Lkw-Fahrer in Gräfenhausen protestieren erneut

Gräfenhausen ist wiederholt Schauplatz von protestierenden Fahrern, die nach eigener Aussage keinen Lohn erhalten haben.

Bereits im April hatten sich Lkw-Fahrer am Rastplatz versammelt, damals eskalierte die Situation als der Auftraggeber einen Schlägertrupp schickte, der den Fahrern die Lkw weg nehmen sollte. (Archivbild: DGB/Faire Mobilität)
Bereits im April hatten sich Lkw-Fahrer am Rastplatz versammelt, damals eskalierte die Situation als der Auftraggeber einen Schlägertrupp schickte, der den Fahrern die Lkw weg nehmen sollte. (Archivbild: DGB/Faire Mobilität)
Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Nadine Bradl)

Wie die Gewerkschaft Verdi mitteilt, versammeln sich seit letzter Woche in Deutschland wieder protestierende Lkw-Fahrer aus zentralasiatischen Ländern, die allesamt bei demselben polnischen Unternehmer beschäftigt sind. Stand 26.7. seien es rund 130 Lkw gewesen, die auf der Raststätte Gräfenhausen in Hessen zum Stehen gekommen seien. Die Raststätte ist bereits überfüllt, teilt die Gewerkschaft mit.

Den meisten Fahrern sei seit Mai kein Gehalt mehr gezahlt worden. Bis zum vergangenen Wochenende sei es den Kollegen von der niederländischen Gewerkschafts-Stiftung RTDD (Road Transport Due Diligence) gelungen, den ersten Fahrern noch bei den Verhandlungen mit der Mazur-Gruppe zu helfen. 

„Dass immer wieder Fahrer aus Europa nach Deutschland kommen, um für ihr gutes Recht zu demonstrieren, darf nicht zur Regel werden“, sagte Andrea Kocsis, stellvertretende Ver.di-Vorsitzende. „Vielmehr müssen alle Beteiligten der Lieferkette ihre Verantwortung wahr und ernst nehmen, um Sozial-Dumping und Ausbeutung im Vorfeld zu verhindern.“

Außer einer kurzen Empörungswelle im April dieses Jahres, als erstmals Lkw-Fahrer in größerem Umfang in Gräfenhausen stehen geblieben sind, sei nichts passiert. 

„Die Unternehmen, die den Gütertransport beauftragen, haben eine Verantwortung für alle Beteiligten der Lieferkette. Politik und Kontrollbehörden haben diese ebenfalls, nehmen sie aber nicht ausreichend wahr, indem mangels schützender Gesetze und viel zu geringen Kontrolldichten hingenommen wird, dass der Straßengütertransport in Deutschland tausendfach pro Tag illegal abläuft“, so Kocsis. 

Der Straßengütertransport in Deutschland und Europa muss laut Ver.di so organisiert werden, dass Menschen nicht ausgebeutet werden und Verantwortung vom Auftraggeber übernommen wird. Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz sehe dies bislang nur für Unternehmen ab 3.000 Beschäftigten vor. Eine Ausweitung, auch auf kleinere Unternehmen, müsse schnell folgen, da ohne gesetzliche Regelung offenbar kein Einsehen in der Wirtschaft bestehe. 

ver.di, der DGB und Faire Mobilität helfen und unterstützen die Fahrer vor Ort.