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Lebensmitteleinzelhandel: Stationäre Läden müssen neu ausgerichtet werden

Der Intralogistik-Spezialist TGW hat auf Basis seiner Erfahrungen im Lebensmittel-Retail ein Omnichannel-Rezept aus Sicht der Logistik formuliert. Der Tenor: Aufgrund des Wachstums im E-Commerce muss sich einiges ändern.

Kern des Konzepts ist die Integration eines separaten Logistikbereichs in einen bestehenden Laden, in dem Ware gelagert und Online-Bestellungen mithilfe von Automatisierungstechnik kommissioniert werden. | Bild: TGW
Kern des Konzepts ist die Integration eines separaten Logistikbereichs in einen bestehenden Laden, in dem Ware gelagert und Online-Bestellungen mithilfe von Automatisierungstechnik kommissioniert werden. | Bild: TGW
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Tobias Schweikl

Der österreichische Systemintegrator TGW hat anhand von Studienauswertungen, Kundenbefragungen und seiner eigenen Expertise analysiert, wie sich das Verbraucherverhalten im Lebensmitteleinzelhandel aufgrund des E-Commerce-Wachstums verändert. Als Ergebnis wurden nun zehn Expertentipps darüber ausgearbeitet, wie sich Lebensmittelketten aus logistischer Sicht für die Zukunft rüsten können. Das Fazit ist denkbar einfach: Nur wer alle Kundentypen optimal bedienen kann, wird seine Stammkundschaft behalten und neue Käufergruppen hinzugewinnen.

„Im harten Wettbewerb werden die Unternehmen die Nase vorne haben, die aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen ihre stationären Strukturen und Intralogistik neu ausrichten“, betont Michael Schedlbauer, Industry Manager für den Bereich Grocery bei TGW.

Der Intralogistik-Spezialist reagierte bereits 2018 auf die neuen Herausforderungen im Lebensmitteleinzelhandel.

„Wir haben gemeinsam mit den Ladenbauprofis von ‚umdasch The Store Makers‘ intensiv an einem innovativen Laden- und Logistikkonzept für den Lebensmitteleinzelhandel gefeilt. Unsere OmniStore-Strategie vereint die Lösungen beider Unternehmen“, so Schedlbauer weiter.

Kern des Konzepts ist die Integration eines separaten Logistikbereichs in einen bestehenden Laden, in dem Ware gelagert und Online-Bestellungen mithilfe von Automatisierungstechnik kommissioniert werden. Der Kunde kann den Warenkorb bereits wenige Minuten nach der Bestellung im Netz in seinem Lieblingsgeschäft selbst abholen oder sich liefern lassen. Eine bekannte europäische Einzelhandelskette plant bereits die Realisierung des ersten OmniStores.

„Auch wenn in Ländern wie Deutschland oder Österreich heute noch nicht so viele Verbraucher online Lebensmittel einkaufen wie beispielsweise im Vereinigten Königreich, sind wir davon überzeugt, dass dieser Trend weitergehen wird“, betont Logistikexperte Schedlbauer.

Die 10 Expertentipps

  1. Neuausrichtung der stationären Strukturen: Hintergrund ist die Idee, den stationären Handel mit dem Online-Kanal zu kombinieren. Die Läden sind der wichtigste Kundenkanal – und bleiben es auch. Aber dieser Vertriebsweg muss neugestaltet werden, damit Verbraucher sowohl das Offline- als auch das Online-Angebot möglichst einfach, das heißt durchgängig, nutzen können.
  2. Synchronisierung der Kanäle: Der Kunde will im Geschäft und online den gleichen Preis für ein Produkt bezahlen. Die Sortimentskategorien im Web sollten jenen im Laden entsprechen, um dem Verbraucher eine einfache Orientierung zu bieten. Wer einen digitalen Einkaufszettel im Netz erstellt, sollte diesen auch im Shop nutzen und an andere Familienmitglieder weitergeben können. Der Kunde erwartet zudem vielfältige Bezahlmöglichkeiten.
  3. Verkleinerung der Verkaufsfläche: Das gilt insbesondere für Selbstbedienungs-Warenhäuser. Kunden wollen schnell einkaufen und dabei kurze Wege zurücklegen. Eine reduzierte Verkaufsfläche ermöglicht dem Shopper eine größere Übersichtlichkeit und bessere Orientierung.
  4. Fokussierung des im Laden verfügbaren Sortiments: Es sollte konsequent am Verbraucherverhalten orientiert werden. Frischeprodukte, möglichst aus der Region, stehen im Fokus. Das Online-Sortiment erweitert quasi das Regal. Ein Teil der gewünschten Produkte kann sogar binnen Minuten im separaten Logistikbereich kommissioniert werden.
  5. Einrichtung eines (teil-)automatisierten Logistikbereichs: Dank einer kleineren Verkaufsfläche steht Raum für einen separaten Logistikbereich zur Verfügung. Dort können Mitarbeiter Online-Aufträge mithilfe von moderner Technologie rasch kommissionieren. Das reduziert die Kosten und steigert die Leistung. Durchlaufzeiten von weniger als zehn Minuten machen es möglich, dass Kunden, die bereits im Laden sind, spontan noch Online-Angebote bestellen und mitnehmen.
  6. Schaffung von Mehrwert für den Kunden: Ein Teil des Ladens sollte für ein attraktives Gastronomie-Angebot genutzt werden, weil der Außerhaus-Verzehr von Speisen im Trend liegt. Hier stehen soziale Kontakte im Vordergrund. In der Filiale sollten auch regelmäßig Aktionen angeboten werden wie etwa Verkostungen, die Vorstellung von neuen Produkten oder spezielle Seminare. Letztere auch noch nach Ladenschluss. Weil die Wartezeit an der Kasse einer der größten Kritikpunkte von Kunden an Lebensmittelketten ist, sollte diese soweit wie möglich reduziert werden.
  7. Ausweitung des Serviceangebots: Für frische Produkte sollte der Kunde eine Theke mit Bedienung vorfinden. Online-Bestellungen werden durch Mitarbeiter der Lebensmittelkette kommissioniert, wodurch man Zeit spart. Die Auslieferung der Online-Aufträge sollte flexibel gestaltet werden. Der Kunde will bestellte Einkäufe einfach und schnell abholen können. Für die Abholung nach Ladenschluss sollte eine automatisierte Warenausgabe in die Außenwand des Shops integriert werden. Wer seine Bestellung nicht selbst abholen will oder kann, nimmt gerne den Service einer Heimbelieferung in Anspruch.
  8. Reduzierung von Warenverlusten: Waren, die häufig von Diebstahl betroffen sind, sollten in einem abgetrennten Logistikbereich gelagert werden. Dank einer sehr guten Bestandstransparenz wird vermieden, dass bestimmte Produkte ausverkauft sind oder verderben und dadurch Umsatz verloren geht.
  9. Schaffung abwechslungsreicher Arbeitsplätze: Mitarbeiter können sich mehr auf die Interaktion mit Kunden konzentrieren, wenn sie weniger Zeit damit verbringen, Regale einzuräumen. Die Kommissionierung im Logistikbereich muss so ergonomisch wie möglich gestaltet werden – auch vor dem Hintergrund, dass in vielen Läden ältere Mitarbeiter beschäftigt sind.
  10. Optimierung der Supply Chain: Aufgrund von Online-Bestellungen kann mithilfe von Software-Tools die Bedarfsplanung verbessert werden. Dank Data Analytics können Lebensmittelketten ihre Daten besser auswerten und interpretieren. Dadurch lassen sich beispielsweise die Sortimente anpassen.
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