Mercedes-Benz Vans: eCitan und flexible Architektur für eSprinter

Anlässlich eines digitalen Roundtable über ein herausforderndes Jahr, das der Hersteller aber noch ordentlich abschließt, kündigt die Van-Sparte des Daimler-Konzerns eine Elektrifizierungsoffensive an.

Elektrische Bandbreite: Mit der nächsten Generation eSprinter will man mehr als nur die KEP-Branche oder Standard-Kastenwagen-Kunden ansprechen. | Foto: Daimler
Elektrische Bandbreite: Mit der nächsten Generation eSprinter will man mehr als nur die KEP-Branche oder Standard-Kastenwagen-Kunden ansprechen. | Foto: Daimler
Johannes Reichel

Beim digitalen Jahresendgespräch des Mercedes-Benz-Vans-Vertrieb Deutschland aus dem jüngst eröffneten Van Experience Center in Krefeld hat der weltweite Vertriebschef Klaus Rehkugler eine Elektrifizierungsoffensive angekündigt. Hier soll nicht nur wie avisiert 2021 eine E-Version des nächsten, dem Vernehmen nach deutlich "mercedes-typischeren" Citan an den Start gehen sowie 2022 folgend die Kombiversion T-Klasse, baugleich mit dem neuen Renault Kangoo Z.E.. Sondern darüber hinaus und "noch deutlich vor 2025" eine komplett neue Elektroplattform für den eSprinter. Die sogenannte Electric Versatility Platform soll zuerst in Nordamerika auf den Markt kommen und eine dedizierte E-Architektur abbilden.

Kompletter Switch: elektrisch angetriebene Hinterachse

Dabei setzt man auf Basis des aktuellen Modells - wie etwa auch Ford für den avisierten Transit Electric - auf einen elektrischen Hinterachsantrieb, kombiniert mit einem mittig, unterboden platzierten Lithium-Ionen-Akku in drei Größen mit bis zu 100 kWh Kapazität und damit deutlich gesteigerten Reichweiten. Das weitere Hochvoltmodul mit der Steuerung und Komponenten findet dann unter der Fronthaube Platz. Von dem neuen Modell soll es darüber hinaus mindestens zwei Längen sowie neben dem Standard-Kasten auch ein Chassis sowie eine Mini-Bus-Version geben, die ohne Einschränkung in Sachen Passagierraum nutzbar sein soll.

Man wolle eine führende Rolle bei der Elektromobilität einnehmen und auch bei der Digitalisierung die Maßstäbe setzen, proklamierte Rehkugler. Die Elektrifizierung geschehe auch im Interesse der Erfüllung der CO2-Flottenvorgaben und man sei auf einem guten Weg, diese zu erfüllen, so Rehkugler. Daneben gehe es auch darum, die Kostenstrukturen zu verschlanken und neben der technischen auch eine finanzielle Nachhaltigkeit für den Van-Bereich zu realisieren. So gibt es beispielsweise auch keine gedruckten Kataloge, Prospekte oder generell auch Preislisten mehr.

Trotz Lockdown nie auf "Null"

Ansonsten blickte der Hersteller auf ein herausforderndes Jahr zurück, das vor allem vom Lockdown im Frühjahr getrübt und beeinflusst wurde. Man komme aber besser aus der Krise als im März noch befürchtet, bilanzierte Rehkugler. Allerdings habe sich ab Mai und über den Sommer der Verkauf wieder auf das Niveau des Rekordjahres 2019 eingependelt. Eine eigens initiierte "Wiederanlaufkampagne" in der Werbung habe dies beflügelt. Und MB-Vans-Deutschland-Vertriebschef Jochen Dimter zeigte sich zuversichtlich, dass man am Ende des Jahres wieder auf einem ordentlichen Niveau landen werde. Auch im Lockdown sei man nie auf "Null" gefallen im Vertrieb. Weltweit peilt man eine Stückzahl von 400.000 Exemplaren an. Diese könnte künftig in hohem Maße flexibel auch elektrische Antriebe umfassen, die Produktionsstätten in Düsseldorf oder Ludwigsfelde seien darauf eingestellt, man könne sich hier also der Nachfrage anpassen, wie Dimter verspricht. Im Übrigen soll der nächste eSprinter CO2-neutral produziert werden.

Steiler Anstieg der Nachfrage bei E-Mobilität

Dimter sieht zudem auch auf dem deutschen Markt ein steiles Ansteigen der Nachfrage nach Elektroantrieben und verwies auf die Ergänzung des Portfolios aus eVito und eSprinter über den zu Anfangs priorisierten KEP-Bereich durch den eVito-Tourer mit höherer Reichweite und Package aus dem EQV. Letzteren biete man erstmals auch im angesagten "Abo-Modell" an. Zudem sei man stolz darauf, auch einen elektrisch angetriebenen und gekühlten eVito mit Kerstner-Ausbau für diese Branche anbieten zu können, und zwar im Einrechnungsgeschäft, wie Dimter betont. Auch ein elektrisch angetriebenes Rettungsfahrzeug auf eSprinter-Basis hat man mit einem Umbaupartner realisiert. Dimter sieht das "Corona-Jahr" 2020 generell auch als Durchbruch für die Elektromobilität. Man habe zudem die Händler, den Werkstattservice und alle Mitarbeiter intensiv geschult und unter den 1.100 Verkäuftern in Deutschland eine gewisse "E-Readyness" herstellen müssen, wie Dimter formuliert, um mit dem Thema wirklich bei den Kunden starten zu können.

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