Mercedes-Benz: Lieferverkehr im Werk Wörth wird elektrisch

Hersteller setzt auch in der eigenen Lieferkette unter Strom: Bereits im Laufe des kommenden Jahres sollen die ersten Anliefertransporte in das Mercedes-Benz Werk Wörth elektrisch laufen.

Auch er wird zum Einsatz kommen: der Mercedes-Benz eActros. (Bild: Mercedes-Benz Trucks)
Auch er wird zum Einsatz kommen: der Mercedes-Benz eActros. (Bild: Mercedes-Benz Trucks)
Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Nadine Bradl)

Mercedes-Benz Trucks treibt die Transformation der Transportbranche hin zu CO2-neutralen Antrieben voran und setzt dabei nach eigenen Angaben auch in der eigenen Lieferkette auf E-Lkw. Man habe sich das Ziel gesetzt, den Lieferverkehr in das Lkw-Werk Wörth bis Ende 2026 zu 100 Prozent zu elektrifizieren. Ein bedeutender Teil der direkten Lieferkette könne so CO2-neutral werden. Gemeinsam mit Logistikdienstleistern und Spediteuren, die täglich das größte Lkw-Werk von Mercedes-Benz Trucks beliefern, arbeite das Unternehmen daran, in deren Flotten sukzessive elektrisch angetriebene Lkw zu integrieren. Im Zuge dessen sei auch der Aufbau einer werkseigenen Ladeinfrastruktur in Wörth geplant, die sowohl Lieferanten als auch unternehmenseigenen Fahrzeugen zur Verfügung steht.

Mehrere Spediteure werden Teil der Pilotphase sein, die 2023 in die Umsetzung gehen soll. Schon im Laufe des kommenden Jahres sollen die ersten Anliefertransporte in das Mercedes-Benz Werk Wörth, unter anderem aus den Schwesterwerken, vollständig elektrisch unterwegs sein. In der Pilotphase sollen unter anderem elektrisch angetriebene Mercedes-Benz eActros 300 Sattelzugmaschinen sowie im weiteren Verlauf der eActros LongHaul zum Einsatz kommen.

Ganzheitliche Transportlösung

„Elektromobilität im Transportgewerbe funktioniert bereits heute in zahlreichen Einsatzbereichen“, sagt Karin Rådström, CEO Mercedes-Benz Trucks. „Wir wollen die Transformation unserer Branche zügig vorantreiben, daher sind wir auf allen Ebenen aktiv, auch über das Fahrzeug und begleitende Services hinaus. Wir arbeiten intensiv an der Elektrifizierung unserer eigenen direkten Lieferketten und sehen hier zum einen großes Potenzial und zum anderen auch großes Interesse bei unseren Partnern, die wir auf diesem Weg umfänglich unterstützen.“

Kern des Konzepts von Mercedes-Benz Trucks für den batterieelektrischen Fernverkehr sei, Kunden eine ganzheitliche Transportlösung aus Fahrzeugtechnologie, Beratung, Ladeinfrastruktur und Services zu bieten. Um gemeinsam mit den Spediteuren ein zielgerichtetes Konzept für die emissionsfreie Anlieferlogistik ins Werk Wörth zu entwickeln, stehe zu Beginn eine individuelle Analyse der üblichen Routen. Sie gibt Aufschluss über Fahrzeiten und Distanz zwischen den Lieferstandorten, Lademöglichkeiten und individuelle Reichweite. Außerdem erhalten sie Unterstützung bei der Integration von E-Lkw in die bestehenden Flotten und bei der Neuausrichtung ihrer Logistikzentren, inklusive Beratung zum Aufbau der passenden betriebseigenen Ladeinfrastruktur, so das Unternehmen. In einem nächsten Schritt seo geplant, das Vorgehen auch auf die weiteren Werke im Produktionsverbund von Mercedes-Benz Trucks auszuweiten.

Rund 50 werkseigene Ladesäulen in Wörth geplant

Integraler Bestandteil des künftigen Inbound-Logistikkonzepts von Mercedes-Benz Trucks zum emissionsfreien Anlieferverkehr ist auch der Aufbau einer werkseigenen Ladeinfrastruktur am Standort Wörth. Die rund 50 Ladesäulen, darunter auch Megawatt Charging-Stationen für Hochleistungsladen der Batterie, sind an Schlüsselstellen für den Anlieferverkehr in unmittelbarer Nähe zur Produktion im Werk Wörth geplant. Die in der Produktion verbauten Teile werden just-in-time an das Montageband angeliefert. Die Zeit, in der die Fracht des E-Lkw entladen wird, soll künftig genutzt werden, um die Batterie des Fahrzeugs wieder aufzuladen. Somit muss das Fahrzeug idealerweise keine weitere Standzeit einplanen und kann nach der Teileanlieferung seine Route direkt wiederaufnehmen. Zudem wird aktuell die Möglichkeit geprüft, die Lieferströme im Transportnetzwerk in einem neuen Konsolidierungscenter nahe des Standorts neu zu bündeln und damit zu optimieren.

Serienstart eActros 300 Sattelzugmaschine für 2023 vorgesehen

Der für das Fernverkehrssegment wichtige eActros LongHaul soll 2024 serienreif sein. Das Fahrzeug verfügt in der Serie über eine Reichweite von rund 500 Kilometer mit einer Batterieaufladung und wird das Hochleistungsladen – das sogenannte Megawatt-Charging – ermöglichen. Der Serienstart des ebenfalls kürzlich vorgestellten Mercedes-Benz eActros 300 in der Variante als Sattelzugmaschine für den flexiblen schweren Verteilerverkehr ist im kommenden Jahr vorgesehen. Bereits 2030 sollen im Fahrbetrieb CO2-neutrale Nutzfahrzeuge bis zu 60 Prozent der Verkäufe von Daimler Truck in den EU30-Märkten ausmachen.

Darüber hinaus beteiligt sich Daimler Truck am Projekt „Hochleistungsladen im Lkw-Fernverkehr“ (HoLa). Ziel des Projekts unter der Schirmherrschaft des VDA sind Planung, Errichtung und Betrieb einer ausgewählten Hochleistungs-Ladeinfrastruktur für den batterieelektrischen Lkw-Fernverkehr. Dabei sollen an vier Standorten in Deutschland je zwei Hochleistungsladepunkte mit dem Megawatt Charging System (MCS) aufgebaut und im realen Praxiseinsatz getestet werden. Am Projekt sind verschiedene weitere Konsortialpartner aus Industrie und Forschung beteiligt.

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