Mercedes-Benz Vans: Weltweit ausgerichtet, konventionell angetrieben

Mit einer verstärkten Ausrichtung auf globale Märkte, insbesondere die USA, will der schwäbische Van-Hersteller seine Abhängigkeit von Europa verringern. Und setzt dabei auf Verfeinerung konventioneller Technik statt auf Alternative Antriebe.
Johannes Reichel

"Wir können Alternative Antriebe. Aber solange es sich nicht rechnet, setzten wir auf die Verfeinerung des konventionellen Dieselantriebs. Und auf den weltweiten Vertrieb unserer Produkte" - so gab Mercedes-Benz-Vans-Chef Volker Mornhinweg beim einem Pressegespräch in Stuttgart die Richtung für das laufende und die nächsten Jahre vor. Er verwies dabei auf ein erfolgreich abgeschlossenes Jahr 2014, in dem die Transporter-Sparte im Daimler-Konzern die 10-Milliarden-Marke beim Umsatz durchbrochen und mit 295.000 verkauften Fahrzeugen eine neue Bestmarke gesetzt habe. Neun Prozent mehr an leichten Nutzfahrzeugen hätten die Mercedes-Benz-Verkäufer damit losgeschlagen und das "trotz eines weltweit sehr uneinheitlichen Marktumfelds", wie Mornhinweg betonte. Er sah in den positiven Zahlen zugleich eine Bestätigung der Internationalisierungsstrategie "Mercedes-Benz Vans goes global". Man verkaufe weltweit immer noch viermal mehr Transporter in der Sprinter-Klasse als ein deutscher Wettbewerber, setzte Mornhinweg eine Spitze gegen die ambitionierte Konkurrenz. Damit das so bleibe, wolle man weiter investieren: Neben der 450-Millionen-Euro-Modernisierung der Werke Düsseldorf und Ludwigsfelde im Zuge des Modellwechsels zum nächsten Sprinter, soll vor allem in den USA ein komplett neues Werk entstehen. Mit dem Aufbau der 500 Millionen US-Dollar teuren Produktionsstätte in Charleston wolle man den schnell wachsenden US-Markt besser und vor allem günstiger bedienen. Schon heute sei dieser nach dem deutschen Markt das zweitgrößte Absatzfeld für den Sprinter. Mit dem Wachstum in den USA will Daimler aber natürlich auch die wegfallenden Stückzahlen der Auftragsfertigung des VW Crafter kompensieren, den VW Nutzfahrzeuge ab 2016 als eigenständiges Produkt in einem neuen Werk in Polen fertigt.Vor kurzem gab Daimler auch die Einführung des Vito mit Vierzylinder-Otto-Motor unter dem Namen Metris in den USA und Lateinamerika bekannt. In diesem Zusammenhang sprach sich Mornhinweg auch für die Umsetzung des Freihandelsabkommens TTIP zwischen Europa und den USA aus: "Wir entwickeln im Hinblick auf Abgasnormen und Sicherheit derzeit eigentlich fast zwei Modelle, eine Euro- und eine US-Version. Es wäre schön, wenn diese mäßig sinnvolle Doppelung ein Ende hätte", formulierte der Vans-Chef.

Einstweilen bleibt aber Europa der wichtigere Markt, wo Mercedes-Benz Vans mit Ausnahme von drastischen Verkaufsrückgängen in Russland durch die Bank zulegen konnte und jetzt nach eigenen Angaben mit 18 Prozent Anteil Marktführer bei mittleren und schweren Transportern ist. Der neue Vito sei gut in den Markt gestartet, so Mornhinweg, vor allem die Frontantriebsvariante - mit Antrieb von Renault - sowie der Allrad erfreue sich großer Beliebtheit, gab der Mercedes-Vans-Chef eine erste Momentaufnahme. Die Verfeinerung der Diesel-Technik und der Spritspartechnologien im Rahmen des Labels "Blue Efficiency" hätten dabei die Kunden überzeugt, sodass die Argumente für teure Alternative Antriebe ein Stück weit schwächer geworden seien. "Wir beherrschen die alternative Technik, das hat der Vito E-Cell hinreichend bewiesen. Und die anfängliche Euphorie bei Kunden und Politik war ja auch vielversprechend. Aber solange hier keine größere Nachfrage kommt, warten wir ab, wie sich auch die Randbedingungen entwickeln", skizzierte Mornhinweg und spielte auf etwaige staatliche Unterstützung der Elektromobilität an. Ob die freie Benutzung von Busspuren jetzt den Durchbruch bringe, vermöge er nicht zu sagen. Einen Plug-In-Hybrid, wie zuletzt in Genf für das Pkw-Pendant V-Klasse als Studie vorgestellt, dürfte es für den Vito auf absehbare Zeit aber nicht geben. Wenig Rückenwind sieht Mornhinweg derzeit auch beim Thema Erdgas, wo nicht zuletzt in den USA das Interesse nach anfänglicher Goldgräberstimmung erlahmt sei. Man entwickle gleichwohl alternative Antriebe weiter und sei da, wenn es einen Markt gebe, versicherte Mornhinweg.

Kostenbewusst zeigte sich der Chef der Transporter-Sparte des Daimler-Konzerns auch im Hinblick auf Kooperationen: Man prüfe hier, wo der Austausch von Modulen Sinn mache, wie etwa beim Frontantrieb des Vito oder beim City-Van Citan, in der Basis ein Renault Kangoo. Mit dessen Verkäufen sei man im Übrigen zufrieden, der Marktanteil betrage gut sieben Prozent. Man sehe daher keinen Anlass, in diesem Bereich aktuell tätig zu werden, so Mornhinweg. Für noch kleinere Fahrzeuge sehe er aus Daimler-Sicht keinen Markt, da dann die innenstädtische Belieferung ineffizient werde, erklärte Mornhinweg.

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