Neues Warehouse-Management-System: Multichannel-Logistik bei Hammer Advanced Logistics

Am neuen Logistik Campus von Hammer in Eschweiler sorgt ein mehrmandantenfähiges Warehouse Management System für eine schnelle, fehlerfreie und effiziente Abwicklung des Omnichannel-Fulfillment.

Im Bereich der Lagerverwaltung und Materialflusssteuerung setzte Hammer im LCE nicht zum ersten Mal auf das Warehouse Management System (WMS) „pL-Store“ der proLogistik GmbH + Co KG. | Bild: proLogistik GmbH + Co KG
Im Bereich der Lagerverwaltung und Materialflusssteuerung setzte Hammer im LCE nicht zum ersten Mal auf das Warehouse Management System (WMS) „pL-Store“ der proLogistik GmbH + Co KG. | Bild: proLogistik GmbH + Co KG
Tobias Schweikl

Der Logistikdienstleister Hammer GmbH & Co. KG mit Stammsitz in Aachen betreibt zusammen mit der Hammer Group und weiteren Partnern seit mehr als 70 Jahren ein globales Netzwerk in über 25 Ländern. Das Leistungsspektrum reicht von nationalen und europäischen Landverkehren auf Basis einer eigenen Fahrzeugflotte über Luft- und Seetransporte mit eigenem Zolllager, voll überwachten Sicherheitstransporten, Silo- und Schüttguttransporten bis hin zu Schwer- und Anlagentransporten sowie Osteuropaverkehren.

Am neuen Logistik Campus von Hammer in Eschweiler wurde nun ein mehrmandantenfähiges Lager für das Omnichannel-Fulfillment errichtet. Damit will der 3PL-Provider die kanalübergreifenden Versorgungskonzepte seiner Kunden unterstützen.

„Wir wollen weiter wachsen und haben daher in den Bau des Logistik Campus Eschweiler – kurz LCE - investiert“, berichtet Tim Wilhelm Hammer, Head of Logistics. „Dort stehen auf mehr als 105.000 m² nun hinreichend Kapazitäten zur Verfügung, die immer anspruchsvolleren Bedürfnisse unserer Stammkunden zu erfüllen und auch neue Mandanten hinzuzugewinnen.“

Im Bereich der Lagerverwaltung und Materialflusssteuerung setzte Hammer im LCE nicht zum ersten Mal auf das Warehouse Management System (WMS) „pL-Store“ der proLogistik GmbH + Co KG. Die Zusammenarbeit mit dem Dortmunder Intralogistiksystemhaus startete bereits 2008 mit der Einführung der Standardsoftware in Pullheim.

In der Folgezeit haben die Partner im Rahmen eines fortwährenden Anpassungs- und Optimierungsprozesses weitere Niederlassungen aufgeschaltet und Abläufe digitalisiert sowie den Funktionsumfang des WMS stetig aufgestockt, unter anderem durch Applikationen für die Abwicklung von Value Added Services (VAS).

Das LCE ist somit ein weiterer Meilenstein der langjährigen Kooperation. Im ersten Quartal 2020 fiel der Startschuss zur Anbindung des automatischen Kleinteilelagers (AKL) mit 24.720 Behälterstellplätzen sowie der kundenseitigen Shop-Systeme an das pL-Store-WMS. Rund sechs Monate später erfolgte der Go-Live. So konnten bereits ab dem vierten Quartal 2021 installierte Sonderprozesse zur Abwicklung des online generierten B2C-Bestellaufkommens in der einsetzenden Peak-Saison gefahren werden. Bei deren Auslegung standen insbesondere Tempo und Null-Fehler-Toleranz im Bereich der Kommissionierung im Mittelpunkt.

Eindeutige Etikettierung von Anfang an

Seit Inbetriebnahme des LCE legt das pL-Store-WMS unter anderem mit einer eindeutigen Etikettierung auf Basis einer Ladeträger-Ident-Nummer bereits im Wareneingang den Grundstein für eine folgerichtige Steuerung der sich anschließenden Materialflüsse. Die Vereinnahmung erfolgt über GS1-Label, als auch über sonstige Ladeträger IDs. Dabei werden auch Chargen, Serien-Nummern sowie Mindesthaltbarkeitsdaten (MHD) erfasst.

Unter Berücksichtigung von Abmessung, Gewicht und ABC-Klassifizierung definiert die Software unter Plausibilitätskriterien nachfolgend automatisch die jeweils ideale Lagerplatzzuordnung, sodass auch die Lagerflächen und -kapazitäten bestmöglich genutzt werden. Die Einlagerung erfolgt bedarfsgesteuert in die Kommissionier- und Reservebereiche.

Dank der gewonnenen Bestandstransparenz entfallen Suchzeiten bzw. Laufwege in den manuellen Lagerzonen und integrierte Strategien für den Einlagerungsprozess im Schmalganglager sorgen dafür, dass keine überflüssigen Gangwechsel mehr anfallen und die Lastverteilung für die Auslagerung ausbalanciert ist.

Ware wird vermessen und gewogen

Im Wareneingang des automatischen Kleinteilelagers (AKL), in dem 30 Shuttles über 20 Ebenen fahren, wird die Ware vermessen, gewogen und in das WMS aufgenommen. Bei der Verteilung auf die Behälter bestimmt die Lagersoftware durch eine exakte Füllmengenberechnung anhand von Gewicht und Größe automatisch die optimale Menge pro Box. Durch eine intelligente Vorplanung der Einlagerung wird zudem die Nachschub-Bedarfsmenge unter Berücksichtigung aller aktiven Aufträge automatisch organisiert, sodass auch die Kapazitäten des AKL optimal genutzt werden.

Durch Abbildung des Shuttle-Lagers in pL-Store sind neben den integrierten Wareneingangsstationen inkl. Gewichtskontrolle und Fehlerrampe auch angeschlossene Module wie Lifte, Stetigförderer, Fördertechnik-Loops, fünf Ware-zur-Person-Pick-Plätze, der Sorter für die konsolidierte Auslagerung sowie 13 über Behälter- und Kartonfördertechnik angebundene Pack-Stationen im WMS abgebildet. Limitierungen waren bzw. sind ausgeschlossen, da die Lagerverwaltungssoftware von proLogistik technologie- und herstellerunabhängig konzipiert ist.

Nach Auftragseingang initiiert pL-Store den Transport der Waren aus dem AKL über die autonomen Shuttles zu den Kommissionierplätzen. In der vom WMS berechneten, sinnvollsten Reihenfolge werden die nach ergonomischen Kriterien ausgestalteten Arbeitsstationen laufend mit angeforderten Behältern versorgt.

Deren Rückführung startet unmittelbar nach Entnahme der Artikel, sodass ein konstanter und zugleich effizienter sowie zeitsparender Ablauf gesichert ist. Die Kalkulation erfolgt nach dem Multi-Order-Prinzip über alle anstehenden Aufträge. Ziel dabei ist unter anderem, mit einem angeforderten Behälter ein Maximum an Bestellungen bedienen zu können. Auch diese Optimierungsstrategie spart wertvolle Zeit und Kosten. Zudem besteht die Möglichkeit, direkt in Versandkartons zu kommissionieren (Pick & Pack), wobei hier ebenfalls die Füllmengenberechnung greift, sodass stets eine passgenaue Verpackung zur Verfügung steht.

Optimierte Prozesse

Das WMS führt sowohl die Werker als auch die Mitarbeitenden an den Packstationen nutzerfreundlich durch den gesamten Prozess, meldet abgeschlossene Aufträge direkt beim KEP-Dienstleister und generiert das jeweilige Versandetikett. Anhand der im System vorab bekannten Transporte bestimmt pL-Store zudem einen geeigneten Platz im Warenausgang. So ist auch dort eine strukturierte Flächennutzung gewährleistet.

Um große Mengen an Einzelaufträgen aus dem B2C-Geschäft effizient und zeitsparend bearbeiten zu können, lässt sich im Bedarfsfall der klassische Kommissionier- und Verpackungsprozess überspringen. Die Ware wird über eine Schnittstelle von einem Online-Shop-System bei Auftragsfreigabe direkt reserviert.

Das WMS erzeugt die entsprechenden Transportaufträge und spielt sie auf die mobilen Datenerfassungsgeräte (MDE) auf. In Folge werden die Paletten im Lager aufgenommen, in die Warenausgangszone transportiert, dort mittels PID quittiert und stehen so umgehend für die Entnahme der Waren und die Versandabwicklung bereit.

Auch in diesem Fall erfolgen die Anmeldung beim KEP-Dienstleister sowie die Erzeugung des Versandlabels inkl. Tracking-Nummer automatisiert. Gleiches gilt für abgeschlossene Aufträge im Bereich der Value Added Services (VAS), wo einzelne Artikel nach individueller Vorgabe zu Sets zusammengestellt und in Verkaufskartons gepackt werden. So lassen sich auch diese Einheiten auf schnellstem Wege an Händler oder Endkunden verschicken. Den Abschluss eines jeden Auftrags meldet pL-Store in Echtzeit an das ERP sowie die kundenseitigen Shop-Systeme.

„Mit dem neuen Logistik Campus in Eschweiler und durchgängig digitalisierten Prozessen sind wir heute in der Lage, Multi-Channel-Konzepte unserer Mandanten operativ optimal umsetzen zu können. Das bedeutet auch, dass wir Peaks wie dem Black Friday oder den Cyberwochen gelassen entgegensehen“, fasst Tim Wilhelm Hammer zusammen. „Auch wachsende und wechselnde Ansprüche lassen sich dank des Warehouse Management Systems von proLogistik, dessen Funktionsumfang 3PL-Spezifika vollumfänglich abdeckt, jederzeit flexibel umsetzen.“

Flexibilität ist auch bei weiterer Expansion gewahrt, da die Software skalierbar ist. Angedacht sind die Entwicklung eines digitalen Zwillings des LCE sowie durch künstliche Intelligenz (KI) weiter optimierte Lieferketten. Das in pL-Store enthaltene Simulations-Tool „pL-Sim“ kann helfen, entsprechende KI-Lösungsansätze zu emulieren, zu bewerten und weiterzuentwickeln.

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