Oberleitungs-Lkw: Pilotstrecke Murgtal startet dreijährigen Test

Etwa 18 Kilometer misst die Pilotstrecke des eWayBW, vier Kilometer direkt elektrifiziert. Dort können Lkw an der Oberleitung Strom für die Fahrt ziehen und zugleich ihre Akkus aufladen.

Der Pilotstrecke im Murgtal ist 18 Kilometer lang. (Foto: Verkehrsministerium BW)
Der Pilotstrecke im Murgtal ist 18 Kilometer lang. (Foto: Verkehrsministerium BW)
Johannes Reichel
(erschienen bei Transport von Christine Harttmann)

Die feierliche Inbetriebnahme des eWayBW vollzog der baden-Württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (B90/Die Grünen) gemeinsam mit Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium. Der Güterverkehr werde mit der modernen Technik klimafreundlicher, zeigte sich Schwarzlühr-Sutter überzeugt.

„Der heutige Tag ist daher ein weiterer wichtiger Schritt für mehr Klimaschutz.“

Es müsse natürlich mehr Verkehr auf die Schiene – auch eine Herausforderung, die mancherorts an ihre Grenzen stoße, fügte die Staatssekretärin hinzu.

„Wir brauchen deshalb beides: Ausbau der Schiene und klimafreundliche Lösungen für die Straße. Oberleitungs-Lkw können eine sinnvolle Alternative werden. Oberleitungs-Lkw sind sauberer und effizienter als Lkw mit Dieselantrieb. Die leisen Laster legen viele Kilometer mit geringem Energieaufwand zurück und stoßen keine schädlichen Abgase oder Treibhausgasemissionen aus. Das bestätigen uns die Untersuchungen auf Teststrecken immer wieder.“

Erfahrungen für die Praxis

Das Bundesumweltministerium fördert daher die Entwicklung von Oberleitungs-Lkw seit vielen Jahren. Mit der Teststrecke im Murgtal sollen weitere wichtige Erfahrungen für die Praxis gesammelt und für den internationalen Austausch genutzt werden.

Landesverkehrsminister Winfried Hermann fügte hinzu:

„Wir sind alle gemeinsam gefordert den Verkehr - auch und besonders den Güterverkehr - klimafreundlicher zu gestalten. Das Projekt eWayBW hilft dabei, geeignete Lösungen für den Straßengüterverkehr zu finden. Dass der dafür verwendete Öko-Strom aus der Schwarzenbachtalsperre in Forbach kommt, ist besonders toll.“

Erstmals mit Technologievergleich

Hermann betonte darüber hinaus, dass mit dem im Projekt integrierten Technologievergleich „erstmals alle derzeit erfolgsversprechenden alternativen Antriebslösungen für schwere Nutzfahrzeuge im Realbetrieb erprobt und miteinander verglichen“ werden. Im Murgtal sollen neben dem Oberleitungs-Lkw zwei eActros als elektrische Verteiler-Lkw sowie ein Brennstoffzellen-Tuck von Nicola fahren.

Die Mobilitätszentrale Baden-Württemberg, die zum Regierungspräsidium Tübingen gehört, wird den Betrieb leiten. Dazu erklärte der Tübinger Regierungspräsident Klaus Tappeser:

„Unsere Aufgabe wird es sein, in den kommenden drei Jahren einen durchgehenden und vor allem sicheren Testbetrieb hier auf der B 462 sicherzustellen. Wir haben uns in den vergangenen Monaten auf unsere neue Aufgabe vorbereitet und sind dafür, auch dank der tollen Unterstützung durch die Projektpartner und die kommunalen Partner hier vor Ort, gut gerüstet.“

Das Pilotprojekt eWayBW ist das einzige in Deutschland, bei dem der elektrisch betriebene Oberleitungs-Hybrid-Lkw auf einer Bundesstraße betrieben wird. Die Strecke führt auf etwa 18 Kilometer durch das Murgtal bei Rastatt, vier Kilometer davon sind per Oberleitung elektrifiziert. Lkw können mit entsprechender Technik über die Oberleitungen Fahrstrom beziehen. Gleichzeitig wird eine Batterie aufgeladen, die dem Lkw eine emissionsfreie Weiterfahrt nach Beenden der Oberleitung ermöglicht. Die Testphase soll bis Juni 2024 andauern.

Ein vom Fraunhofer-Institut für System und Innovationsforschung geleitetes Forschungskonsortium begleitet das Projekt wissenschaftlich. Der Leiter des Competence Centers Energietechnologien und Energiesysteme, Prof. Martin Wietschel, führt aus:

„Die Begleitforschung bewertet die wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen und analysiert die Akzeptanz des Pilotbetriebes. Hieraus werden wertvolle Erfahrungen für die künftige Gestaltung eines nachhaltigen Straßengüterverkehrs gewonnen.“

Ziel des Pilotprojekts ist die Durchführung eines realitätsnahen elektrischen Betriebs von Oberleitungs-Hybrid-Lkw, um bisherige Erkenntnisse zu erweitern. Eine wissenschaftliche Begleitforschung wird vor allem Aspekte der Energieversorgung sowie Auswirkungen auf Lärm, Luftschadstoffe und straßenplanerische Maßnahmen untersuchen.

510.000 Tonnen Papier

Die B 462 im Murgtal wurde für das Pilotprojekt gewählt, weil auf der Strecke jährlich 510.000 Tonnen Papier im 24 Stunden und sieben-Tage-Betrieb von drei Papierherstellern in Obertsrot in ein Logistikzentrum in Kuppenheim im Rheintal gebracht werden. Damit ergibt sich pro Kalendertag die Anzahl von durchschnittlich 64 Umläufen. In Summe legt damit jeder Lkw pro Jahr rund 250.000 Kilometer im Bereich der Oberleitungen zurück. Diese Randbedingungen lassen belastbare Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt erwarten, so die Einschätzung

Die Kosten für das Projekt betragen insgesamt rund 28 Millionen Euro. Darin sind Planung, Bau und Betrieb sowie die Wissenschaftliche Begleitforschung enthalten. Mit 26,4 Millionen Euro übernimmt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) mit dem Förderprogramm „Erneuerbar Mobil“ einen Großteil der Kosten. Der Eigenanteil des Landes beträgt rund 1,6 Millionen Euro. Damit möchte sich das Land am Forschungsprojekt beteiligen und die innovative Technik mit fördern. An dem Projekt sind seitens der Transportwirtschaft die Spedition Fahrner und die Huettemann Logistics beteiligt.

Drei Strecken Deutschlandweit

Neben dem des eWayBW im Murgtal fördert das BMU bis 2024 weitere zwei Teilstrecken: Neben dem Projekt eWayBW laufen die Projekte Elisa und Fesh auf Autobahnen in Hessen und Schleswig-Holstein. Dort sind bereits seit 2019 Oberleitungs-Lkw im realen Transportbetrieb im Einsatz. Das BMU unterstützt alle drei Projekte beim Aufbau der Infrastruktur, beim Betrieb der Teststrecken sowie bei der begleitenden Forschung mit insgesamt rund 103 Millionen Euro.

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