LEVC: Strategieschwenk zur CO2-Neutralität - Vans fraglich

Die Geely-Tochter LEVC (London Electric Vehicle Company) skizziert ihre Markenausrichtung fürs nächste Jahrzehnt. Dabei könnte Software wichtiger werden. Das Taxi bleibt, doch vom Van VN5 liest man nichts mehr. Hier könnte Schwester Farizon das Feld übernehmen.

Kulttaxi - im neuen Jahr mit neuer Strategie: Bei LEVC wird sich einiges ändern. | Foto: LEVC
Kulttaxi - im neuen Jahr mit neuer Strategie: Bei LEVC wird sich einiges ändern. | Foto: LEVC
Johannes Reichel
(erschienen bei VISION mobility von Gregor Soller)

Strategiewechsel bei LEVC. Mit einer neuen Strategie will die britische Geely-Tochter ein „führendes Unternehmen für kohlenstofffreie Mobilitätstechnologie“ werden. Dazu möchte man nicht mehr nur Taxis produzieren, sondern nicht weniger als eine „intelligente, umweltfreundliche, sichere und zugängliche Mobilitätslösungen für ein breiteres Publikum als je zuvor“ anbieten. Wie das so ganz konkret aussehen soll, lässt sich der Mitteilung allerdings nicht entnehmen.

Immerhin bleibt die britische Heritage – LEVC stellt seit über 70 Jahren das kultige Londoner Cab her, zu dem sich 2020 der Van VN5 gesellte, der aber nicht wie erwartet einschlug, denn: Der VN5 punktet zwar auch mit kultiger Optik, robuster Konstruktion und hoher Reichweite dank Range Extender-Benziner, ist aber vergleichsweise teuer, zudem nicht sonderlich raumeffizient und nutzlaststark. Zuletzt wurde im Juni 2022 ein „Paket“ von 60 Einheiten an Pod Point, einen Ladepunktbetreiber in UK verkauft, das mit Sortimo-Innenausbauten versehen wurde. Hinzu kommt, dass die hochambitionierte und lupenreine Nutzfahrzeugschwester unterm Geely-Dach Farizon jetzt richtig durchstartet und der VN5 direkt mit den Plänen für den vollelektrischen, perspektivisch sogar autonom fahrenden Supervan kollidiert.

Neue Strategie, neues Führungsteam

Mit der Strategie wurde auch das Führungsteam neu aufgestellt: Alex Nan bleibt Global CEO und wird nun auch die Rolle des UK CEO für LEVC übernehmen. Er ist verantwortlich für die allgemeine Geschäftsstrategie, Technologie, Produktplanung und die Koordination mit der Geely Holding Group. Chris Allen, der zum Managing Director von LEVC ernannt wurde, nachdem er zuvor die Funktion des Legal Director und Company Secretary innehatte, wird für die Bereiche Beschaffung, Produktion, Technologie und Qualität, Regierungsangelegenheiten sowie Mobilitätsdienstleistungen zuständig sein. Jenny Jin wurde ebenfalls zum Executive Director ernannt und ist für die Bereiche Vertrieb, Marketing und Aftersales zuständig. Moe Wang, der General Manager von LEVC Overseas, wird auch die Verantwortung als Director of Overseas Sales für LEVC UK übernehmen. Immerhin erklärt Nan:

„Seit der Markteinführung des TX im Jahr 2018 hat LEVC ein rasantes Wachstum erlebt: Bis heute wurden weltweit 9.000 Fahrzeuge verkauft, die mehr als 500 Millionen Meilen zurückgelegt und den Ausstoß von 152.000 Tonnen CO2 in die Atmosphäre verhindert haben. In London hat der TX von LEVC einen Anteil von 82 % am (britischen Anm. d. Red.) Taximarkt, und es gibt jetzt mehr TX auf den Straßen als TX4 mit Dieselantrieb. LEVC freut sich darauf, die Hauptstadt weiterhin dabei zu unterstützen, den Übergang zu einer sauberen, umweltfreundlichen EV-Taxiflotte zu beschleunigen.“

Die Produktion bleibt vorerst in UK:

„Unsere hochmoderne Produktionsstätte in Ansty, Coventry, wird auch in Zukunft die Heimat des berühmten, ikonischen TX-Taxis sein - des Londoner Black Cab und der Modelle der neuen Generation. Wir werden auf dem unvergleichlichen Erbe von LEVC aufbauen und über die Herstellung von High-End-Taxis hinauswachsen, um mehr Kunden als je zuvor intelligente, umweltfreundliche, sichere und zugängliche Mobilität zu bieten.“

Schon zur Präsentation des Vans VN5 ließ man durchblicken, dass man perspektivisch rein elektrische Fahrzeuge bauen werde. Ob man dazu die aktuelle Plattform modifiziert – die in der Geely-Gruppe sehr eigen ist, oder auf eine Geely-E-Plattform aufsetzt, bleibt dabei noch offen. Für 2023 plant man laut Nan eine Umsatzsteigerung von 20 % im Vergleich zum Vorjahr. Weitere Details zur Strategie von LEVC sollen im ersten Quartal bekannt gegeben werden.

Was bedeutet das?

Der LEVC VN5 Van schlug nicht so ein, wie geplant: Trotz gigantischem Werbeaufwand und dem zügigen Aufbau eines Händlernetzes bleibt der Van VN5 selten und auch mit dem Taxi tut sich Festland-Europa schwer. Weshalb man den angekündigten Camper bisher ebenfalls nicht groß sah. Denn LEVC legt seine Fahrzeuge auf Dauerhaltbarkeit aus, doch das kostet. Doch 9000 Fahrzeuge in vier Jahren sind auch in der Nische zu wenig, weshalb man gespannt sein darf auf die künftige Strategie. Immerhin: Kultoptik made in UK bleibt, was von Geely ein mutiges und starkes Signal ist.