Kia will Portfolio auf leichte Nutzfahrzeuge erweitern

"Movement that inspires" statt "power to surprise": Kia stellt sich für die 2020er neu auf, inklusive neuen "Purpose Built Vehicles", die etwa Liefer- und Taxidienste elektrisch und teilautonom bedienen sollen.

 

Für die nächsten Jahre kündigt Kia zahlreiche neue Modelle und Services an. | Foto: Kia
Für die nächsten Jahre kündigt Kia zahlreiche neue Modelle und Services an. | Foto: Kia
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Auch Kia richtet sich im neuen Jahrzehnt neu aus: Das Unternehmen ist seit mehr als 75 Jahren in der Mobilitätsbranche tätig. Das Unternehmen startete die erste Fahrradproduktion in Korea, stellte Motorräder und Lieferwagen her. Heute gehört Kia zu den großen Pkw-Herstellern. Das neue Logo wurde übrigens in Frankfurt entworfen, zusammen mit den koreanischen Kollegen und der Grafikagentur Black Space. Es soll Dynamik und Gleichzeitig Stabilität ausdrücken – einen Spagat, den Kia auch mit der Neuausrichtung schaffen will. Die Abkehr vom traditionellen, produktionsgeprägten Geschäftsmodell wird auch im neuen Firmennamen sichtbar: Die bisherige Kia Motors Corporation wird ohne den Begriff „Motors“ im Namen in aufstrebende Geschäftsbereiche expandieren, indem sie innovative Mobilitätsprodukte und -dienste entwickelt.

In einem digitalen Showcase-Event wurden jetzt weitere Details zur neuen Zielsetzung und den künftigen Ambitionen der Marke bekannt gegeben. Entsprechend dem neuen Markenslogan „Movement that inspires“ („Bewegung, die inspiriert“) stellte Kia Einzelheiten seiner neuen Strategie vor, mit der das Unternehmen über die Fahrzeugherstellung hinausgehen wird, um nachhaltige Mobilitätslösungen für Kunden zu schaffen.

Transport, Mobilität und Fortbewegung als Menschenrecht

Ho Sung Song, Präsident und CEO der Kia Corporation, erklärt:

„Unsere Vision ist es, nachhaltige Mobilitätslösungen für Verbraucher, Kommunen und Gesellschaften weltweit zu schaffen. Mit der Präsentation unseres neuen Markenziels und der künftigen Strategie beginnen wir jetzt, diese Vision in die Tat umzusetzen.“

Artur Martins, Senior Vice President und Leiter Global Brand & Customer Experience bei Kia, ergänzt:

„Bewegung ist seit jeher das Herzstück unserer Marke, und Menschen zu bewegen bildet den Kern unseres Geschäfts. Bewegung hilft dem Menschen, sich ständig weiterzuentwickeln, voranzukommen und sich zu entfalten. Deshalb glauben wir bei Kia, dass Bewegung zu Ideen inspiriert.“

Mit seinem neuen Markenziel reagiert Kia auf die sich ändernden Erwartungen der Kunden daran, wie sie sich fortbewegen möchten und wie diese Fortbewegung sich auf die Welt um sie herum auswirkt. Die Verbraucher suchen zunehmend nach flexiblen, umweltgerechten und integrierten Beförderungsformen.

Kia Corporation: Vision nachhaltiger Mobilität

Mit der Änderung des Firmennamens weist Kia auf seine umfassendere Vision von nachhaltiger Mobilität hin. Auch hier soll es nicht mehr nur um Autos gehen: Die Eliminierung von „Motors“ im Namen unterstreicht das Bekenntnis zur langfristigen Kia-Geschäftsstrategie „Plan S“, die 2020 vorgestellt wurde. Mit dieser Strategie strebt man „eine führende Position in der zukünftigen Mobilitätsbranche und eine Ausweitung ihres Geschäfts an, das künftig neben Elektrofahrzeugen auch Mobilitätslösungen und -dienste, Spezialfahrzeuge und weitere Angebote beinhalten wird.“ Zudem plant Kia durch den Einsatz sauberer Energie und recycelbarer Materialien eine nachhaltigere Produktion zu fördern.

Auch Kia stellt die Entwicklung von batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) in den Mittelpunkt und plant, sein globales Produktportfolio bis 2027 um sieben neue, rein batteriebetriebene Modelle zu erweitern. Diese BEV-Palette wird Limousinen, SUV und MPV beinhalten und sich über ein breites Spektrum an Segmenten erstrecken. Die Modelle basieren auf der neuen Elektrofahrzeugplattform E-GMP (Electric-Global Modular Platform) der Hyundai Motor Group. Auch Kia verspricht hohe Reichweiten und schnelles Laden – und elektrische High-Performance-Versionen.

Spezielle Fahrzeuge für diverse Gewerke und Gewerbe

Darüber hinaus wird Kia für Firmenkunden eine Reihe zweckgebundener Spezialfahrzeuge (Purpose-Built Vehicles, PBV) entwickeln. Sie basieren auf flexiblen „Skateboard“-Plattformen und verfügen über modular aufgebaute Karosserien, um die spezifischen Mobilitätsanforderungen verschiedenster Firmen- und Flottenkunden zu erfüllen. Kia wird bei der Entwicklung der Spezialfahrzeuge mit Partnern wie Canoo und Arrival kooperieren.

Es wird erwartet, dass sich die Pubilc Battery Vehicle, kurz PBV-Nachfrage aufgrund des starken, nachhaltigen Wachstums der E-Commerce- und Carsharing-Dienste bis 2030 verfünffacht. Das Kia-Angebot an maßgeschneiderten PBVs könnte zum Beispiel Fahrzeuge für Carsharing- und Lieferdienste sowie Niederflurfahrzeuge für den Logistikbereich beinhalten.

Entwicklung neuer umweltfreundlicher Mobilitätsdienste

Ein weiteres Ziel der Strategie „Plan S“ ist die Diversifizierung des Kia-Geschäfts, um umweltfreundliche Mobilitätsdienste anzubieten. Im Fokus steht dabei das elektrische und autonome Fahren in Großstädten. Kia setzt nach eigenen Angaben verstärkt auf Kooperationen und Partnerschaften mit weltweit agierenden Unternehmen für Mobilitätslösungen, um in strategisch wichtigen Regionen seinen Kunden vielfältige Mobilitätsdienste anbieten zu können.

So investierte Kia 2018 in Grab, den größten südostasiatischen Anbieter von Mitfahrdiensten (Ridehailing-Services), Lebensmittelzustellung und Zahlungslösungen, und im März 2019 in Ola, ein indisches Unternehmen, das Peer-to-Peer-Ridesharing, Ridehailing, Taxidienste, Lebensmittelzustellung und andere Mobilitätsdienste anbietet.

Carsharingdienst mit WiBLE in Madrid

Darüber hinaus baut die Marke auch andere Mobilitätsdienste auf, wie zum Beispiel WiBLE in Madrid. Das Carsharing-Joint-Venture mit Spaniens größtem Energiekonzern Repsol hat im September 2018 seinen Betrieb aufgenommen. WiBLE verfügt über 500 Fahrzeuge vom Typ Kia Niro Plug-in Hybrid, die den Nutzern im „Free-Floating“-Verfahren zur Verfügung stehen, also innerhalb des Servicegebiets überall angemietet und zurückgegeben werden können. Seit dem Start haben sich mehr als 130.000 Mitglieder bei WiBLE registiert, das damit zu den erfolgreichsten Shared-Mobility-Angeboten in Europa gehört. Ein weiterer neuer Service, mit dem Kia den Wandel zum Anbieter von Mobilitätslösungen vorantreibt, ist KiaMobility. Der Dienst ist im September 2020 in italienischen und russischen Städten gestartet und wird in den kommenden Jahren in weiteren Märkten eingeführt.

Erster Stromer nächster Generation und neue Designphilosophie

Der erste Kia-Stromer der nächsten Generation, der den neuen Elektrifizierungs-Fokus der Marke verkörpert, wird noch im ersten Quartal 2021 vorgestellt. Das auf Basis der neuen E-GMP-Technologien ausschließlich für den Akkuantrieb konzipierte Modell zeigt ein Crossover-inspiriertes Design, bietet eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern und lässt sich in weniger als 20 Minuten aufladen. Es wird auch das erste Kia-Modell sein, das vom Start weg das neue Markenlogo trägt. Mit seiner wachsenden Palette von batteriebetriebenen Modellen strebt Kia bis 2025 einen Anteil von 6,6 Prozent am globalen BEV-Markt an. Der weltweite Jahresabsatz an Kia-Stromern soll bis 2026 auf 500.000 Einheiten steigen, bis 2030 plane man 800.000 Einheiten.

Karim Habib, Senior Vice President und Chefdesigner von Kia, erklärt:

„Wir möchten, dass unsere Produkte ein unmittelbares, natürliches Erlebnis bieten, das den Alltag unserer Kunden verbessern kann.“

LOGISTRA-Kommentar:

Im Gegensatz zu Renault oder Hyundai startet Kia nur mit neuem Logo und Claim – um so spannender wird es sein, wenn beides dann mit neuen Produkten und Services erfüllt wird, die in den nächsten Wochen folgen sollen. Besonders überraschend kommt die Ankündigung, dass man auch im gewerblichen Bereich aktiv werden und etwa die boomenden Liefer- und Mobilitätsdienste bedienen will. Ein Elektro-Van von Kia? Warum nicht! Fragt sich nur, was die große Schwester Hyundai dazu sagt. Vielleicht führt die aber auch ähnliches im Schilde, auch wenn man mit den konventionell angetriebenen Transportern nicht wirklich reüssieren konnte - und sich in Europa wieder weitgehend aus dem schwierigen gewerblichen Geschäft zurückzog. gs/jr

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