Werbung
Werbung
Werbung

Klimaschutz: Scania hält Dekarbonisierung bis 2050 für möglich

Hersteller zeigt in einer Studie auf, wie sich der Transportsektor im Rahmen des Pariser Abkommens CO2-neutral gestalten ließe. Dafür brauche es aber "Wandel in beispiellloser Geschwindigkeit", mahnt der Anbieter.
Die Weichen schnell stellen: Scania hält eine dekarbonisierten Transportsektor bis 2050 für möglich, aber nur wenn rasch die richtigen Entscheidungen für Wandel getroffen würden. | Foto: Scania
Die Weichen schnell stellen: Scania hält eine dekarbonisierten Transportsektor bis 2050 für möglich, aber nur wenn rasch die richtigen Entscheidungen für Wandel getroffen würden. | Foto: Scania
Werbung
Werbung
Johannes Reichel

Der schwedische Lkw-Hersteller Scania hält eine vollständige Dekarbonisierung des Transportsektors für möglich. Der Anbieter hat dafür eine umfangreiche Analyse vorgenommen, die verschiedene Ansätze zur stufenweisen Reduzierung der Kohlenstoffemissionen betrachtet. Die Untersuchung mit dem Titel "Pathways:Fossilfreier Güterverkehr bis 2050" soll aufzeigen, wie die Entwicklung zu einem fossilfreien Güterverkehr bis zum Jahr 2050 aussehen könnte. Gleichzeitig wurde die Durchführbarkeit von entsprechenden Prozessen ermittelt. Die Studie bezieht sich auf die drei Transportbereiche Fernverkehr, Verteilerverkehr und den städtischen Busverkehr in den Ländern Deutschland, Schweden, China und USA. „Es ist durchaus möglich, in unserer Branche völlige CO2-Freiheit im Transportwesen zu erreichen und zwar innerhalb des im Pariser Abkommens festgelegten Zeitrahmens. Allerdings erfordert dies sowohl einen Wandel in einer beispiellosen Geschwindigkeit als auch einen aufrichtigen und gemeinschaftlichen Einsatz des privaten und öffentlichen Sektors“, mahnt Henrik Henriksson, President und CEO von Scania.

Um bis 2050 gänzliche CO2-Freiheit im Transportwesen zu erlangen, müssten die notwendigen Veränderungen daher schon bis 2025 in vollem Gange sein, fordert der Manager. Das schließe nicht nur neue Technologien ein, sondern auch die Infrastruktur. Außerdem muss im Bereich der neuen fossilfreien Antriebsstrang-Technologien eine durchschnittliche globale Wachstumsrate von mindestens 5 bis 10 Prozentpunkten und eine vollständige Marktdurchdringung bis 2040 erreicht werden. Um dies zu ermöglichen, müssten die Transportindustrie und angrenzende Branchen einen "schnellen und unmittelbaren Wandel" einleiten.

Als wichtigste Konsequenzen aus der Studie „Fossilfreier Güterverkehr bis 2050“ führt der Hersteller an:

Intelligentere Logistik: Durch die Optimierung der Systeme, z. B. die Verbesserung der Streckenführung und der Logistik der Ladungen, können die Kohlenstoffemissionen um mehr als 20 Prozent reduziert werden.

Elektrifizierung: In Ländern, in denen die Infrastruktur das Potenzial für universelle Ladestationen und fossilfreie Energie birgt, bietet der Zuwachs an batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen den effizientesten, schnellsten und kostengünstigsten Weg in diese Richtung. Elektrische Autobahnen für Langstreckentransporte können die Elektrifizierung beschleunigen.

Biokraftstoff: Durch die Nutzung der klassischen Verbrennungsmotortechnologie bieten Biokraftstoffe anfänglich einen effektiven und realistischen Weg in die richtige Richtung. Sowohl die Technologie als auch die Kraftstoffe stehen unmittelbar zur Verfügung.

Brennstoffzellen: Da Fahrzeuge mit Brennstoffzellen teurer sind, wird ein wesentlicher Zuwachs in diesem Bereich wohl erst später erfolgen als bei batterieelektrischen Fahrzeugen. Wenn die Kosten für diese Technologie sinken und erneuerbarer Wasserstoff in ausreichenden Mengen zur Verfügung steht, könnte die Brennstoffzellentechnologie bis 2050 einen wesentlichen Anteil eines jeden Fuhrparks ausmachen.

Unabhängig davon, welcher Ansatz sich durchsetzen wird oder ob sich eine Mischung aus mehreren, nebeneinander bestehenden Antriebsstrang-Technologien und Infrastrukturen ergeben könnte, erfordere diese Entwicklung nicht nur einen raschen technischen Wandel, sondern auch die Dekarbonisierung der angrenzenden Industrien. "Für großangelegte Entwicklungen der Technologie und der dazugehörigen Infrastruktur müssen ab sofort Finanzierungsmaßnahmen ins Leben gerufen und verbindliche Zusagen getroffen werden", appellierte der Hersteller. Parallel dazu müsse das globale Energiesystem die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen hinter sich lassen. Genauso entscheidend sei aber auch, dass die "Käufer von Transportdienstleistungen" die Nachfrage nach fossilfreien Transport- und Lieferdiensten weiter antrieben, weitete der Anbieter den Fokus auf die Logistikbranche.

Unser Fazit:

Es ist schon absurd, dass mittlerweile die Hersteller von Lkw Studien veröffentlichen, um der Politik Beine zu machen und sie zu motivieren, sich ambitioniertere Ziele zu stecken. Insbesondere die deutsche Regierung sollte sich daran mal ein Beispiel zu nehmen, statt verzagt die eigenen Klimaschutzziele zu kassieren, die Energie- und Verkehrswende auf dem Altar allgegenwärtiger Lobby-Interessen zu opfern. Dem sich rasant vollziehenden Klimakollaps kommt man nicht mit Verzagtheit bei, nur mit entschlossenem, stringentem und konsequentem Handeln. Das haben die schwedischen Manager erkannt - und wie sich daraus zugleich ein Wettbewerbsvorteil und Geschäftsmodell machen lässt, selbstredend auch. Aber das ist legitim. Wann reift endlich die Einsicht in der Politik? Energie- und Verkehrswende sind auch eine Chance für neue und nachhaltige Jobs und für einen Quantensprung bei der Technik.

Printer Friendly, PDF & Email
Werbung
Werbung