Modelogistik: Wer passend kauft, braucht nicht retournieren

Ein Gastbeitrag von Sabine Steinhardt von MySize Inc. anlässlich des B+S E-Commerce BBQ.

Mit der "My Size ID"-App kann man auf einem Smartphone die eigenen Maße nehmen. | Bild: MySize
Mit der "My Size ID"-App kann man auf einem Smartphone die eigenen Maße nehmen. | Bild: MySize
Tobias Schweikl

Gerade durch die Corona-Pandemie hat sich das Kaufverhalten der Menschen verändert. Aus den uns allen bekannten Gründen sogar maßgeblich. Der E-Commerce sichert hierbei immer mehr die Versorgung der Menschen, getragen von der Logistik, die im Hintergrund all die Waren im Lager bewegt, kommissioniert und auf der Straße, durch Luft, zur See transportiert. Ein ganz entscheidender Faktor ist dabei? Die Retoure.

Sie kennen das bestimmt auch: Sie stöbern – oder besser gesagt – surfen online durch die Einkaufswelt der verschiedenen Onlinehändler und bleiben beim Bereich Fashion hängen. Zum Glück – für Sie und den Händler – finden Sie einige schöne Stücke am virtuellen Kleiderbügel. Nur unpraktisch, dass jedes Label eigene Größen hat und Sie das Ganze nicht anprobieren können. Also bestellen Sie eifrig verschiedene Größen, um die Auswahl zu haben und sich die Umkleidekabine nach Hause zu holen. Was in einem Ladengeschäft entweder Sie selbst oder die Verkäuferin, der Verkäufer übernehmen – nämlich die nicht gekauften Waren wieder auf den Ständer hängen – übernimmt für Sie zu Hause die Retoure. Sie ist in sehr vielen Fällen kostenlos oder für schmales Geld zu haben. Einfach Rücksendelabel ausdrucken, auf das Paket kleben und zurückschicken. Aber sind wir mal ehrlich: Für Sie als Kundin oder Kunde ist das nicht befriedigend. Es gibt dabei noch andere Faktoren zu berücksichtigen.

Die Herausforderung

Denn hier treffen wir auf ein Problem, das uns tief hinter die Kulissen der Logistik hinter dem E-Commerce führt. Wir haben es oben eingeführt. Die Logistik sichert die Grundversorgung von Handel, Industrie und Gesellschaft und bewegt den E-Commerce.  Für die Konsumentin oder den Konsumenten ist nach dem Click auf den Bestellbutton meistens vor dem Zurücksenden. Denn allein durch die Bestellung löst er oder sie einen umfangreichen logistischen Prozess aus. Die Retoure vervielfältigt den Aufwand für Logistik und Handel immer.

Ist die Zustellung der Ware eine Bestätigung für einen erfolgreichen Verkauf, steckt in der Retoure vor allem Potential für Verbesserung. Jede Retoure, die nicht in Anspruch genommen wird, spricht für ein noch besseres Verkaufsergebnis. Im Umkehrschluss belastet jede Rücksendung die Supply Chain, verursacht Kosten, verringert Margen und ist letztlich auch ökologisch nicht nachhaltig. Jedes Stück muss neu verpackt werden.

Übrig bleibt Müll. Jeder Transport bedeutet zusätzliche Emissionen. Zudem wird die Retourenquote immer mehr zu einem Bewertungsstandard in der Beziehung zwischen Händler und Lieferanten. Da kann der Verkauf noch so super laufen, wenn er Retouren nach sich zieht, heißt das: entweder die Retourenquote zu verbessern oder finanziellen Verlust auszugleichen. Das kann kleine Unternehmen, die etwa nur Waren an den Handel verkaufen und die gar nicht die Manpower haben, Produkte vom Händler zurückzunehmen, an die wirtschaftliche Belastungsgrenze führen.

Die Lösung steckt im Digitalen

Fast 80 Prozent aller Rücksendungen im Fashionbereich hängen damit zusammen, dass Menschen Dinge in einer falschen oder in mehreren Größen bestellt haben. Mangelnde Qualität und Produktionsfehler spielen eine untergeordnete Rolle. Ziel muss es also sein, die Konsumenten beim Kauf zu unterstützen, indem man ihnen zeigt, welche Größen beim jeweiligen Label der Wahl bestellt werden sollten. Damit es passt. Hier gibt es verschiedene Anbieter – beispielsweise MySize. Wir haben mit der My Size ID-App eine Applikation entwickelt, mit der einfach auf einem Smartphone jede und jeder die eigenen Maße nehmen kann. Über einen Algorithmus sind diese Daten dann direkt mit den bei uns hinterlegten Größentabellen der Fashionhersteller und Label vergleichbar. Ebenso funktioniert das – ohne Smartphone – auch über unser Widget, das wir bei Kunden in deren Onlineshops implementiert haben. Mit dem gleichen Effekt:

Wir gehen davon aus, dass Anbieter ihre Retourenquote um bis zu 50 Prozent verringern können, wenn sie den Kunden schon bei der Bestellung ein Tool zur Einordnung von Kleidergrößen anbieten können. Zudem erhöht das das persönliche Einkaufserlebnis der Kunden und bindet deren Kaufkraft.

Technik macht es möglich

Es gibt umfangreiche technische Möglichkeiten, die die Kunden im B2C-Bereich nutzen können, um Retouren und Verpackungsmüll zu reduzieren. Gleiches gilt auch im B2B-Bereich, wo App-Lösungen den Paketzustellmarkt mit Messtechniken unterstützen. Letztlich ist aber ein Umdenken in allen Bereichen gefragt. Wir brauchen bei den Kunden Sensibilität für die Tatsache, dass jeder einzelne logistische Schritt in der Lieferung Ressourcen verbraucht und im Endeffekt nicht kostenlos sein kann. Auch im Handel muss sich der Mut durchsetzen, nicht nur offensiv mit Qualität, fairen Preisen, sondern auch mit Nachhaltigkeit zu werben. Die gibt es nicht umsonst. Letztlich machen wir die Supply Chain nur grüner, wenn alle Dialoggruppen ihrer Verantwortung gerecht werden.

Ausblick

Zu diesem und vielen weiteren spannenden Themen rund um Onlinehandel und Logistik findet am 3. September wieder das E-Commerce BBQ des Logistikdienstleisters B+S statt. In spannenden Key-Notes und Vorträgen über die verschiedenen Anknüpfungspunkte entlang der Supply Chain für den Onlinehandel werden sich Fachleute und Gäste von B+S austauschen. Wo könnte das besser passen als am E-Commerce-Logistik-Standort von B+S in Bielefeld. Beim entspannten Get-together mit Speisen vom Grill und kühlen Getränken können dann Standpunkte vertieft werden.

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