Neste: Kraftstoffe aus Abfällen mit großem Potenzial für Lkw-Fuhrparks

Wenig beachtet, aber mit viel Potenzial: Die Kraftstoffproduktion aus Abfallreststoffen soll bei dem finnischen Mineralölkonzern stark wachsen. Spezielle Verfahren erschließen selbst minderwertige Quellen und sind auch für ÖPNV- oder Lkw-Fuhrparks interessant. Verfahren deutlich effizienter als E-Fuels.

Der Zug zum Flug: Lkw lassen sich mit Renewable Diesel betreiben, Flugzeuge mit SAF-Kerosin, sodass eine emissionsarme Kette entsteht. | Foto: Neste
Der Zug zum Flug: Lkw lassen sich mit Renewable Diesel betreiben, Flugzeuge mit SAF-Kerosin, sodass eine emissionsarme Kette entsteht. | Foto: Neste
Redaktion (allg.)
(erschienen bei VISION mobility von Johannes Reichel)

Die finnische Neste Corporation hat vor kurzem die endgültige Investitionsentscheidung getroffen und will massiv in die Produktionskapazität für erneuerbare Produkte am Standort Rotterdam investieren. Die Entscheidung fiel vor dem Hintergrund der deutlich steigenden Nachfrage nach erneuerbaren Produkten, die bedingt ist durch die höheren Klimaziele der Kunden. Die aktuelle Produktionskapazität von Neste für erneuerbare Produkte in Rotterdam sei mit 1,4 Millionen Tonnen die größte in Europa. Durch die Investition in den Ausbau der Raffinerie in Rotterdam in Höhe von etwa 1,9 Mrd. EUR werde die Gesamtproduktionskapazität von Neste für erneuerbare Produkte um 1,3 Mio. Tonnen jährlich erhöht. Für den Standort Rotterdam bedeute dies, dass seine Produktionskapazität für erneuerbare Produkte auf insgesamt 2,7 Mio. Tonnen jährlich steigt, wobei hiervon 1,2 Mio. Tonnen auf nachhaltigen Flugzeugtreibstoff (SAF) entfallen werden. Das Unternehmen beabsichtigt, die neue Produktionsanlage in der ersten Hälfte 2026 in Betrieb zu nehmen.

„Die Investition in die Erweiterung unserer Raffinerie in Rotterdam stärkt unsere Position als Weltmarktführer bei erneuerbaren Produkten. Sie markiert außerdem einen wichtigen Schritt, was die Sicherstellung unserer zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit und die Umsetzung unserer Wachstumsstrategie im Bereich der erneuerbaren Produkte betrifft, da wir hierdurch erneuerbaren Diesel, SAF und erneuerbare Rohstoffe für die Produktion von Polymeren und Chemikalien in großen Mengen für unsere nachhaltigkeitsorientierten Kunden bereitstellen werden“, erklärt Matti Lehmus, Präsident und CEO von Neste.

Diese Investition werde -wettbewerbsvorteile, die auf der weltweiten Optimierung der Produktion und des Einsatzes von Abfällen und Reststoffen als Rohstoffe basieren, noch verstärken, glaubt Lehmus. Mit der firmeneigenen NEXBTL-Technologie sei man sehr flexibel und können viele verschiedene minderwertige Abfälle und Reststoffe zu hochwertigen erneuerbaren Produkten verarbeiten, wirbt Lehmus weiter. Die neue Produktionslinie werde – zusammen mit der Erweiterung am Standort Singapur – in Bezug auf die Energieeffizienz und den flexiblen Rohstoffeinsatz die Beste ihrer Art sein, glauben die Finnen.

    Gesamtkapazität wird deutlich ausgebaut

    Die weltweite Produktionskapazität von Neste für erneuerbare Produkte liegt derzeit bei 3,3 Mio. Tonnen jährlich. Durch das laufende Expansionsprojekt in Singapur und das Joint Venture mit Marathon in Martinez, Kalifornien, dessen Abschluss noch aussteht, werde die Gesamtproduktionskapazität für erneuerbare Produkte bis Ende 2023 auf 5,5 Millionen Tonnen erhöht. Somit sei das Unternehmen dann der einzige globale Anbieter von erneuerbaren Kraftstoffen und erneuerbaren Rohstoffen für die Polymer- und Chemikalienproduktion mit Produktionsstandorten auf drei Kontinenten. Nach Abschluss des Expansionsprojekts in Rotterdam soll die Produktionskapazität des Unternehmens bis Ende 2026 nochmals auf insgesamt 6,8 Mio. Tonnen steigen.

    Diesel aus Reststoffen darf im ÖPNV eingesetzt werden

    Neste produziert einen erneuerbaren Dieselkraftstoff aus Rest- und Abfallstoffen, der seit Sommer auch im ÖPNV oder Nutzfahrzeugfuhrparks eingesetzt werden kann und darf („Neste MY Renewable Diesel“) – eine Lösung, um Flotten sofort und umweltfreundlich zu dekarbonisieren, wie man wirbt. Zuvor war das in Deutschland den Off-Road-Anwendungen vorbehalten. Man arbeite hier an ersten Kooperationen, heißt es aus dem Unternehmen. Darüber hinaus erhielt Neste jüngst die Zusage für eine Förderung des EU-Innovationsfonds für chemisches Recycling erhalten, das dann in Richtung der Aufbereitung von Kunststoffabfällen gehen soll. Im Gegensatz zu E-Fuels sei das Verfahren energieeffizient, konstruktionsbedingt mit guter Wärmeintegration und exothermer Reaktion, wirbt der Hersteller.

    Konkrete Vorteile von Renewable Diesel laut Anbieter:

    • Der Rohstoff-Input besteht zu 92 % aus solchen Reststoffen, etwa aus gebrauchtem Speiseöl, Ölresten aus Klärschlamm oder auch Abfällen und Rückständen aus der Pflanzenölverarbeitung. Hier unterscheidet sich das Produkt, Neste MY Renewable Diesel, klar von Kraftstoffen aus Anbaubiomasse.
    • Durch die Nutzung werden die Treibhausgasemissionen der betreffenden Flotten – im Vergleich zu fossilem Diesel und über den Lebenszyklus betrachtet – um bis zu 90 % reduziert.
    • Neste MY Renewable Diesel ist für alle gängigen Dieselmotoren geeignet – eine Anpassung der Infrastruktur ist nicht nötig.
    • Die Nutzung von erneuerbaren Kraftstoffen im ÖPNV ist bereits heute erlaubt – und auf die Flottenziele anrechenbar im Sinne der Clean Vehicles Directive der Europäischen Union.
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