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Logistik-IT: Neue Lagerverwaltung für neue Prozesse

Für Lagerung und Versand seiner Kaffeebecher, Weingläser und Geschirrteile der Marken Leonardo und Montana hat die Firma Glaskoch ein neues Warehouse-Management-System eingeführt.
Übersichtliche Staplerdialoge sollen eine effiziente und fehlerfreie Kommissionierung ermöglichen. | Foto: Team GmbH
Übersichtliche Staplerdialoge sollen eine effiziente und fehlerfreie Kommissionierung ermöglichen. | Foto: Team GmbH
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Tobias Schweikl

Die Glaskoch B. Koch jr. GmbH + Co. KG aus dem ostwestfälischen Bad Driburg mit den Marken Leonardo und Montana hat ein neues Warehouse Management System eingeführt. Die Wahl fiel auf das ProStore-System der Team GmbH aus Paderborn. „Um unsere Durchlaufzeiten weiter zu verbessern, sahen wir bei verschiedenen intralogistischen Prozessen Optimierungsbedarf“, so Marcus Weiß, Leiter Betriebliche Organisation.
Neben weltweit 8.800 Verkaufsstellen unterhält Glaskoch noch acht eigene Leonardo-Stores und -Outlets. Seit 2007 ist das Unternehmen zudem im eCommerce tätig. Der Warenversand an Händler, Direktkunden und die eigenen Verkaufsstellen erfolgt über das 1972 errichtete Logistikzentrum in Bad Driburg. Jährlich wickelt das Unternehmen rund 182.000 Verkaufsaufträge mit rund 1,6 Mio. Auftragspositionen ab. Dabei fordern die immer kürzer werdenden Bestellrhythmen und kleinteiligeren Lieferungen die Intralogistik und die Auftragsbearbeitung heraus.
Gemeinsam mit der Logistikberatung ViaLog aus Harsewinkel hat Glaskoch deshalb in den vergangenen zwei Jahren seine Prozesse neu definiert. Als eine Schwachstelle erwies sich dabei die fehlende Schnittstelle zwischen der alten Lagerverwaltungssoftware und dem ERP-System.
Für eine optimale Lagerverwaltung fehlten die Bestandssicherheit bzw. ein bestandsführendes System. „Außerdem führten die belegorientierten Abläufe in der Lagerung und Kommissionierung häufig zu zum Teil unübersichtlichen Situationen im Leitstand“ erinnert Weiß. Für eine größere Transparenz der Bestände und eine effizientere Kommissionierung entschied sich Glaskoch daher zur Einführung einer systemgeführten und beleglosen Lagerverwaltungssoftware sowie eines Staplerleitsystems.
Neue Software
Seit 2017 ist nun das „ProStore“-System von Team im Einsatz. Die Einführung erfolgte im laufenden Betrieb. Dazu wurde in einem ersten Schritt die Schnittstelle zum ERP-System integriert, so dass sich die Wareneingänge mittels Palettenavis direkt in die Auftragssteuerung übernehmen lassen und für eine bessere Übersichtlichkeit sorgen. Vor der Kommissionierung können die Aufträge nun nach den Warengruppen Glas und Schmuck aufgeteilt, priorisiert oder zu Sammellieferungen zusammengefasst werden.
Anhand der vom System errechneten Gewichte und Volumina lassen sich die zu beauftragenden Frachtführer (Spedition oder KEP) ermitteln. Der gesamte Materialfluss funktioniert darüber hinaus beleglos.
Bei der Vereinnahmung im Wareneingang wird jede Palette zur eindeutigen Identifikation mit einem Barcodeetikett versehen. Das Staplerleitsystem steuert anschließend die Ein- und Auslagerung in die verschiedenen Lagerzonen, sorgt für die Nachschubregelung in die Reservebereiche und versorgt den Versand mit kommissionierten oder Vollpaletten. Mobile Dialoge auf Staplerterminals, Handhelds oder Tablets visualisieren für die Mitarbeiter die dazu erforderlichen Transportaufträge.
Beim einfachtiefen, automatischen Hochregallager (HRL) handelt es sich um ein mehrstöckiges Kanallagersystem mit sechs Gassen und einem Regalbediengerät mit Umsetzer. Es dient als Nachschublager für den Reservebereich. Das HRL wurde mittels TCP/IP-Protokoll an das Warehouse Management System angebunden, die Fördertechniksteuerung erfolgt auf SPS-Basis (Speicherprogrammierbare Steuerung). Kommuniziert wird über eine Zweikanalverbindung: Auf dem einen Kanal sendet Warehouse-Management-System an die SPS, auf dem anderen meldet die SPS an das Warehouse-Management-System.
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ProStore erstellt eine dynamische, der Auftragssituation angepasste Kommissionierung. Trug früher ein Mitarbeiter die Gesamtverantwortung für einen Auftrag, fasst die Software heute mehrere Aufträge wegeoptimiert zusammen. Verplant werden nur die aktuell verfügbaren Bestände. Beim Pick&Pack bearbeiten mehrere Mitarbeiter gleichzeitig einen Auftrag und packen dabei die benötigten Waren parallel in ihren jeweiligen Versandkarton. Die beiden letzten Packstücke werden nur von einem Kommissionierer bearbeitet. Falls erforderlich, erfolgt in diesem Schritt die Konsolidierung mit dem Schmuckpaket. Der letzte bearbeitende Mitarbeiter quittiert die Fertigstellung des Auftrags am Terminal. Vollpaletten werden separat bearbeitet und schon beim Kommissionier-Start in den Versandbereich ausgelagert.
ProStore meldet schließlich die Lieferscheindaten an das ERP-System, welches die Lieferschein- und Versandlabel ausdruckt. Es stehen 14 Verpackungsplätze zur Verfügung, täglich bereiten die Verpacker bis zu 1.200 Packstücke vor. Um den Packprozess zu starten, scannt der Verpacker die Fächer des Kommissionierwagens und legt Kartons sowie Positionsverpackungen für jeden Auftrag im Dialog mit dem System an. Zusätzlich können, falls erforderlich, Preisauszeichnungen vorgenommen werden. Zum Schluss erfolgt das automatische Drucken von Lieferschein und Versandlabel.
Marcus Weiß schätzt die Zeitersparnis im Gesamtprozess auf zehn bis fünfzehn Prozent: „Unsere Mitarbeiter haben das neue System sehr schnell adaptiert und akzeptiert, so dass wir die Durchlaufzeiten der Aufträge erheblich verkürzen konnten.“ Außerdem habe sich die Fehlerquote verringert, sie gehe im Paketversand nun nahezu gegen Null.

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