Langzug-Feldversuch: Weitere Strecken - auch in Baden-Württemberg

90 weitere Strecken sollen für den Feldversuch freigegeben werden. Baden-Württemberg gibt offenbar dem Druck von Daimler nach.
Nun also doch: Bald sind auch im Ländle 25,25-Meter-Langzüge unterwegs. Vor allem Daimler hatte darauf gedrängt und will damit Kosten beim Transport zum Werk Sindelfingen sparen. | Foto: VDA
Nun also doch: Bald sind auch im Ländle 25,25-Meter-Langzüge unterwegs. Vor allem Daimler hatte darauf gedrängt und will damit Kosten beim Transport zum Werk Sindelfingen sparen. | Foto: VDA
Johannes Reichel

Nach einem Bericht der Deutschen Presse Agentur (DPA) sollen vom heutigen Mittwoch an im Rahmen des bundesweiten Feldversuchs mit Lang-Lkw weitere 90 Strecken freigegeben werden. DPA beruft sich dabei auf Informationen aus dem Bundesverkehrsministerium. Mit der Ausweitung sind somit zwölf Bundesländer und 45 Unternehmen mit 119 Langzügen an dem Pilotprojekt beteiligt. Das Streckennetz beträgt gut 10.000 Kilometer und damit etwa die Hälfte des deutschen Autobahnnetzes.
Neu mit dabei sind neben Strecken in Nordrhein-Westfalen auch Routen in Baden-Württemberg, etwa die A8 zwischen Ulm und dem Kreuz Karlsruhe, die A81 zwischen Würzburg und Herrenberg und die A5 zwischen Karlsruhe und Rastatt. Die dortige Grün-Rote-Regierung unter Winfried Kretschmann hatte eine Beteiligung am Feldversuch bisher kategorisch abgelehnt und darauf verwiesen, dass die 25,25-Meter-Langzüge keine ökologisch sinnvolle Lösung seien. Man befürchtete, Transporte könnten von der Schiene auf die Straße verlagert werden. Eine Verfassungsklage gegen die Langzüge war allerdings in Karlsruhe gescheitert.

Dem Vernehmen nach hatte vor allem der in Stuttgart ansässige Lkw-Hersteller Daimler hinter den Kulissen Druck gemacht. Schon ab kommendem Montag sollen nach Erkentnissen des Südwestdeutschen Rundfunks (SWR) erste sogenannte Eurocombis das Werk in Sindelfingen anfahren und beliefern. In NRW verkehren dem DPA-Bericht nach bisher allerdings nur auf 17,80 Meter verlängerte Sattelzüge.

Die Bundesanstalt für Fahrzeugwesen, die den seit 2012 laufenden Feldversuch begleitet, hat in ihrem Zwischenbericht vom vergangenen Jahr festgestellt, dass es bisher keine gravierenden Störungen im Betrieb gegeben habe. Das Verkehrsministerium listete aus der Untersuchtung auf, dass es Effizienzgewinne und Kraftstoffersparnisse zwischen 15 und 25 % gegeben habe und in zwei Langzüge drei Standardzüge ersetzen würden. Außerdem hätte sich kein erhöhter Erhaltungsaufwand für die Infrastruktur oder Verlagerungseffekte von der Schiene auf die Straße ermitteln lassen. Auch Probleme beim Bremsverhalten und Hinweise auf größeren Stress oder eine erhöhte psychologische Beanspruchung der Fahrer seien sich nicht nachzuweisen gewesen.

"Unser Feldversuch ist ein Erfolgsmodell. Wir haben das Positivnetz heute um rund 90 Strecken erweitert. Mit Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen sind damit drei Viertel der Bundesländer am Feldversuch beteiligt. Mein Ziel ist es, nach Abschluss des Feldversuchs mit den Lang-Lkws in den Regelbetrieb zu gehen", erklärte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU).

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