Werbung
Werbung
Werbung

LogiMAT 2018: Jungheinrich automatisiert und elektrifiziert

Neben Neuheiten wie dem vollautomatisierten FTS EKX 516a und zwei noch geheim gehaltenen Weltpremieren setzt der Hersteller die Lithium-Ionen-Strategie fort und bringt eine halbautomatisierte Steuerung für die ECE-Reihe. Hersteller erwartet spätestens bis in vier Jahren Kostengleichheit zur Blei-Säure-Technik.
Folgt wie aufs Wort: Jungheinrich ergänzt den bekannten ECE-Horizontalkommissionierer um eine halbautomatisierte Steuerung. Das Gerät folgt dem Nutzer in der Vorwärtsbewegung. | Foto: Jungheinrich
Folgt wie aufs Wort: Jungheinrich ergänzt den bekannten ECE-Horizontalkommissionierer um eine halbautomatisierte Steuerung. Das Gerät folgt dem Nutzer in der Vorwärtsbewegung. | Foto: Jungheinrich
Werbung
Werbung
Johannes Reichel

Der Hamburger Hersteller von Flurförderzeugen Jungheinrich kommt als nach eigenen Angaben größter Aussteller der LogiMAT mit zahlreichen Neuheiten zur Messe in Stuttgart. Darunter sind zwei Weltpremieren, die der Hersteller allerdings erst zur Messe selbst bekannt geben will. Mit ihnen verspricht der Intralogistikkonzern, die Effizienz und Produktivität im Lager auf ein "neues Level" zu heben, so die Ankündigung. Erstmals stellt der Anbieter ausschließlich Fahrzeuge mit Lithium-Ionen-Batterie aus. Dazu gehört auch der Hochregalstapler EKX 516, der ab 2018 auch vollautomatisiert als Fahrerloses Transportsystem erhältlich ist. Als weitere Produktneuheiten präsentiert Jungheinrich darüber hinaus den neuen Elektroschlepper EZS 7280 und den Horizontalkommissionierer ECE mit der neu-en Remote-Lösung easyPILOT Follow. Beide Produkte sind für den diesjährigen IFOY-Award nominiert.

Halbautomatische Steuerung für die ECE-Familie

Für die Familie der ECE-Horizontalkommissionierer ergänzt der Hersteller das Programm um eine halbautomatisierte Steuerung. Beim sogenannten easyPilot Follow soll das Gerät seinem Bediener automatisch und in zwei Geschwindigkeitsstufen von 2,5 oder 5 km/h in der Vorwärtsbewegung folgen und positionsgenau stoppen. Damit könne sich der Nutzer komplett auf den Pickprozess konzentrieren und spare bis zu einem Drittel an Zeit ein, wirbt der Hersteller. Zwischen Bediener, der die Bedieneinheit am Gürtel trägt und dem Gerät besteht eine sich einfach aufbauende UWB-Funkverbindung zu vier an der Front sowie hinter dem Fahrer platzierten Antennen, die anders als bei optischen Sensorsystemen auch von Hindernissen nicht gestört werden soll. Als Notfallsystem greift wie beim Vorgängermodell mit mit Berühungssensor ein Sick-Radarsensor in der Front ein und verhindert Kollisionen. Mit Hilfe einer "Line-Setting"-Funktion kann der Nutzer zudem eine Zielposition für das Fahrzeug markieren oder das Gerät per Remote Control manuell fernsteuern. Auch Ausweich- oder Umfahrmanöver beherrscht das System im begrenzten Maß, der Lenkwinkel im halbautomatischen Modus wurde aus Sicherheitsgrünen auf 10 Grad beschränkt. Das neue System soll auch nachrüstbar sein an Vorgängermodellen.

Automatisierung schreitet weiter voran

Neu bei Jungheinrich ist auch der automatisierte Elektro-Kommissionierer EKX 516a, der als AdOn durch ein Automatisierungs-Kit ergänzt wird, sonst aber weitgehend baugleich zum Grundmodell ist. Das Fahrerlose Transportsystem (FTS) für Lageraufgaben bis 13 Meter Hubhöhe basiert auf dem bekannten Dreiseitenstapler mit einer Traglast von 1.600 kg, der um Automatisierungskomponenten ergänzt wurde. Der 80-Volt-Synchron-Reluktanzmotor soll bessere Leistung mit um bis zu zehn Prozent niedrigeren Energieverbrauch kombinieren. Dazu trägt das sogenannte Nutzsenken- und Bremsen bei, das für effiziente Energierückgewinnung sorgt. Die Integration eines On-Board-Laders und die Ausstattung mit Stromschiene und Stromabnehmer mache den Hochregalstapler auch für den 24/7-Einsatz tauglich, so der Anbieter.

Außerdem führt der Hersteller zur Messe eine neue Generation an Hochfrequenz-Ladegeräten ein. Das sogenannte SLH 300 für Blei-Säure-Batterien und die Lithium-Ionen-Variante SLH 300i sollen sich durch große Spannungsvielfalt, die Ausstattungsvielfalt und einen hohen Wirkungsgrad auszeichnen. Die Eigenentwicklung, die im Werk Norderstedt produziert wird, ist ein integraler Bestandteil der Jungheinrich-Systemlösung. Damit bietet Jungheinrich seinen Kunden ein optimal aufeinander abgestimmtes Gesamtpaket aus Fahrzeug, Batterie und Ladegerät aus einer Hand.

Elektro-Stapler ziehen in Performance gleich mit Diesel

Auch bei den Schleppern fährt der Hamburger Konzern mit Neuheiten auf in Form des Elektro-Sitzschleppers EZS 7280. Das IFOY-nominierte Gerät verfügt über 28 Tonnen Zugleistung und eignet sich insbesondere für den Außeneinsatz an Flughäfen oder in Betriebsgeländen. Das KTL-beschichtete, witterungsbeständige Fahrzeug soll dank einer wartungsfreien und langlebigen 500 Ah-Lithium-Ionen-Batterie sehr effizient arbeiten. Optional ist eine 930-Ah-Batterie erhältlich. Assistenzsysteme wie die automatische Parkbremse mit Rückrollsicherung und ein Berganfahrassistent sollen die Sicherheit beim Handling an Rampen erhöhen.

"Der Trend in Richtung Elektrifizierung beschleunigt sich, wir sehen hier ein stärkeres Wachstum, nicht nur wegen ,Diesel-Gate'", erklärte Jungheinrich-Vorstand Lars Brzoska. Batterielektrische Fahrzeuge legten dabei immer mehr an Performance zu und könnten mit Diesel-betriebenen Fahrzeugen mithalten. Man verzeichnete im Werk Norderstedt mit 1.000 teils schweren Lithium-Ionen-Fahrzeugen die höchste Order an batterieelektrischen Fahrzeugen. Besonders daran sein, dass man diese hohe Stückzahl mit allen Sonderwünschen für den nicht namentlich genannten international agierenden Kunden pünktlich und wunschgemäß ausgeliefert habe. Man habe insgesamt 5.600 Lithium-Ionen-Akkus gefertigt und verkauft und die Verkaufszahlen verdreifacht, sowohl durch Nachfrage in Europa als auch weltweit, wie etwa in Südamerika oder Australien.

Lithium-Ionen-Technologie:Kosten sinken signifikant

Man habe generell ein Wachstum von 50 Prozent in den letzten fünf Jahren aus eigener Kraft und ohne externe Akqusisitionen verzeichnet, 25 Prozent bei der Mitarbeiterzahl zugelegt und plane eine weitere Fertigung in Polen, skizzierte der Vorstand weiter. "Lithium-Ionen ist nicht nur die Zukunft, sondern bereits die Gegenwart. Es wird die künftige Technologie schlechthin sein", gab sich Brzoska überzeugt. Auch die Anschaffungskosten würden in den nächsten Jahren signifikant sinken, so seine Prognose. Bis 2020 oder 2022 werde man mit Blei-Säure-Batterien kostenseitig gleichziehen, so die Einschätzung des Vorstands.

Printer Friendly, PDF & Email
Werbung