Quantron Energon: Fuel-Cell-Umrüstung auf Iveco-Basis

Hersteller präsentiert erstmals einen umgerüsteten Fuel-Cell-Truck, der für den Prototypen als Basis den Hauben-Lkw Iveco Strator nutzt und 700 Kilometer Reichweite ermöglichen soll.

Unter die Haube: Quantron realisiert eine Fuel-Cell-Umrüstung im Iveco Strator und will das Portfolio zügig auf andere Modelle erweitern. Marktstart ist für 2022 angepeilt. | Foto: Quantron
Unter die Haube: Quantron realisiert eine Fuel-Cell-Umrüstung im Iveco Strator und will das Portfolio zügig auf andere Modelle erweitern. Marktstart ist für 2022 angepeilt. | Foto: Quantron
Johannes Reichel

Der Gersthofener Spezialist für Elektronutzfahrzeug-Umrüstungen Quantron hat jetzt auch eine Nachrüstlösung für Brennstoffzellensysteme entwickelt und stellt diese in einem Hauben-Lkw von Iveco vor. Der Energon soll nur der erste von weiteren im kommenden Brennstoffzellen-Portfolio sein. Der Start der Serienproduktion ist allerdings erst für Mitte 2022 geplant, Vorbestellung nimmt der Hersteller schon jetzt gegen eine Gebühr von 10.000 Euro entgegen. Die Sattelzugmaschine stellt einen 44-Tonnen-Hauben-Lkw auf Basis des von der Quantron-Mutter Haller vertriebenen, aus Australien adaptierten Iveco Strator dar, der mit einer Brennstoffzelle und entsprechenden Hochdrucktanks ausgerüstet wurde. Er soll sich vollständig in die Logistikprozesse einbinden lassen.

An die 700 Kilometer Reichweite, 35-Kilo-Carbonfasertank

Die Reichweite des H2-Trucks beträgt laut Hersteller etwa 700 Kilometer. Die eingesetzte 130 kW starke Brennstoffzelle speist mit Unterstützung einer 110 kWh LFP-Batterie den 340 kW starken Motor an, der über ein Zweiganggetriebe verfügt. Gespeichert wird der H2-Kraftstoff in einem 35 Kilogramm fassenden Tank mit 350 bar Druck, der aus CFK (Carbon) besteht. Der Faserverbundwerkstoff liefert aus Herstellersicht die beste Kombination aus Gewicht und gleichzeitig benötigter Festigkeit. Mehr zu den technischen Details, auch zum Lieferant des Fuel-Cell-Systems wurde zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt gegeben.

"Wir haben ganz bewusst dieses Fahrzeug gewählt, denn es bietet gewisse Vorteile für den Einsatz eines Wasserstoffantriebes im Gegensatz zu einem Frontlenker-Lkw. Dennoch arbeiten wir in mehrere Richtungen, um zukünftig auch andere Lösungen anbieten zu können", erklärte Quantron-Sprecher und Marketing-Chef Serhat Yilmaz.

Im ersten Schritt folgen Zwei- und Dreiachser für den Verteilerverkehr, wie etwa Lebensmittellogistik und Kommunalfahrzeuge. Auch das Thema Bus wolle man in Angriff nehmen.

Nikola/Iveco-Pläne: Keine Konkurrenz, sondern Ergänzung

Man arbeite seit der Firmengründung im vergangenen Jahr neben batterieelektrischen Lösungen auch am Wasserstoffantrieb für Nutzfahrzeuge. Durch den hohen Systemwirkungsgrad der Brennstoffzelle hätten Wasserstoff-Lkw identische Leistungsmerkmale wie normale Diesel-Lkw, wirbt der Anbieter für das Konzept. Hinzu käme aber die lokale Emissionsfreiheit bei CO2, Stickstoffoxiden und Feinstaub, bei der Verbrennung von H2 wird nur Wasserdampf emittiert. Kostenseitig führt der Spezialanbieter auch für Wasserstoff-Lkw die Steuer- und Mautbefreiung sowie geringere Wartungs- und Betriebskosten im Vergleich zu einem Lkw mit herkömmlichem Dieselantrieb ins Feld. Angesprochen auf eine mögliche Kannibalisierung des Iveco-Partners Nikola bei den Brennstoffzellen-Lkw erklärte Yilmaz, man sei hier nicht auf Konfrontationskurs, weil es hier um reine Neufahrzeuge gehe.

"Wir wollen uns gezielt im Markt platzieren. Die Basis für unseren Energon bildet der Iveco Strator, der wiederum den Iveco Stralis als Plattform hat. Mit dem Energon bringen wir somit ein neues Fahrzeug in den Markt und schaffen gleichzeitig eine Lösung für alle Gebraucht- und Bestandsfahrzeuge des Iveco Stralis, so auch für die ganzen jungen Leasingrückläufer des Modells", stellte Yilmaz weiter klar.

Der Fokus liege auch hier auf dem Einsatz bestehender Ressourcen, um bereits bei der Herstellung des Fahrzeugs Emissionen einzusparen.

Printer Friendly, PDF & Email