Nufam 2015: Die komplette Nutzfahrzeug-Palette

Die Süd-West-Messe zeigt sich 2015 umfassender denn je. Alle großen Lkw-Hersteller vertreten, etliche Aufbauten und Zubehör. Noch bis Sonntag läuft die Schau.
Großer Bahnhof: Schicke Trucks gehören dazu, aber das Geschäft steht im Zentrum auf der Nufam, die noch bis zum Sonntag läuft. / Foto: J. Reichel
Großer Bahnhof: Schicke Trucks gehören dazu, aber das Geschäft steht im Zentrum auf der Nufam, die noch bis zum Sonntag läuft. / Foto: J. Reichel
Johannes Reichel

Zum Beispiel Dako - für den Software-Anbieter ist es mittlerweile selbstverständlich geworden, auf der Messe im Südwesten präsent zu sein. „Über den Magneten der Nutzfahrzeugschau erreichen wir hier prima unsere Kundschaft. Neben der Transport-Logistik ist das für uns ein echtes Muss“. Häufig seien es Bestandskunden, die sich über bestimmte Details informieren wollen. „Man spricht hier wunderbar auf den Punkt, die Leute wissen was sie wollen, fast alles fachkundiges Publikum“, erzählt Vertriebsmann Paul Sitowski. Der nach einem ordentlichen Donnerstag, einem traditionell ruhigeren Freitag mit einer hohen Gesprächsfrequenz am Samstag rechnet. Und sich freut, dass er Bestandskunden öfter von Upgrades oder Erweiterungen überzeugen kann - mithin auf der Messe gute Geschäfte macht.Dass das Thema Telematik auf der Nufam zieht, zeigt sich auch am eigens eingeführten „Telematiktag“, der sich von Fahrzeugdiebstahl bis zum „SMS-schreibenden Kühltransporter aufspannt.

Während man aus der Software- und Telematikschiene zahlreiche Anbieter findet, verwundert einen im ersten Moment die Präsenz von Staplerhersteller Jungheinrich. Die Hamburger Zentrale hat den Auftritt forciert, personell greift man aber auf die lokale Vertriebsmannschaft zurück. „Natürlich ist das hier unsere Zielgruppe, Spediteure, meist die Firmen- oder Fuhrparkchefs, die interessieren sich selbstverständlich auch für Lagertechnik“, erklärt ein Vertreter. Klar, dass man sich auch freut, die Intralogistikbühne komplett für sich zu haben. „Die Konkurrenz schläft nicht und es ist schön, hier vielleicht einen Zacken voraus zu sein“, so der Jungheinrich-Mann. [pagebreak]

Einer von den komplett erschienenen Lkw-Herstellern ist dagegen DAF in Unterstützung des lokalen EBB Truck Center Heilbronn, aber die Holländer grenzen sich dennoch ab. „Wir haben hier mehr Exponate und Fläche als auf der IAA“, verdeutlicht Sprecher Max Franz die Bedeutung der Süd-West-Messe für den Hersteller. Nicht nur mit 17 hauseigenen Fahrzeugexponaten, sondern auch mit Probefahrten im Freigelände versucht man Kunden für die Marke zu begeistern. Lanciert wird auch ein neues Package „DAF Transport Efficiency“, das der Hersteller nicht nur als Fahrzeug-bezogene Technik-Optimierung, sondern als ganzheitlichen Ansatz bis hin zur Fahrerschulung verstanden haben will. Nichtsdestotrotz ist man stolz auf die eher heimlich eingeführten weiteren Verbesserungen der Effizienz, die die neuen Modelle auszeichneten.[pagebreak]

Auch bei Iveco trumpft die lokale Nutzfahrzeugvertretung Süd-West groß auf: Mit dem neuen Eurocargo, jüngst in Turin vorgestellt, feiert sogar ein Fahrzeug eine Art Messepremiere. Auch den neuen Daily als CNG-Version hat der italienische Hersteller im Gepäck. Allerdings trifft auf sehr verhaltene Nachfrage. „Ich verstehe das nicht, der CNG-Motor ist eine Wucht, Charakter wie ein Diesel, niedrige Emissionen und Geräusche, interessante Spritkostenvorteile. Aber wir bekommen kaum Nachfrage nach dem Fahrzeug“, stellt ein lokaler Vertriebsmann nüchtern fest. Er vermutet, stark angespannte Budgets und niedrige Margen bei seinen Kunden als Ursache. „Dann kauft man eben doch konventionell“, meint er. Zum Elektro-Daily gab es übrigens erst eine einzige Anfrage in der Niederlassung, die sich bei Darlegung der Kosten aber schnell wieder erledigt hatte.[pagebreak]

Ähnlich wie Iveco handhaben Scania und Daimler, die über Martin Knirsch bei ersteren und über S&G Automobil große und mit zahlreichen Aus- und Aufbauherstellern kombinierte Flächen in der dm-Arena abwechslungsreich bespielen. Originell etwa Daimlers „Sterne-Kochbuch“, das mit Live-Vorführung vorgestellt und vorgekostet wurde. Vorgestellt wurde auch die Telematik-Tablet-App Dispo-Pilot-Guide bei FleetBoard, die dem Fahrer und der Dispo das Auftragsmanagement erleichtern soll und auch die Einbindung von Subunternehmern erlaubt. Selbstredend zog auch der Unimog-Parcours die Blicke auf sich. Von den Transporterherstellern sind neben Iveco/Fiat auch Ford und Volkswagen präsent. Erstere zeigen Spezialitäten von der Stange wie einen Transit Custom mit Kühlausbau von Wükaro, den es auch für den kleineren Transit Connect und den großen Transit gibt. Letztere beweisen, dass sie in Sachen Aufbaurerintegration um Längen voraus sind. Eine Premiere feiert etwa das neue AL-KO-AMC-Chassis für den VW Transporter, das den Kompaktvan zum Kleinlaster adelt: Bis zu 4,6 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht, entsprechend auch größere Aufbauten.[pagebreak]

Auch Komponentenhersteller wie Recaro nutzten die Gelegenheit, in diesem Fall natürlich auch, weil man als Kaiserlauterer Firma natürlich lokal Flagge zeigen müsse, wie Sprecher Manfred Nickels erklärt. Einen Hingucker hat man aber in Form des mit Sattelleder bezogenen Lkw-Sitz-Topmodells im US-Country-Style auch ebenso im Gepäck wie einen ernsthaften Beitrag zum Thema gesunder Rücken. „Wir erhalten auch hier auf der Nufam häufiger Anfragen von Firmenchefs, die ihre Fahrer mit einem ordentlichen Sitz zusätzlich motivieren wollen“, erzählt Nickels. Für ihn ist das in Zeiten des Fahrermangels eine von vielen Incentives - und sicher nicht das unwichtigste. „Schließlich muss man die rar werdenden Fahrer bei guter Gesundheit halten“, meint er.[pagebreak]

Von den ebenfalls zahlreich präsenten Aufbauherstellern, allen voran Fliegl und Schwarzmüller über Spezialisten wie Dinkel, Ewers, Nooteboom, Reisch oder Müller-Mitteltal überraschte Getränkefachmann Orten mit der Ankündigung, neben dem knuffig-cleveren Elektro-Lieferfahrzeug Elci noch im Oktober das erste umgebaute 7,5-Tonner-Fahrzeug mit Elektroantrieb auf die Straße bringen zu wollen. „Wir glauben an das Thema, denken aber, dass die realistischere Option der Umbau bestehender Konzepte ist“, bringt Peter M. Orten auf den Punkt. Bei Ortens Elektro-Erstlings-Lkw handelt es sich um einen Atego 7,5-Tonner, ein 2011er-Modell, das man beim vor kurzem akquirieren Kooperationspartner EFA-S umrüsten hat lassen. Vorbild: Die gebrauchten UPS-Varios, die EFA-S ebenfalls zu Elektrofahrzeugen umgerüstet hat. Der E-Atego soll trotz schwerer Batterietechnik dank eigenkonstruiertem 6,1-Meter-Leichtbaukoffer auf dem Niveau eines konventionellen 7,5-Tonners liegen, inklusive Aufbau und Bordwand mithin 2500 Kilo. Die Nachricht, dass sich Mercedes Benz vom Vito E-Cell verabschiedet hat, nimmt Orten übrigens als Motivation und Bestätigung, dass beim Thema Elektro kleinere Hersteller als flexible und wagemutige Pioniere vorangehen müssen. Was für ein dickes Brett die Förderung der Elektromobilität ist, bestätigte übrigens auch Dr. Barbara Jörg, die für das Commercial Vehicle Cluster Südwest auf der Nufam die Fahnen alternativer Mobilität hochhielt.

Einigen Wagemut brauchte übrigens auch die Palettenkooperation EPAL für die Entwicklung der neuen Halb-Palette, die man im Rahmen einer spektakulären, das Messe-Entree bildenden, "nachhaltigen" Palettenlandschaft, EPAL-Forum genannt, präsentiert. "Gerade die Werkzeuge für die genieteten Winkel sind sehr aufwändig, da ist man schnell bei fünfstelligen Beträgen", erzählt Epal-Techniker Jens Lübbersmeyer. Bisher sei die Nachfrage nach der Palette "halb" zwar noch etwas verhalten. Aber die Epal-Sprecherin Andrea Engels ist sicher: "Das dauert einfach eine Weile, bis die Leute die Vorteile erkennen und sehen, dass man damit höhere Flexibiliät erreichen kann".Mit Polstern versehen ist die „halbe Portion“ übrigens auch bestens geeignet als wohlduftendes Sitzmöbel. Und wie aus drei Standard-Paletten ein treffliches Sofa wird, das hat Epal-Techniker Jens Lübbersmeyer ebenfalls demonstriert. „Da lässt sich sogar die Neigung der Lehne anpassen. Und zwei Leute, die sich verstehen, haben auch locker Platz“, flachst der Palettenprofi, sichtlich stolz auf das "Holz-Werk".

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