Kontraktlogistik: Craiss expandiert nach Osten

Der Logistikdienstleister Albert Craiss eröffnet weiter neue Standorte, vor allem in Richtung Osteuropa. Gruppenweite Standards sollen das Qualitätsniveau sichern.

Beim Kommissionieren kommen Gabelstapler, Vertikalkommissionierer und Routenzüge zum Einsatz. | Bild: Albert Craiss
Beim Kommissionieren kommen Gabelstapler, Vertikalkommissionierer und Routenzüge zum Einsatz. | Bild: Albert Craiss
Tobias Schweikl

Seit Mai 2019 betreibt die Albert Craiss GmbH & Co. KG ein neues Lager im tschechischen Mohelnice. Zentrale Aufgabe des Standortes mit direkter Anbindung an das Werk eines Technologiekonzerns ist die sequenzgenaue Belieferung der dortigen Arbeitsplätze. Gefertigt werden Getriebemotoren, die unter anderem bei Förderbändern zum Einsatz kommen.

In die Verantwortung des Kontraktlogistikers fallen die Vereinnahmung von Waren, die auftragsbezogene Kommissionierung, die Nachschubversorgung der Montage sowie Verpackungstätigkeiten für den Versand. Synchronisiert werden die Abläufe durch die Lagerverwaltungssoftware „pL-Store“ des Anbieters proLogistik.

Die 6.000 Quadratmeter große Logistikimmobilie umfasst in Summe 9.270 Stellplätze, die sich auf ein Hochregallager und konventionelle Regalsysteme verteilen. Ergänzend wurden Kommissionier- und Packstationen, Bereitstellflächen sowie „Bahnhöfe“ in Form von Korridoren eingerichtet.

Letztere sind den Routenzügen vorbehalten, über die die Montageplätze anforderungsgerecht mit Bauteilen versorgt werden, die jeweils für den abzuarbeitenden Auftrag benötigt werden. Prämisse war, hohe Bestände im Produktionsumfeld sowie überflüssige Materialbewegungen im Sinne des Lean-Gedankens zu vermeiden.

Einheitliche Lagerverwaltung

Unterstützt wird dieser Lean Logistics-Ansatz durch ein Lagerverwaltungssystem (LVS), das über eine EDI-Schnittstelle bzw. einen Konverter mit dem SAP-ERP des Kunden verbunden ist und mit diesem kommuniziert. Wie bereits an den Standorten Warburg, Schwandorf und Regensburg setzte Craiss auf die Lagerverwaltungssoftware pL-Store.

„Wir haben in den vergangenen Jahren wiederholt gute Erfahrungen mit dem Intralogistiksystemhaus gemacht“, sagt Daniel Sämann, Teamleiter Softwareentwicklung bei Craiss. „proLogistik hat das erforderliche Wissen um die Ablaufgestaltung selbst bei variierenden kundenspezifischen Besonderheiten wiederholt unter Beweis gestellt. Darüber hinaus beziehen wir dort zudem Hard- und Software aus einer Hand. Insofern lag es nahe, auch in Mohelnice auf die Dortmunder zu vertrauen.“

Die Pflichtenheftgespräche starteten im Juli 2018. Es folgte die Implementierung des LVS, dessen Inbetriebnahme Ende Mai 2019 abgeschlossen werden konnte. Eine Besonderheit der umgesetzten Softwarelösung für die Lagerverwaltung ist die produktionsplatzbezogene Freigabe der Aufträge.

Sequenzgenaue Kommissionierung

Alle benötigten Komponenten sind ausschließlich sequentiell zu kommissionieren. Dabei kommen Gabelstapler, Vertikalkommissionierer und Routenzüge zum Einsatz. Die Nachschubanforderung wird durch Scannung des Montageplatzes ausgelöst und zeitgleich in pL-Store erfasst.

Parallel erfolgt die Aktivierung eines Transports für den aufzunehmenden Auftrag, der an einem als Puffer-Korridor ausgeführten Bahnhof bereitsteht. Ein zuständiger Mitarbeiter wird über die Verfügbarkeit informiert und transportiert die angeforderten Teile per Routenzug an die korrekte Arbeitsstation. Der Mitarbeiter kann auch mehrere bereitstehende Aufträge aufnehmen und an die jeweiligen Montageplätze überbringen. Dort stehen sie direkt im Zugriff und können ohne lästige Verzögerungsintervalle verbaut werden. Derweil werden an das SAP-ERP Status-Telegramme über den Verlauf übermittelt.

Kennzeichnend ist zudem der Prozess der „mobilen Verpackung“. Er impliziert, dass sämtliche Verpackungsdialoge über die Masken der mobilen Datenerfassungsgeräte (MDE) ablaufen. Per Scannung der Seriennummer lassen sich die aus der Produktion zugeführten Getriebemotoren identifizieren. Sie können dann unmittelbar verpackt werden. Diese Maßnahme ist erforderlich, da die empfindlichen Fertigwaren zeitnah ausgeliefert oder durch die Verpackung geschützt im Versandlager zu bevorraten sind.

Gruppenweite Standards

Mit der neuen Niederlassung im Osten Tschechiens will Craiss im Bereich der Kontraktlogistik über den deutschsprachigen Raum hinaus in Osteuropa wachsen. Mit Mohelnice sind es nach aktuellem Stand nun sechs Niederlassungen in dieser Region.

Gearbeitet wird im 2-Schicht-Betrieb. Die Zahl täglich abgeschlossener Aufträge beläuft sich derzeit auf rund 200, die wiederum mit etwa 2.200 Fahraufträgen verbunden sind. Diese Werte sollen im Zuge des geplanten Aufbaus der Produktionskapazitäten in Mohelnice zukünftig sukzessive ansteigen.

Zur Strategie des Kontraktlogistikers zählt aber auch, gruppenweite Standards zu implementieren, über die sich eine proaktive, systemgestützte Steuerung und Kontrolle der Nachschubversorgung realisieren lässt.

„Mit pL-Store von proLogistik ist es uns jetzt auch in Mohelnice gelungen, Produktion und Logistik medienbruchfrei miteinander zu verzahnen und durchgängig Transparenz über den Gesamtprozess zu schaffen“, unterstreicht Softwareexperte und Teamleiter Daniel Sämann. „Das standardisierte und um spezifische Funktionen erweiterte Lagerverwaltungssystem unterstützt uns dabei, die erwarteten Leistungen und Services zuverlässig erbringen und flexibel an neue Anforderungen anpassen zu können. Das ist gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten sehr wichtig. Der Industriekunde kann sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren und wir erledigten praktisch den Rest.“

Ein weiterer Rollout des pL-Store-LVS bei Craiss soll 2021 in Tübingen erfolgen.

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