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Paketstudie: Konsolidierte Zustellung lohnt sich nicht

Überraschendes Ergebnis: Laut einer Studie des Branchenverbandes BIEK reduziere die Gebietskonsolidierung in der Paketauslieferung weder Aufwand noch Verkehr.

Der Aufwand bei der Konsolidierung der Paketlieferungen übersteigt laut Studie den Nutzen. | Bild: Hermes
Der Aufwand bei der Konsolidierung der Paketlieferungen übersteigt laut Studie den Nutzen. | Bild: Hermes
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Tobias Schweikl
(erschienen bei LOGISTIK HEUTE von Sandra Lehmann)

Die Konsolidierung von Paketsendungen für ein Stadtgebiet führt weder zu einem geringeren Verkehrsaufkommen noch reduziert es den Aufwand oder die Zahl der Zustellfahrzeuge. Zu diesem Schluss kommt der Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK) in seiner Studie „Quantitative Untersuchung der konsolidierten Zustellung auf der letzten Meile am Beispiel zweier KEP-Unternehmen in den Städten Nürnberg und München“, die am 5. August veröffentlicht wurde. Autor der Studie ist Prof. Dr. Ralf Bogdanski, Professor für Nachhaltige Unternehmensführung und Logistik an der Fakultät Betriebswirtschaft der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm.

In der Erhebung, in der anhand realer Sendungsdaten eine Gebietskonsolidierung in den beiden bayerischen Städten untersucht wurde, wies der Autor laut BIEK nach, dass durch die Konsolidierung maximal ein Lieferfahrzeug im Zustellbetrieb eingespart werden konnte. Das entspreche einem Anteil von lediglich zehn Prozent. Dadurch, so die Studie, seien auch positive Auswirkungen auf die Verkehrssituation kaum spürbar. Darüber hinaus hätten die konsolidierten Zustelltouren kürzere Stoppdistanzen und Tourenlängen bei nur geringfügig veränderter Auslastung – infolgedessen sinke teilweise die erforderliche logistische Leistung auf den einzelnen Strecken.

Die geringen Konsolidierungsgewinne an logistischer Leistung gehen durch die dann erforderlichen Inter-Depot-Verkehre selbst bei günstigen Depotlagen ganz oder teilweise verloren, so der BIEK. Ungünstige Depotlagen führten zudem zu erheblichen Mehrverkehren – auch im Bereich der Schwerlastverkehre. Das wiederum führt dem Bundesverband zufolge zu erhöhten Transportkosten sowie zu Laufzeitverlusten in der Zustellung und Abholung von jeweils einem Tag.

Kaum Vorteile aber große Nachteile

Insgesamt werde durch dieses Vorgehen nach BIEK-Angaben die Wettbewerbsposition der KEP-Unternehmen geschwächt. Parallel zur Studie hat der BIEK nach eigenen Angaben ein Positionspapier erstellt, in dem das Konzept der konsolidierten Paketzustellung bewertet und abgelehnt wird, weil,

  • die möglichen verkehrsreduzierenden Wirkungen sehr gering sind.
  • Qualitätsverluste zu Lasten der Versender und Empfänger erheblich sind.
  • die erforderlichen Voraussetzungen hinsichtlich neuer Flächen für Konsolidierungsdepots praktisch nicht gegeben sind.
  • erforderliche Personalmehrbedarfe nicht gedeckt werden und nicht durch das bestehende Personal sozial angemessen (Arbeitszeit) aufgefangen werden können. • betriebswirtschaftliche Zusatzkosten wegen fehlender Produktivitätssteigerung nicht zu erwirtschaften sind.

Stattdessen wünscht sich der Verband nach eigenen Aussagen alternative Konzepte, die die Interaktion mit den Empfängern, Routenoptimierung, Ladezonen, Arbeitsplatzbelieferung, Mikro-Depots und Lastenräder, anbieterübergreifende Paketstationen, Paketshops und optimierte Verpackungen miteinbeziehen.

„Diese Maßnahmen und Konzepte garantieren eine effiziente und bürokratiearme Zustellung“, so der BIEK-Vorsitzende Marten Bosselmann. „Ihre Wirkungen können durch Unterstützung der Beteiligten erheblich verstärkt werden. Im Gegensatz dazu bedeutet ein Regulierungskonzept wie die konsolidierte Gebietszustellung erheblichen Verwaltungsmehraufwand für die diskriminierungsfreie Ausschreibung, Installation und Steuerung bei den Städten, ohne spürbare verkehrliche Entlastungswirkungen im gesamten Stadtgebiet.“

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