsprozesse, alternative Antriebstechnologien, eine immer nachhaltigere und effizientere Stadtlogistik.

Gerade in der Krise hätten sich die Paketdienste als zuverlässige und flexible Partner bewährt: für die Empfängerinnen und Empfänger im Homeoffice, für Unternehmen, die auf den zuverlässigen Transport von Waren angewiesen sind, und für das Gesundheitswesen, warb Bosselmann.

Fokus Brexit: Mehraufwands und massive Kosten

Aus aktuellem Anlass war neben den Corona-Auswirkungen erneut der Brexit ein Fokusthema der Studie. Für die KEP-Unternehmen in Deutschland und Großbritannien verursachte der Brexit bereits im vergangenen Jahr Kosten von schätzungsweise bis zu 240 Mio. Euro, stellen die Autoren fest. Die Studie analysiert, woraus Kosten und Mehraufwand resultieren und gibt den optimistischen Ausblick, dass sich die Prozesse im Laufe des Jahres weiter einspielen werden. Zusätzlicher Aufwand und Mehrkosten würden jedoch bestehen bleiben.

Die KEP-Studie erscheint seit 2004 jährlich und wird von der KE-CONSULT Kurte&Esser GbR im Auftrag des Bundesverbandes Paket und Expresslogistik erstellt. Sie zeigt ein aktuelles und umfassendes Bild der Marktentwicklung, der Trends und der wirtschaftlichen Bedeutung der gesamten KEP-Branche in Deutschland.

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