Knorr-Bremse: Heinz Hermann Thiele ist tot

Mehr als 35 Jahre lang leitete Thile das Unternehmen. In dieser Zeit entwickelte sich Knorr-Bremse von einem mittelständischen Unternehmen zu einem Konzern mit einem Jahresumsatz von rund sieben Milliarden Euro.

 

Thiele galt als eine der führenden Unternehmerpersönlichkeiten Deutschlands. (Foto: Knorr-Bremse)
Thiele galt als eine der führenden Unternehmerpersönlichkeiten Deutschlands. (Foto: Knorr-Bremse)
(erschienen bei Transport von Christine Harttmann)

Der Unternehmer Heinz Hermann Thiele, Mehrheitsaktionär und langjähriger Vorstandsvorsitzender und Aufsichtsratsvorsitzender der Knorr-Bremse AG, ist am Dienstag im Alter von 79 Jahren im Kreise seiner Familie in München gestorben. Thiele galt als eine der führenden Unternehmerpersönlichkeiten Deutschlands. Er baute in mehr als 35 Jahren Knorr-Bremse von einem mittelständischen Unternehmen in wirtschaftlich schwieriger Situation zu einem profitablen, weltweit erfolgreichen Konzern mit fast 30.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund sieben Milliarden Euro auf. Ein weiterer Schritt war der Börsengang im Jahr 2018, als er das Unternehmen dem Kapitalmarkt und weiteren Investoren öffnete. 

Internationalisierungsstrategie

Der Pionier Thiele setzte früh auf eine Internationalisierungsstrategie. Bereits in den 1970er-Jahren knüpfte er Kontakte nach Nordamerika und Japan, aber auch in die damals noch aufstrebenden Märkte Indien, Südamerika, Russland und insbesondere China, in denen das Unternehmen bis heute stark positioniert ist. Sukzessive baute er das weltweite Produktions- und Vertriebsnetzwerk des Konzerns mit umfassender regionaler Wertschöpfung und persönlicher Kundennähe auf. Heute ist Knorr-Bremse ein globaler Konzern mit mehr als 100 Standorten in über 30 Ländern. 

Aufsichtsratsvorsitzender

Nachdem er das Unternehmen mehr als zwei Jahrzehnte als Vorstandsvorsitzender geführt hatte, gab Thiele die operative Führung an externe Manager ab und wechselte im Jahr 2007 als Vorsitzender in den Aufsichtsrat. Den Posten bekleidete er bis 2016; im selben Jahr wurde er zum Ehrenvorsitzenden des Aufsichtsrats ernannt, dessen stellvertretender Vorsitzender er ab Juli 2020 war.

Einer breiteren Bevölkerungsschicht bekannt wurde Thiele während der Covid-19-Pandemie im Jahr 2020, als er in erheblichem Maße in die angeschlagene Fluggesellschaft Lufthansa investierte. Im Laufe des März baute er seinen Anteil von fünf auf zunächst über zehn Prozent aus. Seit 15. Juni 2020 hielt Thiele 15,52 % der Stimmrechte. Damit war er der größte Einzelaktionär der Lufthansa. Durch den Einstieg des Bundes sank sein Anteil auf 12,42 %.

Herkunft und Laufbahn

Heinz Hermann Thiele wurde am 2. April 1941 in Mainz geboren. Nach kriegsbedingter Flucht aus Ostdeutschland wuchs er in Vlotho (Weser) und Minden (Westfalen) auf, wo er 1961 sein Abitur machte. Thiele wuchs nach dem Verlust des Familienbesitzes im zerstörten Berlin in bescheidenen Verhältnissen auf. Trotzdem konnte er im Wintersemester 1962/1963 ein Jurastudium an der Universität München aufnehmen. 

Im Jahr 1969 startete er seine berufliche Laufbahn bei der Knorr-Bremse als juristischer Sachbearbeiter in der Patentabteilung. Ab 1975 wurde Thiele mit dem Aufbau und der Expansion des Nutzfahrzeugbereichs betraut, 1979 in den Vorstand des Unternehmens berufen, dem er 28 Jahre lang angehörte. 1987 wurde er Vorstandsvorsitzender der Unternehmensgruppe, deren Gesellschaftsanteile er ab 1985 sukzessive erwarb. 

Printer Friendly, PDF & Email