Leichte Nutzfahrzeuge: Der Markt ist unter Druck

Der Truck-Rental-Spezialist Fraikin führt Gründe auf, warum es bei den leichten Nutzfahrzeugen derzeit zu Lieferengpässen kommen kann. Eine Markterholung, auch im Vermietgeschäft, sei aber absehbar.

Die Hersteller, aber auch die Vermieter, haben aktuell Schwierigkeiten, die hohe Nachfrage nach leichten Nutzfahrzeuge zu bedienen. | Bild: Fraikin
Die Hersteller, aber auch die Vermieter, haben aktuell Schwierigkeiten, die hohe Nachfrage nach leichten Nutzfahrzeuge zu bedienen. | Bild: Fraikin
Tobias Schweikl

Die Schwierigkeiten der Automobilindustrie hätten sich auch auf die Lieferzeiten von leichten Nutzfahrzeugen und Fahrzeugen mit Aufbau ausgewirkt. So vermeldet es der Nutzfahrzeug-Vermieter Fraikin. Das Unternehmen berichtet in seinem Online-Magazin „F-mag“, dass die erste Ausgangssperre Anfang 2020 „zu einer Verlangsamung der weltweiten Automobilproduktion, einem Aufschub der Investitionen und zur Aussetzung von für die Branche unentbehrlichen Lieferungen“ führte.

Seit Ende 2020 hätte der europäische Markt dann jedoch einen unerwarteten Aufschwung erlebt, der genauso heftig ausgefallen sei, wie der Rückgang drei Monate zuvor. Hersteller, die bis zu diesem Zeitpunkt befürchtet hatten, Überbestände abbauen zu müssen, hätten stattdessen die Nachfrage nicht befriedigen können und mussten demnach ihre Lieferzeiten verlängern.

Mehrere Einflüsse

Auf dem Markt für Fahrzeuge mit Aufbau gibt es laut Fraikin zwei große Problembereiche: Zum einen zögen sich die Motorenhersteller tendenziell aus dem Diesel-Geschäft zurück. Zum anderen ist 2021 die Übergangsregelung ausgelaufen, sodass die Fahrzeuge jetzt der „Euro 6d full“-Norm (alias „Euro 6d ISC-FCM“) entsprechen müssen. Um einen unverkäuflichen Bestandsaufbau zu vermeiden, hätten die Hersteller die Produktion von Modellen der bisherigen Norm „Euro 6d temp“ schon 2020 freiwillig eingeschränkt oder sogar gestoppt.

Die besondere Situation im letzten Jahr hätte sie zudem dazu veranlasst, die Produktion bestimmter „Euro 6d full“-Modelle erst ab dem zweiten Halbjahr 2021 zu planen. Dadurch verzögerten sich die Fahrzeugauslieferungen. Hinzu komme laut Fraikin, dass die Motorenhersteller nicht mehr in Dieselmotoren für leichte Nutzfahrzeuge und Pkw investierten. 2020 seien nur noch 28 Prozent der in Europa verkauften Neufahrzeuge mit diesen Motoren ausgestattet gewesen, während es bei den leichten Nutzfahrzeugen weiterhin 92,4 Prozent waren.

Auch die Halbleiterkrise bremst Markt für leichte Nutzfahrzeuge aus laut Fraikin aus. Die Mikroelektronik gewönne als wesentlicher Bestandteil der heutigen Fahrzeuge für die Automobilhersteller zunehmend an strategischer Bedeutung. Diese Komponenten werden jedoch seit dem Ausbruch der Pandemie weltweit stärker nachgefragt. Grund: Sie werden auch in Telefonen und Computern verbaut, die durch das weit verbreitete Homeoffice stärker nachgefragt werden. Die Produktion der sich auf ein paar Anbieter wie Infineon und TSMC konzentrierenden Mikrocontroller ist überhitzt und kann die steigende Nachfrage nicht befriedigen.

„Bei den elektronischen Bauteilen könnte die Verknappung bis Ende 2021 andauern. Außerdem fehlt es an Quarz, der zur Herstellung von Bildschirmen benötigt wird. Zu einem Zeitpunkt, wo sie überall in Armaturenbretter eingebaut werden. Aufgrund der besonderen Situation der Elektronik-Branche hängt die Lieferzeit eines Fahrzeugs stark von den gewählten Optionen ab, wenn diese Elektronik beinhalten“, so Fraikin.

Ein letzter, den Markt für leichte Nutzfahrzeuge in Schwierigkeiten bringender Faktor ist laut Fraikin die typenübergreifende Modularisierung von Ausstattungen für leichte Nutzfahrzeuge und Pkw. Da viele technische Baugruppen in beiden Fahrzeugtypen verbaut werden, fiele die notwendigen Ressourcenkompensationen laut Fraikin bei starker Nachfrage zu Ungunsten der leichten Nutzfahrzeuge aus. Dies gelte umso mehr, als es relativ wenige auf leichte Nutzfahrzeuge spezialisierte Werke gäbe.

Wenn der Markt dann wie im vergangenen Jahr „nervös“ sei, könnten diese schnell an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Schließlich verlängert sich die Vorlaufzeit auch durch die Ausstattung eines leichten Nutzfahrzeugs für eine betriebliche Anwendung wie Kühlguttransporte.

„Im laufenden Jahr 2021 lassen sich die Lieferzeiten von leichten Nutzfahrzeugen am besten durch die Wahl von Einheiten mit der kleinsten elektronischen Ausstattung reduzieren. Denn ein optionales Ladegerät für ein leichtes Elektro-Nutzfahrzeug oder ein High-End-Audiosystem können die Auslieferung um mehrere Monate verzögern. Wir gehen jedoch davon aus, dass sich der Markt in wenigen Monaten erholen wird. Genauso wie die von dieser Krise ebenfalls betroffene Nutzfahrzeugvermietung“, fasst Fraikin-Deutschland-Geschäftsführer Steffen Rump die Situation zusammen.

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