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Mercedes-Benz Vans: Digitale Lösungen kommen voran

Der Hersteller präsentiert den neuesten Stand bei In-Van-Delivery, Van2Share und der Telematik, die um die Servicefunktion "Uptime", den Fahrstilmonitor sowie die Option der Erweiterung auf ältere Fahrzeuge ergänzt wird. 2020 soll eine offene IT-Plattform folgen zur Integration von Drittanbieter-Software.

Win-Win-Situation: Für den Logistikdienstleister Night Star Express wird das Handling erleichtert, der Servicetechniker spart sich viele Wege und Zeit mit der Zustellung von Ersatzmaterialien ins Fahrzeug. | Foto: J. Reichel
Win-Win-Situation: Für den Logistikdienstleister Night Star Express wird das Handling erleichtert, der Servicetechniker spart sich viele Wege und Zeit mit der Zustellung von Ersatzmaterialien ins Fahrzeug. | Foto: J. Reichel
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Johannes Reichel

Mercedes-Benz Vans sieht drei Jahre nach dem Start seiner Digitalisierungsoffensive ein immer größeres Anwendungsfeld für seine digitalen Dienstleistungen. „Steigende Transportbedarfe müssen künftig schneller, effizienter und immer umweltfreundlicher abgedeckt werden. Zusätzlich zu unseren Produkten haben wir deshalb für und mit unseren Kunden digitale Dienste geschaffen“, zieht Marcus Breitschwerdt, Leiter Mercedes-Benz Vans den Rahmen.

Allen voran forciert man das Geschäft der Sparte Van2Share, die als Basis sowohl für Anwendungen wie In-Van-Delivery dient wie auch für Mobilitätsdienstleistungen wie den Ride-Sharing-Dienst Berlkönig/Via Van. Auch die Flottentelematiklösung Mercedes-Benz Pro wird sukzessive um Funktionalitäten erweitert, in enger Abstimmung mit Kunden, wie Stefan Maurer, Head of Future Transportation bei MB Vans. Wobei sich die Bepreisung der "Mehrwertpakete" nach dem zu erwartenden Nutzen für den Anwender richtet, wie in Verantwortlicher erklärt und am Beispiel der Funktion "Digitales Fahrtenbuch" erläutert. Zu den neuen Features zählt etwa auch die Möglichkeit, mittels des sogenannten Mercedes PRO Adapters auch ältere Flottenfahrzeuge bis Baujahr 2004 für die Nutzung der Dienste zugänglich zu machen und in die Flottensteuerung zu integrieren. Bisher gab es dieses Tool nur als Nachrüstlösung mit eigenem Flottenmanagementtool.

Lademanagement: Elektroflotten lassen sich digital steuern

Mit dem „digitalisierten eVan Management“, das es seit März gibt, lässt sich etwa der Ladestand via webbasiertem Fahrzeugmanagement-Tool anzeigen oder das Ende des Ladens in der App berechnen. Der Dienst „Ferngesteuertes Lademanagement“ ermöglicht, das Fahrzeug vor Fahrtbeginn zu laden und zu temperieren. Als zweiten, spezifischen Dienst für den eVito bietet man den Service „Intelligentes Lademanagement“ an, bei dem Flottenmanager eine Elektrofahrzeugflotte gestaffelt laden und die notwendige elektrische Anschlussleistung minimieren können. Zudem staffelt die intelligente Infrastruktur das Aufladen und die Vorklimatisierung der Fahrzeuge entsprechend der Einstellungen zur individuellen Abfahrtszeit, beschreibt der Anbieter weiter.

Zeit ist Geld: Uptime jetzt auch im Transporter

Aus dem Lkw-Bereich bekannt ist die Servicefunktionalität Uptime, die die Standzeiten reduzieren soll. Die intelligente Vernetzung des Transporters ermögliche hier die Auswertung und Interpretation technischer Fahrzeugdaten in Echtzeit. Der Dienst ist derzeit exklusiv für den Sprinter verfügbar und erkennt etwa einen verstopften Kraftstofffilter oder eine Unwucht der Vorderräder. Zudem erfolgen Empfehlungen, um die maximale Verfügbarkeit des Transporters sicherzustellen. Das System soll auch frühzeitig Wartungsbedarfe erkennen, die automatisch an den ausgewählten Service-Partner übermittelt werden, sodass sich Termine vereinbaren lassen.

Ein Beispiel für die Erweiterung vorhandener Pakete ist auch der „Fahrstil-Monitor“, der jetzt neben dem Durchschnittsverbrauch auch das Anfahr- und Beschleunigungsverhalten, Ausrollverhalten und gleichmäßiges Fahren analysiert.

„Mercedes PRO connect erfreut sich ständig steigender Beliebtheit. Im Juli 2019 hatte fast jeder zweite Sprinter-Neukunde einen oder mehrere Dienste aktiviert", meint Björn Sack, Leiter Connectivity und Digitale Services Mercedes-Benz Vans.

Spart viele Wege: Zustellung von Material in den Transporter

Zur Serienreife treibt der Anbieter zudem das sogenannte In-Van-Delivery-System (IDR), das auf dem schlüssellosen Fahrzeugzugang und der präzisen Fahrzeugortung basiert. Das soll es Servicetechnikern ermöglichen, sich Ersatzteile oder -artikel direkt in den Transporter liefern zu lassen. Aktuell ist IDR bei zehn eng angebundenen Kunden im Feldeinsatz, etwa dem Baumaschinenspezialisten Liebherr. Bis zum Ende des Jahres sollen 200 Fahrzeuge mit der Technologie ausgerüstet sein. Die Markteinführung in Deutschland plant man für das 1. Quartal 2020.

Das System soll die Materiallogistik drastisch vereinfachen, dem Nutzer viel Zeit und zudem individuelle Fahrten zu Depots, Geschäften oder Zwischenlagern ersparen.

„Wir benötigen keinen physischen Schlüssel mehr von unseren Kunden und können IDR schnell und flexibel einsetzen", erklärte Benjamin Mäße, Vertriebsverantwortlicher für die Region Ost und stellvertretender Betriebsleiter beim Kooperationspartner Night Star Express.

Der Zugang lasse sich so steuern, dass der Innendienst eines Unternehmens auswählt, welches Logistikunternehmen Zugang zum jeweiligen Fahrzeug erhält. Zudem kann man die Berechtigung zum Öffnen auf die Hecktüren beschränken. Der Zugang erfolgt über eine direkte Bluetooth­Verbindung zum Konnektivitätsmodul im Fahrzeug, da nicht überall eine stabile Internetverbindung sichergestellt sei. Beim Öffnen und Schließen der Türen durch den Logistiker bekommen Servicetechniker und Disponent eine Benachrichtigung. Mit der GPS-Lokalisierung würden auch langwierige Suchvorgänge entfallen, sollte der Van nicht an derselben Stelle geparkt werden. Eine deutliche Reduktion von Rundfahrten führt zudem zu niedrigeren Kosten und geringerer Fahrtdauer.

„Wenn unsere Fahrer nachts unterwegs sind und der Techniker keinen festen Stellplatz hat, müssen unsere Fahrer das Fahrzeug oft suchen und verlieren dadurch wertvolle Zeit“, so Mäße weiter.

Kontrollierte Öffnung: Software von Drittanbietern

Mit der Onboard Logic Unit, kurz OLU, hat Mercedes-Benz Vans ein innovatives Steuergerät für den Transportsektor entwickelt. Sie verbindet das Fahrzeug mit der Cloud und besteht aus der Connect Unit und der Compute Unit bietet zahlreiche Schnittstellen und Anschlüsse. Auf diesem Weg können verschiedene Services im Fahrzeug intelligent miteinander vernetzt werden. Mit Hilfe der OLU ließen sich Fahrzeugsensoren, Kameras oder Temperaturfühler miteinander verbunden werden. Die begleitende Software bietet einfache Programmierungsmöglichkeiten. Drittanbieter können zukünftig Apps und Funktionen für die OLU entwickeln und anderen Nutzern zum Download anbieten.

„Die OLU bringt die Cloud in den Van und ermöglicht es Drittanbietern, komplexe Softwarelösungen zu entwickeln und diese schnell und einfach ins Fahrzeug zu bringen", wirbt Marco Kick, Leiter IoT Solutions Future Transportation.

So könne man neue Services für unterschiedliche Branchen realisieren – auch, indem bestehende Dienste miteinander verknüpft werden können. Unter anderem ermöglicht die OLU Transportunternehmen bestehende Geschäftsbereiche zu optimieren und auszubauen sowie neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Automatische Übermittlung des Lieferstatus an Kunden

Für Logistikunternehmen etwa böte sich die Chance, sich über die OLU Fahrzeugsensoren mit einer Kundendatenbank verlinken, wodurch der Status einer Lieferung automatisch an den jeweiligen Kunden übermittelt wird. Dies spare das manuelle Scannen von Paketen und somit Zeit. Lieferanten im Nahrungsmittelbereich köntnen mit Hilfe der OLU die Temperatur des Laderaums auf einfachem Wege überwachen und steuern, skizziert der Hersteller weiter. Derzeit wird die OLU noch im erweiterten Pilotstatus getestet und unter anderem im Rahmen der Dienste VAN2SHARE und In-Van Delivery & Return genutzt. Sie soll im nächsten Jahr auf den Markt kommen.

Schlüsselloses Fahrzeugmanagement als Schlüssel zu vielen Diensten

Bei dem Angebot VAN2SHARE wiederum bietet man eine digitale Sharing-Lösung, die Fahrer, Fahrzeuge und Aufträge auf einer Plattform vernetzen will. Neben dem schlüssellosen Zugang zum Fahrzeug ermöglicht sie eine einfache geteilte Nutzung der Fahrzeuge, ein einfaches Schadensmanagement und dem Vernehmen nach umfangreiche Datenauswertungen für eine bessere Steuerung der Flotte. Die Lösung zielt auf Mobilitäts- und Transportanbietern aller Art und ist unabhängig von der Fahrzeugmarke.

Nach der Registrierung im System kann der Fahrer starten. Eine Smartphone-App leitet ihn zum Fahrzeug und hilft beim Entriegeln, auch ohne stabile Funkverbindung, was per GSM/Bluetooth-Technologie sichergestellt wird. Eine Schlüsselübergabe, etwa auf dem Betriebshof entfällt. Dadurch könnten Disponenten flexibler und agiler den Einsatz aller Fahrer und Flottenfahrzeuge planen und kurzfristig auf das dynamische Auftragsaufkommen reagieren, wirbt der Anbieter. Zudem hätten Disponenten immer die gesamte Flotte im Blick. Sie könnten den Status der Fahrzeuge abfragen und auch das Wartungs- und Schadensmanagement effizienter gestalten. Dank des GPS-Trackings lässt sich die Fahrzeugnutzung und Flottenauslastung ausgewerten. Auch Geofencing ist möglich, um etwa den Betriebsradius eines Fahrzeugs zu begrenzen.

Drei Fahrer pro Fahrzeug: Bessere Auslastung von Flotten

Zur Anwendung kommt das System mittlerweile in 400 Fahrzeugen und bei 1.600 Fahrern, etwa bei den 18 Kühlfahrzeugen der Berliner Tafel oder den mittlerweile 160 Kombi-Bussen des Ride-Sharing-Gemeinschaftsunternehmens von ViaVan/Daimler und der BVG, Berlkönig. Es sorgt für eine bessere Auslastung der Fahrzeuge um 20 bis 30 Prozent laut Hersteller. Die Sharing-Quote betrage drei Fahrer pro Fahrzeug und die Systemverfügbarkeit seit zu fast hundert Prozent gegeben, skizziert eine Verantwortliche. Die Lösung lasse sich auch in Bestandsfahrzeuge einbauen. Auch die Möglichkeit für Vermieter, ein "counterless rental"-Modell anzubieten, wird durch das System eröffnet.

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