MCS: Mercedes-Benz Trucks schafft Megawatt-Laden im E-Lkw

Hersteller startet im Werk Wörth mit der Umsetzung des neu definierten Ladestandards Megawatt Charging System (MCS). Bei internen Tests gelang es den Entwicklern, einen eActros 600 mit 1.000 Kilowatt zu versorgen.

Mercedes-Benz Trucks Entwickler laden erstmals E-Lkw mit 1.000 Kilowatt bei internem Test in Wörth am Rhein. (Foto: Daimler Truck AG)
Mercedes-Benz Trucks Entwickler laden erstmals E-Lkw mit 1.000 Kilowatt bei internem Test in Wörth am Rhein. (Foto: Daimler Truck AG)
Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Christine Harttmann)

Entwickler von Mercedes-Benz Trucks haben einen Prototyp des im vergangenen Jahr vorgestellten eActros 600 an einer Ladesäule im firmeneigenen Entwicklungs- und Testzentrum in Wörth am Rhein erstmals mit einer Leistung von einem Megawatt geladen.

 

Dieser erste erfolgreiche Ladetest eines E-Lkw mit einem Megawatt Leistung sei ein enormer Entwicklungsschritt, sagte dazu Peter Ziegler, Leiter E-Charging Components bei Mercedes-Benz Trucks.

„In der Branche wird bereits eine Ladeleistung ab 700 Kilowatt als MCS-Laden bezeichnet. Uns ist allerdings wichtig, dass unsere Kunden den eActros 600 mit vollen 1.000 Kilowatt aufladen und damit von kurzen Ladezeiten bei großer Reichweite profitieren können. Jetzt arbeiten wir mit Hochdruck daran, die MCS-Technologie in unserem eActros 600 zur Serienreife zu bringen“, so Ziegler weiter.

Der branchenweite Ladestandard Megawatt Charging System (MCS) spielt insbesondere für das öffentliche Laden entlang der Hauptverkehrsachsen eine zentrale Rolle. An der Entwicklung des Systems war auch Mercedes-Benz Trucks beteiligt. Dass jetzt der eActros 600 erfolgreich geladen werden konnte, wertet Rainer Müller-Finkeldei, Leiter Produkt Engineering Mercedes-Benz Trucks, als Erfolg:

 

„Unsere Entwickler haben den neu definierten MCS-Standard in kürzester Zeit mit voller Ladeleistung ins Fahrzeug gebracht – eine herausragende Ingenieursleistung. Kunden mit hohen Anforderungen an Reichweite und Fahrzeugverfügbarkeit werden künftig besonders vom Megawattladen mit 1.000 Kilowatt profitieren.“

Weiterentwicklung der MCS-Technologie für die Serie

Im weiteren Verlauf befassen sich die Entwicklungsingenieure von Mercedes-Benz Trucks damit, die im Rahmen der MCS-Standardisierung definierte Kommunikationsschnittstelle zwischen Fahrzeug und Ladesäule weiter zu erproben und Prototypkomponenten hin zur Serie weiterzuentwickeln. Der Start der Serienproduktion des eActros 600 ist für Ende 2024 geplant. Der eActros 600 wird neben dem CCS-Laden mit bis zu 400 kW dann später, sobald verfügbar, auch das Megawattladen mit vollen 1.000 Kilowatt ermöglichen. Kunden können hierfür eine Vorrüstung bestellen. Die MCS-Technologie soll für diese Modelle nachrüstbar sein.

Megawattladen vor allem für öffentliche Ladeinfrastruktur interessant

Die Batteriekapazität von über 600 Kilowattstunden – daher die Typbezeichnung 600 – sowie eine neue, besonders effiziente elektrische Antriebsachse aus eigener Entwicklung, ermöglichen eine Reichweite des eActros 600 von 500 Kilometern ohne Zwischenladen. So wird der E-Lkw deutlich über 1.000 Kilometer am Tag zurücklegen können. Zwischenladen während der gesetzlich vorgeschriebenen Fahrerpausen – selbst ohne Megawattladen – macht dies möglich.

Etwa 60 Prozent der Langstreckenfahrten von Mercedes-Benz Trucks Kunden in Europa sind ohnehin kürzer als 500 Kilometer, sodass eine Ladeinfrastruktur auf dem Betriebshof sowie an den Be- und Entladestellen für diese Fälle ausreichend ist. Für alle anderen Einsätze ist der kontinuierliche Aufbau einer öffentlichen Ladeinfrastruktur eine essenzielle Voraussetzung, um den Elektro-Lkw voll einsatzfähig für den paneuropäischen Fernverkehr zu machen. Gerade für solche anspruchsvollen Anwendungsfälle hat das Megawattladen großes Potenzial.