MAN Hamburg TruckPilot: Autonomer Lkw bewährt sich im Hafen

Im Praxistest erwies sich die Technologie als sicher und effizientssteigernd und lässt sich zudem in konkrete Logistikabläufe einfügen. Gesetzliche Grundlagen ermöglichen nächste Schritte.

Selbst ist der Truck: Die Technologie im Hamburger Hafen habe sich bewährt, man will zeitnah weitere Projekte anstoßen. | Foto: MAN Truck & Bus
Selbst ist der Truck: Die Technologie im Hamburger Hafen habe sich bewährt, man will zeitnah weitere Projekte anstoßen. | Foto: MAN Truck & Bus
Johannes Reichel

Der Nutzfahrzeughersteller MAN Truck & Bus hat eine positive Bilanz über das seit Ende 2018 laufende Automatisierungsprojekts „Hamburg TruckPilot" gezogen. Dabei erprobte das Unternehmen gemeinsam mit der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA)  autonom fahrende Prototypen-Lkw im Realeinsatz. Die Praxistestfahrten auf dem HHLA Container Terminal Altenwerder (CTA) hätten gezeigt, dass Automatisierung keine Zukunftsmusik mehr ist, sondern effizient und sicher in konkrete Logistik-Arbeitsabläufe von Kunden integriert werden könne, so das Fazit. Das gelte umso mehr, als der deutsche Gesetzgeber kürzlich den grundlegenden Rahmen geschaffen hat, dass autonome Lkw in festgelegten Betriebsbereichen in Deutschland in Logistikanwendungen eingesetzt werden können.

Wichtig für den erfolgreichen Ablauf sei die Beteiligung der Spedition Jakob Weets e.K. aus Emden gewesen. Der Logistikpartner habe nicht nur Fahrer gestellt, sondern kümmerte sich um das komplette Containerhandling und integrierte die Prototypen-Lkw in ihren regulären Transportprozess.

„Wir freuen uns, Teil des innovativen Forschungsprojekts zu sein und damit die Entwicklung von zukünftigen Automatisierungslösungen zu unterstützen", erklärte Geschäftsführer Jakob Weets mit Blick auf das Potenzial, das automatisierte Fahrfunktionen hinsichtlich der Entlastung von Lkw-Fahrern künftig bieten können.

Aus rechtlichen Gründen Sicherheitsfahrer an Bord

Bei der jeweiligen Praxisfahrt beförderte der Weets-Fahrer zunächst ganz konventionell steuernd einen 40-Fuss-Container im Auftrag der VW-Konzernlogistik vom Weets Container Terminal Soltau zum rund 70 Kilometer entfernten Container Terminal Altenwerder (CTA) im Hamburger Hafen. Nach dem Check-Gate des CTA wechselte der Fahrer auf den Beifahrersitz und stattdessen stieg ein Sicherheitsfahrer zu, der aus rechtlichen Gründen an Bord sein musste und auch für den unwahrscheinlichen Fall eingreifen konnte, dass der Test unter Prototypen-Bedingungen dies erforderte. Damit war die absolute Sicherheit für alle Beteiligten im laufenden Terminalbetrieb zu jeder Zeit garantiert.

Danach fuhr der Lkw autonom über das Terminalgelände seine richtige Position in der Blocklagerspur an und rangierte ebenfalls selbstständig rückwärts in die richtige Parkposition. Nach dem Containerumschlag erfolgte die Rückfahrt zum Check-Gate ebenso autonom und jenseits des Terminalgeländes übernahm wieder der Fahrer der Spedition Jakob Weets e.K. das volle Kommando.

„Die Tests haben es gezeigt. Wir können autonome Lkw in unsere Terminalprozesse integrieren. Ein wichtiger Schritt, denn autonomes Fahren wird kommen. Entsprechend wollen und müssen wir uns als HHLA frühzeitig darauf vorbereiten, dass perspektivisch autonome Lkw an unseren Terminals Container abholen beziehungsweise anliefern", urteilt Till Schlumberger, Projektleiter bei der HHLA und verantwortlich für Hamburg TruckPilot.

Und auch Sebastian Völl, Projektleiter Automatisiertes Fahren bei MAN Truck & Bus sieht im Projekt einen wichtigen technologische Meilenstein auf dem Weg zur Hub-to-Hub-Automatisierung. Zudem sammelten die Projektbeteiligten auf den Zubringerfahrten auf der A7 zwischen dem Weets Container Terminal Soltau und dem Hafengelände bereits zahlreiche Daten für kommende Projekte. Die könnten künftig auch außerhalb abgeschlossener Areale stattfinden.

Ende Mai haben Bundestag und Bundesrat das Gesetz zum autonomen Fahren beschlossen, welches den Einsatz autonomer Fahrzeugsysteme in Deutschland in festgelegten Betriebsbereichen, wie zum Beispiel auf Strecken zwischen Logistik-Hubs, überwacht durch eine technische Aufsicht grundsätzlich ermöglicht. Auf dem ITS-Weltkongress im Oktober 2021 werden die Projektpartner die detaillierten Ergebnisse von „Hamburg TruckPilot" vorstellen.

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