MAN & ABB E-mobility: Kooperation für Megawattladen

MAN und ABB E-mobility schließen eine Forschungs- und Entwicklungs-Kooperation für ultraschnelles Laden und wollen bis 2025 in Serie gehen. Angepeilt sind neben Lkw auch Reisebusse.

Hand in Hand für Megawatt: Thomas Nickels (li.), Senior Vice President Engineering bei MAN, und Floris van de Klashorst, Senior Vice President Products & Hardware Platforms bei ABB E-mobility, bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags auf der MAN Teststrecke in München. | Foto: MAN
Hand in Hand für Megawatt: Thomas Nickels (li.), Senior Vice President Engineering bei MAN, und Floris van de Klashorst, Senior Vice President Products & Hardware Platforms bei ABB E-mobility, bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags auf der MAN Teststrecke in München. | Foto: MAN
Johannes Reichel

Der Nutzfahrzeughersteller MAN Truck & Bus und der Ladelösungsspezialist ABB E-mobility haben einen exklusiven Kooperationsvertrag zur Forschung und Entwicklung des sogenannten Megawattladens unterzeichnet. Ziel der strategischen Partnerschaft sei eine noch engere Zusammenarbeit.

„Kooperationen im Bereich Forschung und Entwicklung sind in unserer Branche eher selten. Gemeinsam mit ABB E-mobility streben wir eine vertrauensvolle, verbindliche und transparente Partnerschaft an. Dabei setzen wir schon bei der Entwicklung von Produkten und Standards an", erklärt Thomas Nickels, Senior Vice President Engineering bei MAN.

Gerade für das Megawattladen (MCS) zeige sich die Bedeutung von industrieübergreifenden Kooperationen für die gesamte Branche, so Nickels weiter. Bei MCS arbeite man mit Akteuren aus der gesamten Branche, um künftig Ladeleistungen im Megawattbereich und damit einen nachhaltigen und ökonomischen Schwerlast- und Personenfernverkehr zu ermöglichen. Durch die Kooperation mit ABB E-mobility will man frühzeitig Herausforderungen der neuen Technologie angehen und Standardisierungen schneller vorantreiben, so Nickels weiter.

Kommunikationsstandard für Signalübertragung zentral

Zu diesen Herausforderungen zählen etwa der Kommunikationsstandard ISO15118-20 oder neue Wege der Signalübertragung. Grundlage für Megawattladen ist eine Ethernet-Kommunikation, die erstmals in der Elektromobilität zum Einsatz kommt. Frühzeitige Software- und Interoperabilitätstests mit Fahrzeug und Ladestation sollen dazu beitragen, in einem aufkommenden Marktumfeld möglichst schnell zuverlässige Produkte zu etablieren, so die Intention. Daher rückt die zunächst auf drei Jahre angelegte Kooperation neben der internen Entwicklung und Weiterentwicklung von Ladestationen, Fahrzeugen und Software von Beginn an vor allem die Kundenerfahrung in den Fokus.

„Hohe Ladeleistungen, eine zuverlässige Technologie, Vertrauen beim Kunden – das sind die Voraussetzungen für den Erfolg der Elektromobilität im Schwerlast- und Personenfernverkehr. Durch die Zusammenarbeit mit MAN schon in der Produktfrühphase können wir noch besser auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen. Bis 2025 wollen wir ein Produkt auf den Markt bringen, das den Anforderungen der Logistik entspricht“, meint auch Floris van de Klashorst, Senior Vice President Products & Hardware Platforms bei ABB E-mobility.

Der Markt brauche ein Ökosystem, das ineinandergreift und zuverlässig arbeitet. Deshalb wolle man ein Konzept für das Zusammenspiel von MCS und CCS entwickeln, das Themen wie Platz, Energieversorgung und Netzausbau aufgreift. Man baut auf das Know-How von MAN, um kundenorientierte Lösungen zu entwickeln – sowohl für den Einsatz im Depot als auch auf der Strecke, so van de Klashorst weiter. Die Kooperation soll sich nicht nur auf die Logistik beschränken.

"Auch im Reiseverkehr wird MCS in der Zukunft zum Einsatz kommen, beispielsweise bei Wohnmobilen und Reisebussen. Das bringt zusätzliche Herausforderungen und ein verändertes Nutzerverhalten“, erklärt der Entwicklungsleiter weiter.