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Mercedes-Benz Vans: Pick-up auf der Kippe, Citan-Nachfolge fraglich

Nach der zweiten Gewinnwarnung steht vor allem die lange Zeit äußerst erfolgreiche Van-Sparte im Fokus der Sparbemühungen, die der neue Daimler-CEO Ola Källenius vorantreiben muss. Unklar ist auch, wie es mit Renault weitergeht.

"Schöne Bescherung": Der Pick-up X-Klasse ist weltweit eher ein Ladenhüter und könnte auf der Streichliste der derzeit defizitären Van-Sparte stehen. | Foto: J. Reichel
"Schöne Bescherung": Der Pick-up X-Klasse ist weltweit eher ein Ladenhüter und könnte auf der Streichliste der derzeit defizitären Van-Sparte stehen. | Foto: J. Reichel
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Johannes Reichel

Nach der zweiten Gewinnwarnung binnen zwei Monaten hat der neue Daimler-CEO Ola Källenius neben anderen Maßnahmen auch im Geschäftsbereich Vans das Portfolio "überprüft und priorisiert", wie es heißt. Dafür seien 500 Millionen Euro aufgewendet worden. In der Branche wird schon länger spekuliert, ob der 2017 präsentierte Pick-up "X-Klasse", der am Markt nur schwer Fuß fasst und 2018 lediglich knapp 17.000 Käufer weltweit fand, wieder eingestellt wird. Der technisch vom Nissan Navara abgeleitete "offene Transporter" war bewusst "lifestylig" platziert worden und setzte mit einem Preis ab 37.000 Euro hochpreisig an. Im vergangenen Quartal liefen in dem Bereich zwei Milliarden Euro Verlust auf, die Pkw-Sparte machte 700 Millionen Euro Minus, die Lkw immerhin fuhren 500 Millionen Euro Gewinn ein. Für die Transporter erwartet der Konzern nun eine negative Umsatzrendite von Minus 15 bis Minus 17 Prozent, wo man zuvor von minus 2 bis minus 4 Prozent ausgegangen war. Insbesondere der Van-Bereich ist mit dem Modell Vito auch von den Rückrufen im Zuge des Diesel-Skandals und von dementsprechenden Rückstellungen betroffen, die sich mittlerweile auf 18 Milliarden Euro belaufen.

Kooperation mit Renault steht in den Sternen

Unklar ist generell auch, wie es in der Kooperation mit Renault bei den Transportern weitergeht. Renault hat bereits einen Nachfolger des Kangoo, den man für Daimler im Auftrag als Citan im Werk Maubeuge fertigt, angekündigt, der im nächsten Jahr auf den Markt kommen soll. Ob Daimler den City-Van weiter übernimmt, wurde noch nicht kommuniziert, ist aber ebenso fraglich, wie die weitere Belieferung mit der Frontantriebseinheit für den Kompaktvan Vito, die bisher vom Renault Trafic übernommen wurde. Dieser erhielt jüngst eine Modellpflege, bei der der abgastechnisch umstrittene, auch an Daimler gelieferte 1,6-Liter-DCI-Motor ersetzt wurde durch ein 2,0-Liter-Aggregat.

Speziell in der Van-Sparte fallen neben der teuren Umstellung auf die Euro6-d-Temp-Norm, die eine vorzeitige Ablösung des OM651-2,2-Liter-Diesel-Motors erforderlich machte, auch hohe Aufwendungen für den Hochlauf der Elektro-Flotte auf. Neben dem eVito Kasten folgt in diesem Jahr die Kombi-Version des Vito sowie eine vollelektrische Variante der V-Klasse, die mit einem 100-kWh-Akku auch für Mittelstreckeneinsätze bis zu 400 Kilometer Distanz geeignet sein soll und die zur IAA Pkw im September in Serie geht. Außerdem startet der eSprinter, der ebenfalls noch für 2019 avisiert war. Alleine die Entwicklung der neuen Sprinter-Reihe inklusive Elektro-Variante beanspruchte 2,5 Milliarden Euro an Investitionen, auch in die Modernisierung der Werke in Ludwigsfelde und Düsseldorf.

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