Klimabilanz 2020: Nur kurze CO2-Senke im Verkehr

Die Emissionen sanken 2020 durch die Pandemie zwar um 41 Prozent. Das UBA rechnet für 2021 aber wieder mit starker Zunahme. Verkehrssektor nur dank Coronakrise kurz auf Kurs, trotz mehr Autos.

Nur kurz auf Kurs: Die CO2-Emissionen im Verkehr gingen durch die reduzierte Mobilität in der Corona-Krise spürbar zurück, gesamt um elf, im Pkw-Verkehr sogar um 13 Prozent, trotz Zunahme des Fahrzeugbestands. | Foto: AdobeStock
Nur kurz auf Kurs: Die CO2-Emissionen im Verkehr gingen durch die reduzierte Mobilität in der Corona-Krise spürbar zurück, gesamt um elf, im Pkw-Verkehr sogar um 13 Prozent, trotz Zunahme des Fahrzeugbestands. | Foto: AdobeStock
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Wie das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz jetzt in seiner finalen Bilanz mitteilte, wurden 2020 in Deutschland insgesamt 728,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ausgestoßen. Das sind rund 71 Millionen Tonnen beziehungsweise 8,9 Prozent weniger als 2019 und 41,3 Prozent weniger im Vergleich mit 1990. Dies zeigen die Ergebnisse der finalen Berechnungen, die das Umweltbundesamt (UBA) an die Europäische Kommission übermittelt hat. Am deutlichsten sind demnach die Emissionen in der Energiewirtschaft zurückgegangen. Mit 407,4 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten im Nicht-EU-Emissionshandelsbereich (v.a. Verkehr und Gebäude) halte Deutschland 2020 sein Budget aus der Lastenteilungsentscheidung (Effort-Sharing-Decision, ESD) wieder ein. Jedoch könne der geringe Überschuss von 3,5 Millionen Tonnen nicht das kumulierte Defizit der Vorjahre ausgleichen, mahnt das UBA. Deutschland müsse daher Emissionsberechtigungen von anderen Mitgliedstaaten zukaufen.

Einmaleffekt: Verkehrssektor unter dem Niveau von 1990

Wie im Energiesektor, der im Jahr 2020 dank starkem Rückgang der Kohleverstromung die Treibhausgas-Emissionen um 15,2 Prozent reduzieren konnte, sanken auch im Verkehrsbereich die CO2-Emissionen gegenüber 2019 deutlich. Dies obwohl der Bestand an Pkw im 13. Jahr in Folge weiter zugenommen hatte, wie das Amt bilanziert. Mit 147,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten liegen die Verkehrsemissionen um knapp elf Prozent unter 2019 und damit wieder unterhalb des Wertes von 1990. Die Emissionen des Pkw-Verkehrs seien gegenüber dem Vorjahr sogar um 13 Prozent gesunken, präzisiert das Amt.

Marginal: E-Autos tragen bisher kaum etwas bei

Der Großteil dieser Minderung sei aber darauf zurückzuführen, dass bedingt durch die Coronapandemie im Schnitt deutlich weniger gefahren wurde. In deutlich geringerem Umfang hätten mehr Elektro-Pkw und höhere Beimischungen von Biokraftstoffen zum Emissionsrückgang beigetragen. Die ⁠Fahrleistung der Lkw lag trotz Coronapandemie im Vergleich zum Vorjahr nur wenig niedriger und die Emissionen der Nutzfahrzeuge gingen um fünf Prozent zurück. Die Emissionen des inländischen Flugverkehrs gingen prozentual deutlich zurück (-53 Prozent).

"Wir stehen vor einer enormen klimapolitischen Herausforderung. Wir müssen das Tempo erhöhen und die Transformation unserer Wirtschaft und Gesellschaft aktiv gestalten. Die Klimaziele erfordern bis 2030 fast eine Verdreifachung der bisherigen Geschwindigkeit der Emissionsminderung", erklärte Patrick Graichen, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz.

Zur künftigen Einhaltung der Jahresemissionsmengen im Klimaschutzgesetz sieht er zusätzliche Maßnahmen, die alle Sektoren betreffen als "dringend erforderlich" an. Mit dem Start des Klimaschutz-Sofortprogramm bringe man jetzt alle notwendigen Gesetze und Maßnahmen dafür auf den Weg, glaubt der ehemalige Leiter des Think Tanks Agora Energiewende. 

UBA-Präsident fordert elektrische Transformation

Aus Sicht von UBA-Präsident Dirk Messner habe in der Tat nur die Coronakrise 2020 die Emissionen stark sinken lassen. Das werde aber nicht von Dauer sein, 2021 stiegen die Emissionen nach ersten Prognosen wieder an. Um Deutschland bis 2045 klimaneutral zu machen, brauche es daher mehr Energie aus Wind und Sonne, mehr Elektromobilität und eine Wärmewende hin zu erneuerbaren Energien sowie eine grundlegende Transformation der Industrieproduktion. Das UBA wird seine vollständige Prognose der CO2-Emissionen 2021 am 15. März 2022 veröffentlichen.

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