Lkw-Maut: Continental wirft die OBU raus

Geht es nach Continental, soll künftig innovatives On-Board Equipment (OBE) die On-Board Unit (OBU) ersetzen.

Ein On-Board Equipment (OBE) soll künftig die On-Board Unit (OBU) hinter der Windschutzscheibe zur EU-weiten Mauterhebung ablösen. | Bild. Continental
Ein On-Board Equipment (OBE) soll künftig die On-Board Unit (OBU) hinter der Windschutzscheibe zur EU-weiten Mauterhebung ablösen. | Bild. Continental
Tobias Schweikl

Der Automobilzulieferer Continental entwickelt für die Mauterhebung in Nutzfahrzeugen ein dezentrales On-Board Equipment (OBE), das künftig die hinter der Windschutzscheibe befestigte On-Board Unit (OBU) als Einzelgerät ablösen soll.

Die neue Lösung soll die Maut zuverlässiger erheben, weil damit einige typische Schwachstellen der OBU behoben würden, so Continental. Updatefähige Software steuere den kompletten Ablauf der Mauterhebung, an der die einzelnen Systemkomponenten beteiligt sind. Gleichzeitig stelle die Software sicher, dass nur richtige und vollständige Daten an den Proxy-Server übermittelt würden. Zudem schützten ein umfassendes Set an Softwarefunktionen und Sicherheitsroutinen des verteilten Systems vor Manipulationen und unberechtigtem Zugriff.

„Reibungslose und genaue Mautprozeduren sind für gewerbliche Straßennutzer und Flottenmanager extrem wichtig, um beispielsweise unbeabsichtigte Mautverstöße zu vermeiden. Die verteilte On-Board Equipment-Lösung erschließt für die gesamte Mautbranche attraktive Chancen, existierende Funktionseinheiten zu vernetzen, um so eine werkseitig installierte, auf das Fahrzeug zugeschnittene, verteilte und einfach aktualisierbare On-Board Equipment-Lösung zu definieren“, sagt Dr.-Ing. Andreas Müller, zuständig für Nutzfahrzeugmaut und vernetzte Hardware im Continental-Geschäftssegment Commercial Vehicle Fleet Services.

Als Einzelgerät bringe die OBU hinter der Windschutzscheibe laut Continental einige typische Schwachstellen mit. Dazu gehörten Wackelkontakte, eine irrtümliche Montage der OBU im falschen Fahrzeug und bei älteren OBU mit knappen Rechen- und Speicherkapazitäten außerdem Herausforderungen bei Over-the-Air-Updates. Das größte Problem sei jedoch ist die langwierige und kostspielige Zulassungsprozedur in jedem einzelnen europäischen Land.

„Das kann zehn Monate für ein einziges Land erfordern“, so Andreas Müller.

Deshalb werde die vorhandene OBU-Hardware genutzt, solange es geht, um die massiven Investitionen in die Zulassung einer neuen Hardwaregeneration möglichst lange aufzuschieben. Das stünde im Widerspruch zu den immer kürzeren Innovationszyklen und der wachsenden Dominanz der Software in sämtlichen Fahrzeuggattungen.

Das neue Continental-Konzept für die Mauterhebung geht diese Punkte an. Der Inhalt des früheren Gerätes wird auf werkseitig installierte Komponenten verteilt: GNSS-Sensordaten etwa können vom Navigationssystem oder dem Intelligenten Tachographen bereitgestellt werden. Der Tachograph enthält außerdem ein DSRC-Modem, das sich künftig ebenfalls für die Maut nutzen lässt. Die Bedieneroberfläche lässt sich über die vorhandene Headunit bereitstellen, was den Vorteil eines durchgängigen Bedienkonzepts mitbringt.

Für den Datenaustausch mit dem Proxy-Server über mobiles Internet gibt es eine ganze Reihe von Lösungen, wie etwa Bluetooth, GSM und LTE. Sobald der digitale, intelligente Tachograph Bestandteil der verteilten OBE-Lösung ist, bringe das mehr Sicherheit und Manipulationsschutz. Auch die Mautdatenqualität würde besser, weil das System integraler Bestandteil der Fahrzeugarchitektur und des Informationsflusses sei.

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