Neues Lenkkonzept für Gabelstapler: Alles im Griff – ohne Lenkrad

Per Joystick oder Mini-Wheel – bei Linde Material Handling können Gabelstapler künftig ohne Lenkrad gesteuert werden.

Joystick statt Lenkrad: Bei der Linde Steer Control liegt der linke Arm des Fahrers auf einer Armlehne, den Stapler lenkt er mit Bewegungen der Hand um die Kurve. | Bild: Linde MH
Joystick statt Lenkrad: Bei der Linde Steer Control liegt der linke Arm des Fahrers auf einer Armlehne, den Stapler lenkt er mit Bewegungen der Hand um die Kurve. | Bild: Linde MH
Tobias Schweikl

Im Rahmen der hauseigenen Kundenveranstaltung World of Material Handling (WoMH) hat der Flurförderzeughersteller Linde Material Handling eine neuartige, elektrohydraulische Lenkung vorgestellt, die ohne klassisches Lenkrad auskommt. Bei der „Linde Steer Control“ ruht der Arm des Fahrers auf einer Armlehne, gesteuert wird mit seiner linken Hand, wahlweise über ein integriertes Mini-Wheel oder einen Joystick. Laut Hersteller sei das Arbeiten mit dieser Ausstattungsoption entspannter, der Fahrer bleibe länger konzentriert und leistungsfähig.

„Mit der Linde Steer Control haben wir das ausgeklügelte Bedienkonzept des Linde-Staplers mit Doppelpedalsteuerung und Linde Load Control konsequent weiterentwickelt. Die Arme des Fahrers ruhen jetzt beide auf einer Armlehne. Die rechte Hand dirigiert Hubgerüst und Gabelzinken, mit der linken Hand lenkt er den Stapler um die Kurve. Auf diese Weise schaffen wir es, die Körperbewegungen weiter zu reduzieren und den Fahrer zu entlasten“, so Frank Bergmann, Produktmanager Gegengewichtsstapler. „Was sich in Baggern, Kränen, Schienenfahrzeugen oder Flugzeugen bereits etabliert hat, könnte in Zukunft auch in Flurförderzeugen immer häufiger zum Einsatz kommen und sich zum Branchenstandard entwickeln.“

Die Linde Steer Control basiert auf der Steer-by-Wire-Technologie. Steuerungsbefehle des Fahrers werden in elektrische Signale umgewandelt und an hydraulische Stellelemente weitergeleitet. Ein Sicherheitskonzept garantiere die Ausfallsicherheit der Fahrzeugsteuerung.

Mit der elektrischen Ansteuerung der Räder ergäben sich neue funktionelle Möglichkeiten: Beispielsweise könne der Staplerfahrer sein Arbeitsgerät damit präziser steuern, da die Lenkung in Abhängigkeit von der Fahrzeuggeschwindigkeit mehr oder weniger empfindlich reagiere. Fährt der Stapler schneller, muss das Mini-Wheel stärker gedreht bzw. der Joystick weiter zur Seite geneigt werden, um einen bestimmten Lenkausschlag der Räder hervorzurufen. Drosselt der Fahrer die Geschwindigkeit des Staplers, hat dieselbe Handbewegung einen stärkeren Lenkausschlag zur Folge.

Für die klassischen Alltagsanwendungen eines Staplers – Streckentransporte, Manövrieren oder Ein- und Auslagerungsprozesse – empfiehlt Hersteller Linde MH das Mini-Wheel.

„Wegen der Analogie zum Lenkrad beobachten wir eine steilere Lernkurve“, begründet Bergmann.

Dafür verfüge der Joystick über eine weitere Besonderheit, die sich bei bestimmten Einsatzfällen positiv bemerkbar machen könne: Lässt der Fahrer das Bedienelement los, drehen sich die Lenkräder automatisch in Geradeausstellung.

„In Blocklagern mit langen, engen Gassen, wo sich rechts und links Getränkekisten oder Papierrollen türmen, ist das ausgesprochen hilfreich“, erläutert Frank Bergmann.

Um die ergonomischen Vorteile der Linde Steer Control zu evaluieren, führte Linde MH im Frühjahr dieses Jahres gemeinsam mit der RWTH Aachen und der fka GmbH eine Nutzerstudie durch. Im Fokus stand die Frage, inwieweit die neuen Lenkkonzepte die Körperbewegungen des Fahrers verringern und zu einer reduzierten Belastung von Arm und Schulter führen. Die Probanden im Alter zwischen 19 bis 67 Jahren besaßen zum Zeitpunkt der Untersuchung seit mindestens drei Jahren ihren Staplerführerschein und nutzten den Stapler von Berufs wegen täglich.

Mit einer Spezialkamera wurde der Bewegungsradius von Schulter, Ellenbogen und Handgelenk aufgenommen und anschließend analysiert. Das Ergebnis: Sowohl Mini-Wheel als auch Joystick verursachen im Vergleich zum konventionellen Lenkrad weniger Gelenkbewegungen in Schulter und Ellenbogen.

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