PSA: Elektro-Vans sollen zügig auf Stückzahlen kommen

Mit der Premiere des vollelektrischen Kompaktvans bei Peugeot, Citroen und Opel startet der Konzern eine breit angelegte Elektrifizierung des Nfz-Portfolios. Der E-Anteil soll in fünf Jahren auf 15 Prozent steigen.

Strom angelegt: Von Anfang fünf Prozent am Portfolio sollen die E-Vans schnell auf 15 Prozent durchstarten. | Foto: PSA
Strom angelegt: Von Anfang fünf Prozent am Portfolio sollen die E-Vans schnell auf 15 Prozent durchstarten. | Foto: PSA
Johannes Reichel

Die Groupe PSA hat bei einer exklusiven Online-Präsentation für die Jury des "International Van of the Year" den neuen vollelektrischen Kompakt-Van im 3,0-Tonnen-Segment vorgestellt und damit den Auftakt für eine breite Elektrifizierung des gesamten Nutzfahrzeugportfolios gegeben. Xavier Peugeot, Vice President LCV bei der Gruppe, kündigte an, die ersten Exemplare der beiden Varianten des Kompaktvans als gewerbliches Nutzfahrzeug sowie als Personenshuttle bis zum Ende des Jahres ausliefern zu wollen, vorerst bei den Marken Peugeot, Citroen und Opel, auch der Kooperationspartner Toyota dürfte folgen. Anfangs sollen die E-Modelle bis zu fünf Prozent des Portfolios der Baureihe ausmachen, wie der Manager gegenüber der deutschen IVOTY-Trägerpublikation LOGISTRA erklärte.

"Wir wollen den Anteil der E-Modelle binnen fünf Jahren auf 15 Prozent ausbauen", kündigte Peugeot an.

Nach seiner Prognose werde der Markt für elektrische Pkw und Nfz bis 2025 um das zehnfache wachsen. Er verwies zudem auf das nächste Jahr, wenn eine Elektroversion des größeren Boxer/Jumper an den Start gehen soll, die mit Hilfe des türkischen Zulieferers BD Auto realisiert wird. Zudem kommt eine vollelektrische, werkseigene Version des City-Vans Citroen Berlingo/ Peugeot Partner sowie Opel Combo, die sich wie der 3,0-Tonner-Van den E-Antrieb aus dem Pkw-Baukasten vom Kleinwagen e-208/DS3 e-tense/Opel Corsa-e entlehnt. Etwaigen Plug-in-Hybrid-Varianten, wie sie aus den SUV oder Limousinen des Konzerns bekannt sind, erteilte Peugeot aber eine Absage.

"Wir glauben, der vollelektrische Antrieb ist für Nutzfahrzeuge die kostenseitig plausibelste Lösung", erklärte Peugeot.

Der Bestellstart für die Mittelklasse-E-Vans ist ab Juni im Falle der Nutzfahrzeugversion und ab September für die bis zu 9-sitzige Kleinbusvariante. Diese peilt sowohl auf private Nutzer wie auch gewerbliche Shuttle-Dienste und kommt daher in zwei entsprechenden Ausstattungsoptionen. Die Nutzfahrzeugversion ihrerseits übernimmt das komplette Karosserieprogramm von den Verbrenner-Pendant, kommt also auch in einer kompakten 4,60-Meter-XS-Version sowie einer mittellangen und langen Variante, aber auch als reines Fahrgestell für Aufbauten und Speziallösungen.

"Unsere E-Transporter müssen funktionieren wie eine Verbrenner-Variante und dürfen dem Nutzer keine Einschränkungen auferlegen", propagierte Peugeot weiter.

Er nahm damit Bezug auf die Nutzlast, die trotz des Mehrgewichts von etwa 200 Kilo gegenüber dem Verbrenner, noch bis zu 1.275 Kilo betragen soll. Das Ladevolumen bleibt ebenso unverändert wie die Fahrzeughöhe. Hier legte man den Fokus auf den Erhalt der Tiefgaragentauglichkeit mit 1,90 Meter Scheitelmaß. Allenfalls bei der Anhängelast müssen die Nutzer Abstriche machen. Allerdings sieht der Hersteller im Gegensatz zu vielen anderen E-Vans für den Expert/Jumpy/Vivaro eine Anhängeroption vor, der E-Van darf bis zu 1.000 kg ziehen. Auch für diese Zwecke halten die PSA-Ingenieure das Fahrzeug mit dem formal relativ moderat motorisierten Synchron-Motor aus den Kleinwagen des Konzerns ausreichend gewappnet. Das Drehmoment von 260 Nm liege aus dem Stand an und die Traktion sei auch dank einer angepassten Übersetzung gut, die Beschleunigung völlig ausreichend, verspricht ein Entwickler.

Realistische Reichweite: 230 und 330 km nach WLTP

Die Reichweite soll nach mit halber Nutzlast gefahrenen, realitätsnahem WLTP-Zyklus für die beiden Akku-Versionen mit 50 und 75 kWh bei 230 und 330 Kilometer liegen. Zudem ist eine CCS-Schnellladeoption mit 100 kW Leistung erhältlich, mit der das Fahrzeug mit 50 kWh-Akku binnen einer halben Stunde wieder zu 80 Prozent aufgeladen sein soll. Die CCS-Option sieht die Direktorin für Low Emission Vehicles Anne-Lise Richard vor allem für Überland- oder Fernstrecken als plausibel an, wo es auch Schnellladevorrichtungen gibt. Die vom Leergewicht etwa 160 Kilo schwerere 75-kWh-Variante wende sich an eine Klientel, die vielleicht weniger DC-Ladeoptionen habe und möglicherweise mit einer Ladung mehrere Tage oder die ganze Woche bestreiten müsse, wie Richard darlegt.

App mit Lade-Planer für fernere Trips

Selbst am Standard-Haushaltsstrom könne das Fahrzeug über Nacht bis zu 50 Prozent seiner Energiekapazität nachladen, erklärt PSA weiter. Mittels einer Lade-App, die Ladepunkte und Ladezeiten mit berechnet, könne man auch Langstrecken planen, wenn man etwa in den Urlaub fährt oder fernere Aufträge erledigen muss. Auch eine Ladezeit-Simulation ist in der App enthalten. Darüber hinaus bietet der Hersteller die Möglichkeit, für gelegentliche schwerere oder fernere Aufträge auf ein Verbrenner-Modell zurückzugreifen.

Ein Drittel der Kunden fährt nie weiter als 300 km

Allerdings verweist Xavier Peugeot auf die Tatsache, dass nach eigenen Untersuchungen 83 Prozent der Kunden weniger als 200 Kilometer täglich absolvieren und 30 Prozent nie mehr als 300 Kilometer an täglichem Streckenbedarf hätten. Auf dieser Basis habe man die Konzept für die E-Vans erarbeitet.

Um das Vertrauen der Kunden in die Elektrotechnik weiter zu erhöhen, gibt es neben der Acht-Jahres-Garantie über 160.000 Kilometer auch ein sogenanntes Batteriezertifikat, das im Falle des Wiederverkaufs des Fahrzeugs dem potenziellen Käufer den aktuellen Akkuzustand bestätigt, wie Richard weiter erklärt. Darüber hinaus könnten die Fahrzeuge von jeder PSA/Opel-Werkstatt gewartet werden, das Serviceintervall liegt auf dem Niveau der Verbrenner, also bei 40.000 km. Die Akkus sind zudem an den Kühlkreislauf des Fahrzeugs angeschlossen, sollen damit immer im optimalen Temperaturbereich gehalten werden, was den Lebenszyklus verlängern soll.

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