Lkw-Maut als Inflationstreiber: Am Ende zahlt der Verbraucher

Kaum Lenkungswirkung, starke Preisanstiege und Frachtführer in Existenznot – die Auswirkungen der Lkw-Mauterhöhung zum 1. Dezember beschäftigten eine Expertenrunde aus DSLV Bundesverband Spedition und Logistik, Timocom und Verladern.

Die Maut wird nicht nur den Transporteuren teuer zu stehen kommen, ist sich der DSLV sicher. (Symbolbild: Timocom)
Die Maut wird nicht nur den Transporteuren teuer zu stehen kommen, ist sich der DSLV sicher. (Symbolbild: Timocom)
Tobias Schweikl
(erschienen bei Transport von Nadine Bradl)

In einem Austausch zwischen dem DSLV Bundesverband Spedition und Logistik, Timocom und einer Verlader-Expertenrunde auf dem Logistics Summit in Düsseldorf wurde erneut vor den schwerwiegenden Konsequenzen der Mauterhöhung gewarnt. Ausbleibende Lenkungswirkung, enorme Preisanstiege und existenzielle Bedrohungen – die belastenden Auswirkungen der Mauterhöhung zum 01. Dezember 2023 bleiben ein heftig umstrittenes Thema. 

In seinem Vortrag über die mautrechtlichen Änderungen präsentierte Raoul Wintjes, Leiter Internationaler Straßengüterverkehr beim DSLV Bundesverband Spedition und Logistik den Anwesenden eine differenzierte Meinung zur Mauterhöhung. So gab er zu verstehen, dass der Logistiksektor die nachhaltige Entwicklung hin zu einem CO2-emissionsfreien Verkehr keineswegs aufhalten möchte. Allerdings kommt der CO2-Aufschlag zu früh, weil die Vorhaben schlichtweg nicht zur aktuellen Wirtschaftslage und den verfügbaren technischen Alternativen passen. Fest steht jedoch: Verlader und Transportunternehmen stehen derzeit vor der erheblichen Herausforderung, Lösungen zu finden, wie sie zukünftig mit den erhöhten Mautgebühren umgehen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Dies sorge für Unruhe und Besorgnis in der Branche: Mit welcher Unsicherheit alle Beteiligten diesem Thema gegenüberstehen, zeigte sich auch in dem Stimmungsbild der anwesenden Verlader. Das Mautthema wird zu einem spannungsreichen Diskussionspunkt in den bevorstehenden Preisverhandlungen zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer werden. Denn letztlich stellt sich vor allem die Frage danach, wer die höheren Mautgebühren tragen wird. Die Verlader, Spediteure – beide? Oder doch nur die Verbraucher? Der DSLV ist sich in dieser Angelegenheit sicher: Es sind die Konsumenten, die über Jahre von sinkenden Transportpreisen profitiert haben und bei denen der Eindruck entstanden ist, dass es den Transport kostenlos zum Produkt dazu gibt.

„Durch die Einführung einer CO2-Maut, wie sie zum 01. Dezember 2023 erfolgt, werden die Mautgebühren für LKW nahezu verdoppelt werden. Diese Maßnahmen werden über die Transportbranche hinaus vor allem die Industrie, den Handel und Konsumenten in Mitleidenschaft ziehen“, gibt Gunnar Gburek, Head of Business Affairs bei Timocom zu bedenken.

Lenkungswirkung ist fragwürdig

Angepriesen wird die geplante Mauterhöhung immer wieder als wirksames Lenkungsinstrument in Richtung E-Mobilität und mehr Klimaschutz.

„Die Bedeutung einer langfristigen Lenkungswirkung steht außer Frage. Vor allem aber richtet sich unsere Kritik dagegen, dass alternative Antriebe, die Ladeinfrastruktur und nicht zuletzt die flächendeckende Verfügbarkeit des grünen Stroms derzeit nicht in ausreichender Menge gegeben sind“, führt Raoul Wintjes aus.

Überraschenderweise wurde deutlich, dass selbst der Bund von vornherein nicht an die tatsächliche Wirkung dieser Maßnahme zu glauben scheint. Die entsprechenden Fahrzeuge werden bis Ende 2023 noch nicht in relevanter Stückzahl am Markt angeboten werden und auch die Ladestruktur wird in den nächsten Jahren nicht flächendeckend verfügbar sein. Zudem zeichnet sich der ausbleibende Erfolg einer Lenkungswirkung bereits heute darin ab, dass die geplanten Mauteinnahmen in den Jahren bis 2027 steigen werden. Wobei die alternativen Antriebe doch eigentlich bis 2025 mautbefreit und anschließend deutlich mautreduzierter eingestuft sind, was insgesamt zu sinkenden Einnahmen führen müsste. Letztlich bilden die höheren Mautgebühren damit lediglich eine versteckte Steuererhöhung ab. Dies trat auch im Gespräch zwischen Gunnar Gburek (Timocom), Raoul Wintjes (DSLV) und der Verlader-Expertenrunde wiederholt in den Vordergrund.

 

Leerkilometer waren schon immer unrentabel. Doch mit der steigenden Mautgebühr werden Leerfahrten langfristig einen noch größeren Stellenwert einnehmen. Sicherlich ist dieser zusätzliche Kosteneffekt nicht neu, jedoch trägt er dazu bei, die angespannte Situation in der Branche zu verschärfen.

Diesen Effekt sieht auch Raoul Wintjes: „Leerfahrten aufgrund von asymmetrischen Warenströmen bekommen durch die Mauterhöhung eine noch größere Bedeutung und führen viele Transportdienstleister an ihre Rationalisierungsgrenzen.“

Die Meinungen unter den Verladern in Bezug auf Leerfahrten sind gespalten. Einige Verlader weisen bereits heute mit Nachdruck darauf hin, dass durch die höheren Mautgebühren die effiziente Rückführung der Fahrzeuge und die Minimierung von leeren Transporten verstärkt in den Fokus der Verhandlungen mit den Spediteuren rückt. Andere wiederum stehen diesem Thema entspannter gegenüber und weisen darauf hin, dass es schon jetzt effektive Lösungen für die Übernahme von Leerfahrten gibt. Darüber hinaus gibt eine weitere Gruppe von Verladern eindrücklich zu verstehen, dass sie unter massiven Kostendruck stehen und nicht den vollen Umfang der höheren Kosten an den Verbraucher weiterreichen werden können. Der Standpunkt dieser Verlader-Gruppe ist unmissverständlich: sie sind nicht bereit, 100% der höheren Mautgebühren zu tragen. Erhöhte Transporteffizienz der Spediteure, verstärkte Digitalisierung und weitere Anstrengungen bei der Vermeidung von Leerfahrten könnten eine Linderung bieten und verhindern, dass die Kosten weiter in die Höhe gehen. 

Preiserhöhungen für Verbraucher 

Die Realität zeige ein düsteres Bild für alle Beteiligten! Es sei absehbar, dass mit der Erhöhung der Mautgebühren die Transportkosten steigen werden, was erwartungsgemäß zu einer spürbaren Steigerung der Verbraucherpreise führen wird. Und das zu einer Zeit in der bereits eine starke Inflation die Verbraucher belastet. Ein konkretes Beispiel der belastenden Auswirkungen kommt unter anderem aus der Getränkebranche. In dieser Branche sind die Transporte besonders durch voluminöse und/oder schwere Güter mit einem vergleichsweise geringen Warenwert geprägt. Hier fallen höhere Logistikkosten schnell ins Gewicht und schlagen sich unweigerlich auf die Preise für die Endverbraucher aus. Denn bereits heute arbeitet die Branche mit niedrigen Gewinnmargen. Es wird prognostiziert, dass mit der neuen CO2-Maut die Kosten für einen Wasserkasten je nach Hersteller um bis zu 50 Cent steigen werden. Bei gleichzeitigem Anstieg der Preise für weitere Konsumgüter bedeutet dies für die Verbraucher in Summe eine enorme finanzielle Mehrbelastung, die alle Beteiligten erst einmal aufbringen müssen.

„Es ist an der Zeit, die Realität zu akzeptieren – Lkw-Transporte sind das Rückgrat unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Um es noch einmal deutlich zu machen: schon heute legt kein Lkw ohne begründeten Anlass Strecke zurück. Hinter jeder Fahrt steht ein Transport, der unsere Wirtschaft am Leben hält, unseren Wohlstand sichert und die Gesellschaft mit allem notwendigen Gütern versorgt,“ erklärt Gunnar Gburek abschließend.