Liefery fordert Aufhebung des Sonntagslieferverbots

Anbieter liefert jetzt alle Sendungen kontaktlos und hat eine Zustellquote von 99 Prozent. Anstieg bei Lebensmittel- und Medikamenten um 60 Prozent. Zögerliches Handeln der Regierung kritisiert.

Rasch reagiert: Kontaktlose Zustellung wird Standard, eine Ship-from-Store-Lösung für Händler wurde binnen einer Woche umgesetzt. | Foto: Liefery
Rasch reagiert: Kontaktlose Zustellung wird Standard, eine Ship-from-Store-Lösung für Händler wurde binnen einer Woche umgesetzt. | Foto: Liefery
Johannes Reichel

Die Service- und Technologieplattform Liefery, eine Tochter der Otto-Group, hat eine erste Bilanz über das Geschäft in der Corona-Krise gezogen und dabei der Bundesregierung zu zögerliches Handeln vorgeworden. Die aktuelle Gesundheitssituation in Deutschland und der Welt rund um den Erreger COVID-19 habe viele Branchen vor unvorhergesehene Herausforderungen gestellt, auch die Logistikbranche, heißt es. Mitarbeiter und Paketempfänger müssten durch angemessene Hygienestandards geschützt werden, appellierte der Dienstleister.

Mit den Einschränkungen des öffentlichen Lebens sei die Nachfrage nach Lebensmittellieferungen im Vergleich zu Anfang März nochmals um 60 Prozent angestiegen. Bei Apothekenlieferungen war der Anstieg des Sendungsvolumens mit 63 Prozent vergleichbar, so die Bilanz. Zudem finde der Handel zurzeit stark vermehrt über Online-Shops und Lieferdienste ab.

Kreativität in der Krise gefragt: Kurz auf kontaklos

Binnen kürzester Zeit habe man zum Schutz seiner Mitarbeiter und Endkunden die vorher übliche Unterschrift beim Paketempfang abgeschafft. Seit der Einführung am 1. April wurden 100 Prozent der Lieferungen kontaktlos zugestellt, insgesamt mehr als 50.000 Pakete bis zum 15. April. Darüber hinaus wurden an den eigenen Logistikstationen mehr als 100 Liter Desinfektionsmittel für die Mitarbeiter bereitgestellt. Dem erhöhten Lieferaufkommen zum Trotz hätten sich die Kunden auf eine aktuelle Zustellquote von durchschnittlich 99,12 Prozent im ersten Zustellversuch verlassen.

„Während andere Logistik-Anbieter ihr Same-Day- sowie Next-Day-Angebot eingestellt und teilweise ganze Wechselbrücken bei Auftraggebern in der Krise zurückgelassen haben, sind wir stolz darauf auch unter widrigen Umständen weiterhin verlässlich zu liefern“, erklärte Nils Fischer, Mitgründer und CEO von Liefery.

Kritik an zögerlichen Maßnahmen der Bundesregierung

Auch, wenn alle Herausforderungen bislang gemeistert wurden, kritisiert Fischer das Vorgehen der Bundesregierung zu Beginn der Krise. Man begrüße es zwar, dass die meisten Logistik Dienstleister relativ zügig durch die Bundesnetzagentur als systemrelevant eingestuft wurden, könne aber nicht nachvollziehen, warum noch immer am Verbot für Sonntagslieferungen festgehalten werde.

"Die Lieferdienste sind in der aktuellen Krise doch integraler Bestandteil der Gesellschaft zur Versorgung der Bürgerinnen und Bürger mit Lebensmitteln und anderen Gütern", mahnte Fischer weiter.

Wie der Bundesverband Paket und Express Logistik (BIEK) in seinem Positionspapier zur Corona-Pandemie "Sicherstellung der Lieferketten" unter Punkt 6 erwähnt habe, müsse auch nach Auffassung des Anbieters "im Arbeitszeitgesetz der Ausnahmekatalog des § 10 um den Tatbestand der Versorgung von Bürgern und Unternehmen mit Waren und Gütern zeitlich befristet ergänzt werden", um eine lückenlose Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und anderen wichtigen Gütern sicherzustellen, führte Fischer weiter aus.

Unterstützung des stationären Handels

Die Ladenschließungen Mitte März hätten Einzelhändler dazu angetrieben, eine andere Lösung für den Absatz ihrer Waren zu finden. Viele auch kleine stationäre Händler würden ihre Waren mit oder ohne Onlineshops zu ihren Kunden senden wollen. Hier unterstütze man. Entweder mit Online-Shops oder der Beauftragung per E-Mail hole Liefery mit „Ship-from-Store“ Waren aus Ladengeschäften ab, und bringt sie zeitfenstergenau zum Kunden, so das Versprechen. Der Service sei zudem innerhalb einer Woche aufgesetzt worden und stehe Händlern bereits seit Ende März zur Verfügung, warb der Dienstleister weiter.

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