Kreislaufwirtschaft: Daimler plant eigenes Recycling-Werk

Auf einer Branchenkonferenz des Handelsblatts kündigte Vorstandschef Ola Källenius an, dass das eigene Recycling-Werk wertvolle Rohmaterialien sichern und neu wiederverwerten soll.

Auch die Zulieferer werden in die Pflicht genommen: Unterm guten Stern nimmt man auch den Stahl und seine Produktion in den Blick. | Foto: Daimler
Auch die Zulieferer werden in die Pflicht genommen: Unterm guten Stern nimmt man auch den Stahl und seine Produktion in den Blick. | Foto: Daimler
Johannes Reichel
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

In den Vorstandsetagen ist klar, dass man Rohstoffe künftig nicht mehr in beliebigen Mengen zu vergleichsweise günstigen Preisen beziehen können wird. Eine solche Andeutung machte bereits BMW-CEO Oliver Zipse mit Verweis auf die Studie BMW i Circular. Bei Daimler respektive Mercedes-Benz denkt man ähnlich, wie Källenius erklärte:

„Wir werden auch selbst eine Recycling-Fabrik bauen, damit wir diese Technologie beherrschen und auch können."

Künftig soll viel mehr Recyclingmaterial verbaut werden

Daimler plant laut Källenius, den Anteil von wiederverwerteten Teilen in seinen Autos schrittweise zu erhöhen. Er sprach dabei explizit auch Batteriezellen an. Bei Elektroautos solle es möglich sein, diese neu zu nutzen oder wiederzuverwerten. Daimler arbeite in dem Bereich mit Partnern zusammen, mit denen zuletzt „große Fortschritte“ erzielt worden seien.

Bereits im Sommer schwenkte Daimler stärker auf die Batterieelektrik ein und unterschrieb in Glasgow als einziger deutscher Großserienhersteller auch den Ausstieg aus dem Verbrenner. Bereits 2025 sollen rund 50 Prozent der Neuwagenverkäufe mit Stern mit vollelektrischen oder Plug-in-Autos erzielt werden. Bis zum Ende des Jahrzehnts wolle man vollelektrisch werden, überall dort, wo es "die Marktbedingungen zulassen". Dazu soll auch eine Zellproduktion aufgebaut werden.

Ambitioniert auch für die Lieferanten: Die „Ambition 2039“

Mit der Strategie „Ambition 2039“ möchte Daimler in weniger als 20 Jahren eine komplett CO2-neutrale Neuwagenflotte und Produktion umsetzen. Dabei sollen auch die Zulieferer in die Verantwortung genommen werden. Klimaneutralität werde in den Vertragsbedingungen verankert und die Unterzeichnung eines eigenen sogenannten „Ambition Letter“ zu einem wesentlichen Kriterium für Auftragsvergaben. Das erklärte etwa Gunnar Güthenke, Leiter Einkauf und Lieferantenqualität, Mercedes-Benz Cars, auf dem Automotive Production Summit 2020.

Heißt im Klartext: Ab 2039 dürfen nur noch Produktionsmaterialien die Werkstore von Mercedes-Benz passieren, die in allen Wertschöpfungsstufen bilanziell CO2-neutral sind. Unterzeichnet ein Lieferant den Ambition Letter nicht, wird er bei Neuvergaben nicht berücksichtigt. Die Fortschritte sollen über ein Trackingsystem nachverfolgt werden, mit dem man prüfen kann, wie sich die CO2-Emissionen über die Zeit reduzieren.

Was bedeutet das?

Rohstoffe werden knapp und damit teuer. Und die Umweltprobleme werden mehr – kein Wunder, dass mittlerweile alle Hersteller das Thema Rohstoffkreisläufe pushen und fokussieren, was dem Einkauf, der Umwelt und den Kunden zugutekommt.

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