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Post-Chef stellt neue Zustellformen infrage

In einem Interview äußert Post-CEO Frank Appel seine Skepsis gegenüber der aktuellen Version des Lieferroboters PostBot, der Kofferraumzustellung oder den privaten Paketkästen. Automatisierung favorisiert er vor allem in geschlossenen Umgebungen.

Folgt wohl nicht mehr: Postchef Appel zeigte sich kritisch gegenüber neuen Zustellformen wie dem 2017 präsentierten Post-Bot. | Foto: DPDHL
Folgt wohl nicht mehr: Postchef Appel zeigte sich kritisch gegenüber neuen Zustellformen wie dem 2017 präsentierten Post-Bot. | Foto: DPDHL
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Johannes Reichel

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post DHL Group Frank Appel hat sich in einem Interview mit dem "Tagesspiegel" skeptisch über neue Zustellformen in der Citylogistik wie den PostBot, die Kofferraumzustellung, Türenöffnung per App oder die privaten Paketkästen geäußert. Diese Projekte, die vor allem noch unter dem im vergangenen Jahr überraschend geschassten Paketspartenchef Jürgen Gerdes vorangetrieben worden waren, werden dem Vernehmen nach nicht mehr prioritär verfolgt. Man habe all diese Dinge ausprobiert und getestet und derzeit für noch nicht sinnvoll erachtet, so der Tenor von Appels Aussagen.

Bei den Paketkästen etwa sei der Bedarf deutlich geringer gewesen als erwartet. Ebenso bei der Kofferraumzustellung, mit der man als erster Anbieter am Markt in Pilotprojekten experimentierte. Technisch funktioniere das, meinte Appel.

"Es wird aber erst dann relevant, wenn es alle Autos können, die neu auf den Markt kommen", erklärte Appel.

Man sei hier für Kooperation mit allen Herstellern offen. Auch von der Türöffnung für Zusteller per App hält der Post-Chef nicht viel. Man habe das getestet, es habe aber derzeit keine Priorität.

"Auch hier ist letztlich die Frage, wie groß der Markt von Kunden wirklich ist", äußerte Appel.

In Sachen Automatisierung priorisiert Appel klar Lager- und Sortierzentren, "wo man das gesamte System unter Kontrolle hat", vor der aus seiner Sicht noch immer komplexen "Letzten Meile". Es genüge eben nicht, einfach einen Roboter loszuschicken, dieser müsse auch die Situation erfassen und reagieren, wenn keiner zu Hause sei.

Tücke im Detail: Was macht der Roboter, wenn niemand da ist?

Die Zustellroboter namens "PostBot" hatte die Deutsche Post ab Oktober 2017 zur Begleitung von Postboten verwendet, um diese körperlich zu entlasten. Auf Basis eines Roboters des französischen Herstellers Effidence S.A.S. kann die Eigenentwicklung bis zu 150 Kilogramm an Sendungen transportieren. Das vierrädrige, elektrisch angetriebene Fahrzeug, folgt mittels Sensorerfassung dem zugeordneten Postboten. Auch wenn derzeit die Technologie noch unbefriedigend und teuer sei, entwickle man das Gefährt weiter, präzisierte ein Sprecher des Unternehmens im Nachgang zu dem Interview auf Anfrage von LOGISTIK HEUTE. Man rechne zudem damit, dass die Sensorik und Robotik-Technologien billiger werde. Dennoch glaubt Appel:

"Selbst in 20 oder 30 Jahren werden wir noch Menschen als Paketzusteller haben".

Er rechnet aber mit der verstärkten Nutzung technischer Hilfen wie Exoskelette, um schwere Pakete zu tragen. Die vielzitierte Drohnenlieferung sieht er allenfalls für hochwertige Sendungen wie Smartphones als relevant an.

Packstationen: Grenzen des Wachstums

Sogar im Hinblick auf die Packstationen im öffentlichen Raum drückte Appel seine Skepsis aus. Man betreibe derzeit 3.500 Stationen und baue das Netz systematisch aus. Letztlich werde nur ein geringer Teil des Volumens darüber abgewickelt und es sei die Frage, wie schnell man Flächen dafür finde. Zudem verwies Appel auf die immer besser planbare Lieferzeit per Lieferfenster oder Nachbarn nähmen Pakete entgegen.

"Wenn der Service an die Haustür so unbefriedigend wäre, würden doch viel mehr Menschen an Packstationen liefern lassen", stellte der Post-Chef fest.

Zuversichtlich zeigte er sich dagegen beim Thema Kurznachrichten-Kommunikation, wo die Nachfrage nicht bei Privat- aber Geschäftskunden steige. Man beobachte die Entwicklung auch beim Konkurrenten SimsMe und werde dann entscheiden. Auch insgesamt will Appel bald ein Gesamtkonzept für die Citylogistik präsentieren. Er habe hierzu klare Vorstellungen und werde die Paketsparte daher einstweilen kommissarisch weiterleiten. Zu deren Zukunft hatte er schon auf der Jahreshauptversammlung im November ein vielsagendes Statement abgegeben:

"Die Herausforderungen in unserem Unternehmensbereich Post - eCommerce - Parcel packen wir entschlossen an und kommen bei der Umsetzung der angekündigten Maßnahmen zur Verbesserung der Produktivität und der Kostenstruktur zügig voran. Die Effekte werden sich schon im kommenden Jahr deutlich zeigen."

LOGISTRA Kommentar:

Es klingt fast ein wenig nach Generalabrechnung mit seinem Vorgänger als Paketvorstand, was Post-Chef Frank Appel da dem experimentier- und risikofreudigen Jürgen Gerdes indirekt so um die Ohren haut: Kofferraumzustellung? Bringt's nicht! Post-Bot? Teures Spielzeug! Packstationen? Ja schon, aber! Drohnen? Nischentool für teure Smartphone-Zustellung. Appel räumt den Laden auf, knallhart auf die Kosten und den konkreten Nutzen für den zuletzt schwächelnden Logistikkonzern bedacht. Und wenn er für im Laufe des Jahres ein Gesamtkonzept ankündigt, klingt das fast wie eine Drohung. Was dann aus dem einst so stolz vorgezeigten DHL Innovation Center, dem kuriosen Daniel-Düsentrieb-Labor des gelben Riesen in Troisdorf bei Bonn wird, die Frage stellt sich wahrscheinlich auch mancher im Konzern.

Kein Geheimnis ist darüber hinaus, dass Appel den abenteuerlichen Ausflug der Deutschen Post unter die Automobilhersteller lieber heute als morgen durch einen Verkauf an einen OEM beenden würde. Aber für die Tochter Streetscooter fand sich bis auf die Kooperation mit Ford beim Modell XL bisher kein Interessent. Ein geplanter Deal mit VW scheiterte offenbar an unterschiedlichen Preisvorstellung. Der Grund ist aber auch, dass alle Transporterhersteller mittlerweile hellwach an eigenen elektrifizierten Lösungen für die Letzte Meile arbeiten. Elektro-Vans haben manche wie Nissan, Renault oder Iveco längst im Portfolio, jetzt aber auch VW/MAN, Daimler, bald Ford und auch das PSA-Trio aus Peugeot/Citroen/Opel.

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